Alternative Refinanzierung
LBB rüttelt am Pfandbrief

Die Attraktivität des Pfandbriefs als Refinanzierungsinstrument der Hypothekenbanken ist nach Einschätzung ihres Verbandes durch weniger sichere neue Pfandbriefvarianten bedroht. Konkret kritisiert der Verband Deutscher Pfandbriefbanken (VdP) den Plan der Landesbank Berlin (LBB). Sie will statt eines Pfandbriefs eine besicherte Inhaberschuldverschreibung begeben.

FRANKFURT. Nach Lage der Dinge sei davon auszugehen, dass dieser „Structured Covered Bond“ nicht so insolvenzfest sei, wie ein gesetzlich geregelter Pfandbrief, sagte der Präsident des VdP, Henning Rasche, gestern in Frankfurt. Sollte das Beispiel Schule machen, sei die Homogenität des Pfandbriefmarktes bedroht und die Refinanzierungskosten der Banken könnten steigen, so Rasche, der sich ausdrücklich auf die Zustimmung zu seiner Kritik durch die übrigen Banken berief.

Im Zentrum der Auseinandersetzung sind Anleihen, die vor allem durch Immobilienkredite besichert sind. In Deutschland hat sich dafür schon früh die gesetzlich geregelte Form des Pfandbriefs herausgebildet. Ihr Vorteil: Da Zinszahlung und Tilgung durch gesetzliche Regeln auch bei Insolvenz der begebendenBank gesichert sind, zahlt das Institut sehr niedrige Zinsen. Da solche Papiere bei sehr risikoscheuen Anlegern weltweit gesucht sind, hat sich dadurch in Deutschland ein über 950 Mrd. Euro großer Markt standardisierter Papiere gebildet. Vor allem in Zeiten schrumpfender Margen im deutschen Immobiliengeschäft ist diese günstige Refinanzierungsquelle für deutsche Banken wichtig. Rasche hat in seiner Verbandsfunktion diese Entwicklung über Jahre maßgeblich vorangetrieben.

Im Ausland etablierten sich dagegen in letzter Zeit pfandbriefähnliche „Structured Covered Bonds“. Deren Insolvenzabsicherung ist aber nicht gesetzlich, sondern privatrechtlich geregelt. Diesen Weg beschreitet, vor allem aus Kostengründen, nun auch die LBB. Die Sorge von Rasche, aber auch einiger Analysten ist nun, dass der Markt für Pfandbriefe und pfandbriefähnliche Produkte viele verschiedene Varianten bekommt, sodass er für Anleger weniger attraktiv wird. „Wenn das Beispiel Schule macht, besteht die Gefahr, dass die Investoren einen Renditeaufschlag haben wollen, weil ihr Aufwand bei der Analyse der vielen Produkte steigt“, so Robert Mandziara, Analyst bei der WestLB. Dadurch könne sich die Refinanzierung der Banken verteuern. Auch könne es zu Irritationen kommen, wenn ausgerechnet ein Institut aus dem Mutterland des Pfandbriefs einen Sonderweg gehe.

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Die LBB, die auch weiterhin standardisierte Pfandbriefe begeben will, sieht dies gelassen. „Am Ende des Tages entscheidet der Markt. Die bis heute platzierten Strukturen besitzen bereits eine hohe Akzeptanz bei den Investoren", sagte Christian Scheibe, der bei der LBB die Emission mitorganisiert. Mit Blick auf die Kritik an der möglicherweise geringeren Insolvenzsicherheit der Anleihe verweist die LBB auf die Bonitätstopnote der Ratingagentur Moody’s von „AAA“ für das Produkt.

Im konkreten Fall will die LBB Kredite von Sparkassen zusammenfassen und als Pfandbrief emittieren. Dadurch sollen diese von den Vorteilen des pfandbriefähnlichen Produktes profitieren, den sie alleine nicht ausgeben könnten. Diese Zusammenfassung der Kredite für einen Pfandbrief in ein so genanntes Refinanzierungsregister wäre nach Aussagen Scheibes für einen klassischen Pfandbrief zu kompliziert und zu teuer. „Für kleinere Institute rechnet sich das nicht“, so der Banker.

Zunächst plant die LBB eine Pilot-Emission, über die eigene Kredite über bis zu 250 Mill. Euro refinanziert werden sollen. Später sollen dann auch Emissionen für Dritte folgen.

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