Alle Anleger sollen gleich behandelt werden
Lösung für Argentinien-Bonds rückt näher

Die argentinische Regierung will in sechs bis acht Wochen mit den Verhandlungen über eine Restrukturierung ihrer Anleiheschulden beginnen. Das erklärte der für die Umschuldungsverhandlungen zuständige Finanzsekretär Guillermo Nielsen dem Handelsblatt. Argentinien werde dann „ein Tauschangebot für bestimmte Anleihearten abgeben“. Bei den Inhabern argentinischer Anleihen kommt damit nun Hoffnung auf.

BUENOS AIRES/DÜSSELDORF. Wie die deutschen Anleihebesitzer warten tausende europäischer Anleger seit rund eineinhalb Jahren darauf, dass ihre Anleihen endlich bedient werden. Der Staat Argentinien hatte sich Anfang 2002 gegenüber seinen privaten Gläubigern für zahlungsunfähig erklärt. Wegen einer anhaltenden Finanzkrise war der Schuldendienst für die Auslandsanleihen eingestellt worden.

Das Angebot „werde individuelle und institutionelle Anleger gleich behandeln“, betonte Nielsen. Für weitere Details sei es aber noch zu früh. Zweifel an der Gleichbehandlung sind in den vergangenen Monaten immer wieder aufgekommen, zumal sich Vertreter Argentiniens bisher vor allem mit institutionellen Anlegern getroffen haben. Wichtig ist, dass es „wirtschaftlich eine Gleichbehandlung mit den Institutionellen geben wird,“ sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Vor zwei Wochen wurde daher unter Leitung der DSW und der Hypo-Vereinsbank eine Initiative für die Eigentümer von Argentinien-Bonds gestartet. Die Interessen und Ansprüche der Anleger werden dazu in der neu gegründeten Gesellschaft Argentine Bond Restructuring Agency (Abra), zusammengeführt.

Die Formierung der Abra wertete Nielsen als durchaus positiv. „Wir begrüßen alles, was unser Verhältnis zu den individuellen Anleihehaltern vereinfacht.“ Er plant in den nächsten Wochen erneut Reisen in die betroffenen Länder – auch nach Deutschland – zu persönlichen Treffen mit den Gläubigervereinigungen. Dabei sei jedoch klar festzuhalten, dass Argentinien auf keinen Fall die Gebühren oder Provisionen für das Verhandlungsteam der Abra übernehmen wird. „Dafür gibt es keinen Grund, denn wir bieten eine absolut gleichwertige Behandlung der individuellen und institutionellen Anleger an“, betonte Nielsen.

Adam Lerrick, Investment Banker und Berater für Internationale Wirtschaftspolitik für das Joint Economic Committee des US-Kongresses, leitet für Abra die Gespräche mit Argentinien. Er weist darauf hin, dass ebenso wie die Verhandlungen die Gebührenfrage noch völlig offen ist. Sehr vage sei daher auch die offizielle Pressemitteilung des Finanzministeriums, in der es heißt „wir beabsichtigen nicht, Gebühren, (...) zu zahlen“. Diese Frage „kann nur im Rahmen der Verhandlungen geklärt werden“, sagte auch Hocker, sie könne nicht schon im Vorfeld ausgeklammert werden.

Das Interesse an der Initiative „ist übergroß“, betonte ein Sprecher der Hypo-Vereinsbank (HVB). Dies zeigten die Besuche auf der Web-Seite , aber auch die Anrufe auf den drei Hot-Lines der Hypo-Vereinsbank. Genaue Zahlen, wie viele Anleger sich an der Initiative beteiligen werden, lägen aber rund zwei Wochen nach dem Start noch nicht vor.

Argentiniens neuer Präsident Nestor Kirchner kündigte indes an, er strebe eine Reduzierung von Kapital und Zinsen sowie eine Reprogrammierung der Laufzeiten „über mehrere Dekaden“ an. Dies sei die einzig machbare Möglichkeit. Alles andere wären „nicht erfüllbare Lösungen, die Argentiniens Ansehen in der Welt noch verschlechtern würden“. Zugleich spielte Kirchner die Notwendigkeit eines neuen Abkommens mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) herunter; das Übergangsabkommen läuft bis August. Schon im September wird eine Rückzahlung an den IWF über 3 Mrd. US-Dollar fällig. Argentinien habe bereits gezeigt, dass es ohne IWF-Abkommen zurechtkommen könne, erklärte Kirchner.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%