Allianz-Warnung
„Das wird die größte Blase“

Die Allianz fürchtet Verwerfungen am Anleihemarkt. Die Frage sei nicht, ob die Blase platze, sondern wann, sagt Andreas Utermann, Anlagechef bei Allianz Global Investors. Für Aktionäre allerdings hat er gute Nachrichten.
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LondonAllianz Global Investors sieht im Zuge der Finanzkrise eine massive Blase am Markt für Staatsanleihen aus den USA und Deutschland heraufziehen. Grund dafür seien die negativen Realzinsen für die Bonds, sagte Andreas Utermann, globaler Anlagechef bei Allianz GI, in London. "Es wird die größte Blase sein. Die Frage lautet nicht, ob sie platzen kann - sie muss platzen." Die Renditen müssten sich normalisieren, forderte Utermann. Das werde dann geschehen, wenn die Notenbanken ihre lockere Geldpolitik beendeten.

Deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentieren aktuell mit 1,360 Prozent und damit deutlich unter der Inflationsrate von 1,9 Prozent. US-Bonds werfen mit 1,606 Prozent kaum mehr ab. Beide Anleiheklassen gelten im Zuge der Euro-Schuldenkrise und der Haushaltskrise in den USA für viele Anleger als sicherer Hafen, weshalb Investoren auch niedrige oder sogar negative Renditen in Kauf nehmen.

„Hier ist in den vergangenen Jahren bedingt durch die starken Zinsrückgänge erhebliches Kapital geflossen“, sagt Karl-Heinz Geiger von der SVA Vermögensverwaltung. Die Investoren hätten nahezu durchgängig Geld verdient und unterschätzten das Anlagerisiko doch erheblich. Sollte sich die Bonitätslage der europäischen Staaten – einschließlich Deutschland – nochmals verschlechtern, drohen empfindliche Kursrückgänge.“ Ganz ähnlich sieht es Ingo Theismann von der Consulting Team Vermögensverwaltung. „Eine riesige Preisblase ist bereits aufgepumpt, nämlich bei Staatsanleihen in US-Dollar, in Euro, im Pfund und im Yen“, sagt der Geldverwalter. „Sobald das Vertrauen in die gigantischen Rettungsmaßnahmen der Notenbanken mit Geld aus dem Nichts verloren geht, werden die Banken ihre Staatsanleihen verkaufen und damit einen Preisverfall auslösen, der die scheinbare Sicherheit von Staatsanleihen in Schall und Rauch auflösen wird.“

Für Aktionäre haben die Experten allerdings gute Nachrichten. So sieht Utermann seit Beginn der Krise zum ersten Mal "Licht am Ende des Tunnels". Hoffnungszeichen sende vor allem der US-Immobilienmarkt, jener Bereich also, der die Finanzkrise 2008 ausgelöst hatte. Diese Erholung hätten die Finanzmärkte noch gar nicht voll eingepreist. In Europa wiederum seien die Fortschritte Irlands beeindruckend. Allianz Global Investors verwaltet als Investitionsarm des Allianz -Konzerns ein Vermögen von mehr als 300 Milliarden Euro.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Allianz-Warnung: „Das wird die größte Blase“"

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  • Wenn die Blase platzt werden sich die weltweiten Finanzoligarchen schon ein Rettungsschirmchen klöppeln. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Notfalls werden zwangsweise wertlose Staatsanleihen gegen reale Güter, vorzugsweise Grundbesitz, Immobilien, Edelmetalle und rentable Unternehmen eingetauscht.


  • "Die Renditen müssten sich normalisieren, forderte Utermann. Das werde dann geschehen, wenn die Notenbanken ihre lockere Geldpolitik beendeten."

    Quark. An dem Tag, an dem die Renditen sich wieder auf ein "ehrliches" Niveau erholen würden, sind sämtliche Staaten der westlichen Hemisphäre aufgrund ihrer horrenden Schulden sofort pleite.
    Daher wird es diesen Tag auch nie mehr geben -bzw. nur in einem Atemzug mit einer Währungsreform.

  • "Die Mutter der Dummen ist immer schwanger" (Zitat aus "Neues aus der Anstalt" (ZDF), in anderem Zusammenhang) ;-)

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