Allzeit-Tief in Sicht Bundesanleihe zeigt, wie blank die Nerven liegen

Die zehnjährige Bundesanleihe ist der Anker für den Markt europäischer Staatsanleihen – und strahlt auch auf Aktien ab. Die Rendite der Papiere fällt am Dienstag auf ein Jahrestief. Die Angst vor einem „Big Bang“ wächst.
Update: 05.04.2016 - 13:54 Uhr
Bundesanleihen sind momentan gefragt – schließlich gilt zumindest die Rückzahlung als sicher.
Minuszinsen

Bundesanleihen sind momentan gefragt – schließlich gilt zumindest die Rückzahlung als sicher.

FrankfurtAnfang des Jahres hatten viele Investoren deutsche Bundesanleihen schon mehr oder weniger abgeschrieben. Die Kurse könnten im Prinzip nur noch fallen und die Renditen im Gegenzug steigen. Das war der Tenor bei der großen jährlichen Umfrage des Handelsblatts unter mehr als 30 Banken. Damals lag die Rendite der am meisten beachteten deutschen Bundesanleihe – der mit zehn Jahren Laufzeit – bei 0,63 Prozent – und damit deutlich unter ihrem langjährigen Durchschnitt.

Doch die Banken haben sich getäuscht. Mit 0,08 Prozent hat die zehnjährige Bund-Rendite Dienstag, den 5. April, ein neues Jahrestief markiert. Mehr noch: Sie nähert sich rasant ihrem Allzeit-Tief. Dieses hatte sie am 17. April 2015 im Tagesverlauf mit 0,05 Prozent markiert. Der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe ist damit seit Anfang des Jahres um mehr als fünf Prozent gestiegen. Der Dax hat im gleichen Zeitraum mehr als zehn Prozent verloren. Gerade am Dienstag schalteten die Investoren dabei wieder in den „Risk-Off-Modus“ – ausgelöst unter anderem durch rückläufige Auftragseingänge der deutschen Industrie.

Selbst einen Fall unter die Marke von null Prozent schließen Banker bei der zehnjährigen Bundesanleihe jetzt nicht mehr aus. „Dies wäre ein historischer Schritt“, sagt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank. Auch Jens Kramer, Leiter Volkswirtschaft und Strategie bei der NordLB, hält einen kurzfristigen Fall unter null Prozent für möglich. Die Strategen der Royal Bank of Scotland rechnen sogar fest damit, dass die zehnjährige Bund-Rendite bald auf minus 0,1 Prozent fallen wird. Christian Reicherter von der DZ Bank sagt: „Ein Big Bang kann nicht ausgeschlossen werden.“

Die zehnjährige Bundesanleihe setzen Investoren mit den sogenannten langfristigen Kapitalmarktzinsen gleich – daher die Bedeutung des Papiers. Grundsätzlich würde indes selbst eine negative Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe nicht viel ändern – schließlich rentieren Bundesanleihen mit einer Laufzeit von bis zu neun Jahren bereits seit längerem im Minus-Bereich. Das bedeutet, dass Anleger, die diese Papiere jetzt kaufen und bis zur Fälligkeit halten, einen garantierten Verlust machen.

Diese Banken stehen auf Bundesanleihen
Anleihen unterm Hammer
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Der Bund versteigert seine Anleihen stets über Auktionen, im Jahr 2016 waren es 72. Zunächst gehen die Bonds an Banken. Diese bieten oft im Auftrag von anderen institutionellen Investoren wie Fonds, Versicherern oder Pensionskassen. Die Banken verkaufen die Bonds dann an diese Investoren weiter.

Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland
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Die Auktionen gingen in diesem Jahr nicht immer gut. Bei 14 Auktionen war die Nachfrage der Banken geringer als das Angebot. Für den Bund ist das aber kein Problem. Denn die Finanzagentur – der oberste Schuldenmanager des Bundes – behält bei Auktionen ohnehin stets um die 20 Prozent einer Auktion zur Marktpflege ein und verkauft die Anleihen dann nach und nach.

Euro-Münze
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Zugelassen zur sogenannten „Bietergruppe Bundesanleihen“ sind Banken, die ihren Sitz oder zumindest eine Tochtergesellschaft in der EU haben. Zudem müssen sich die Institute dazu verpflichten, im Schnitt mindestens 0,05 Prozent an den neuen Bundeswertpapieren zu ersteigern. Wer das nicht erreicht, scheidet aus der Bietergruppe aus. Für 2017 sind insgesamt 36 Banken in der Bietergruppe. Hier die Top 10.

Platz 4: Citigroup Global Markets
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Die amerikanische Großbank Citi rückt immer weiter in der Liste der Banken auf, die Deutschland die meisten Anleihen abkaufen. Im Vergleich zum Vorjahr verbesserte sie sich jetzt um ganze sechs Plätze auf Rang vier. Auch bei der Citi ist es die britische Tochter, die bei Bundesanleihen mitbietet.

Platz 9: Société Générale
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Die französische Universalbank hielt sich wie 2014 auf dem neunten Platz.

Platz 6: Goldman Sachs International
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Die britische Tochter der US-Bank rückte erneut um zwei Plätze vor – diesmal auf Rang sechs von Rang acht. Im Vorjahr war die US-Investmentbank von Rang zehn aufgestiegen.

Platz 8: Barclays Bank
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Die britische Großbank ersteigerte nur etwas weniger deutsche Bundesanleihen und Geldmarktpapiere als im Vorjahr. In der Bietergruppe rutschte sie so um einen Rang auf Platz acht nach unten.

Für den Run auf die Bundespapiere in diesem Jahr gibt es mehrere Gründe: Der schlechte Start der Aktienmärkte und die allgemeine Risikofurcht haben Investoren seit Jahresanfang verstärkt wieder in die „sicheren Häfen“ der Bundesanleihen getrieben. Dabei machten vor allem der fallende Ölpreis, die Sorgen um China und die allgemeine Furcht vor einer weltweiten Rezession die Anleger nervös.

Bundesanleihen sind in einem solchen Umfeld gefragt – schließlich gilt zumindest die Rückzahlung als sicher. Die Ängste um die Weltwirtschaft haben sich zwar wieder etwas gelegt, doch dafür kommt jetzt erneut die Europäische Zentralbank (EZB) ins Spiel.

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