Aktuelle Studie
DZ Bank hält Umschuldung in Griechenland für möglich

Trotz des Rettungsschirms fürchten viele Anleger eine Umschuldung Griechenlands. Eine aktuelle Untersuchung der genossenschaftlichen DZ Bank könnte der Skepsis neue Nahrung bieten.
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FRANKFURT. Trotz des Rettungsschirms fürchten viele Anleger eine Umschuldung Griechenlands. Die genossenschaftliche DZ Bank gibt den Skeptikern in einer aktuellen Studie, die dem Handelsblatt vorliegt, recht: "Ob diese Anleihen schlussendlich zu 100 Prozent zurückgezahlt werden und dies zum vereinbarten Laufzeitende, ist aus unserer Sicht nicht sicher", schreiben die Analysten mit Blick auf griechische Staatsanleihen.

Zwar ist eine erfolgreiche Konsolidierung der Staatsfinanzen kombiniert mit der ordnungsgemäßen Rückzahlung aller ausstehenden Anleihen das "wahrscheinlichste Szenario". Doch die Wahrscheinlichkeit dafür liegt nach Einschätzung der DZ Bank bei nur 50 Prozent.

Mit 45 Prozent fast ebenso wahrscheinlich sei, dass "Griechenland über eine geordnete Umschuldung von einem Teil seiner Schulden entlastet wird". Eine solche Umschuldung könne über die Europäische Zentralbank (EZB) laufen: Die Notenbank oder eine andere EU-Institution könnte die Mehrheit der Griechen-Bonds aufkaufen und dann den Prozess vorantreiben.

Die DZ Bank geht davon aus, dass die EZB bislang etwa 40 Mrd. Euro an griechischen Staatsanleihen gekauft hat, was etwa 13 Prozent des Gesamtvolumens griechischer Staatsanleihen entsprechen würde. "Wir gehen davon aus, dass die Notenbank etwa 60 bis 90 Prozent der Anleihen aufkaufen könnte", so die DZ Bank. Mit einer Mehrheit könnte die EZB oder eine andere EU-Institution an ihrer Stelle eine geordnete Umschuldung vorantreiben - entweder durch eine Teilentschuldung, einen sogenannten Haircut, durch eine Herabsetzung der Zinszahlungen oder eine spätere Rückzahlung.

Würden sich Griechenland und die EZB oder die EU auf eine Umschuldung einigen und diese für alle Gläubiger verbindlich machen, dann wäre dies aber ein Zahlungsausfall. Um das zu vermeiden, zum Beispiel aus politischen Gründen, müsste sich die EU oder die EZB darauf beschränken, nur die in ihrem Besitz befindlichen Anleihen zu restrukturieren.

Einerseits würden die Lasten der Entschuldung Griechenlands dann alleine den europäischen Steuerzahlern zugemutet, andererseits gibt es auch Vorteile: "Dies sollte die Wahrscheinlichkeit eines möglichen Dominoeffektes in der Eurozone merklich verringern", so die Analysten. Anders gesagt: die Ansteckungsgefahren für andere schwache EU-Länder und damit die Gefahr weiterer kostspieliger Rettungsaktionen wären dann geringer. Politisch sei das zwar nur schwer durchsetzbar, aber nur so könne ein Dominoeffekt vermieden werden, der sich auf andere Euro-Länder erstreckt, so die DZ Bank.

Der richtige Zeitpunkt für eine Umschuldung ist nach Ansicht der Analysten frühestens im zweiten Halbjahr 2012 erreicht, also ein Jahr vor Auslaufen des aktuellen Rettungsschirms für das Land. Dann werden die griechische Regierung und die Bevölkerung ihren Reformwillen unter Beweis gestellt haben.

Kommentare zu " Aktuelle Studie: DZ Bank hält Umschuldung in Griechenland für möglich"

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  • Perfekt!
    Die Griechen können noch länger über ihre Verhältnisse leben. Die französischen banken haben ihre Risiken an die EZb externalisiert. Die doofen deutschen zahlen wieder mal die Zeche.

  • an Herbert
    Die Typen sind ihre, die ihres Nachbarn und meine Kinder.
    So wurden Sie erzogen. Aber Gande Gottes vor dem was von denen nachkommt.

  • Tja,jetzt wird langsam die Katze aus dem Sack gelassen. Wobei jeder schon lange hören konnte, was sich im Lack befindet. Wahrscheinlich hat die EZb jetzt schon genug Schrott von französischen banken abgeladen bekommen, dass mittlerweile an eine Umschuldung zu denken ist. Wer das vor einem halben Jahr prophezeite, galt als Unkenrufer. Klar ist jedenfalls, dass europäische Steuerzahler - vor allem auch die deutschen - ausschließlich französische banken gerettet haben. Den Griechen geht es schlechter als es ihnen mit einer raschen Umschuldung gehen würde. Derjenige, der Risiken eingeht, hat dafür auch einzustehen. Man sollte sich langsam daran gewöhnen, dass es keine systemrelevanten banken gibt, mit Ausnahme der Notenbank. Für alles Andere würden sich immer Lösungen finden...

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