Alternativen für Anleger
Besser als Bundesschatzbriefe

Der Bund sperrt Kleinanleger aus: Diese können ihr Geld künftig nicht mehr direkt bei Vater Staat anlegen. Das klingt dramatischer, als es ist. Für Anleger gibt es sowieso bessere und zugleich sichere Alternativen.
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FrankfurtPrivatanleger, die Vater Staat künftig Geld leihen wollen, müssen das künftig über Banken machen und den Instituten dafür Gebühren zahlen. Darüber informierte die Finanzagentur gestern Anleger im Internet, nachdem das Handelsblatt über entsprechende Pläne des Bundesfinanzministeriums berichtet hatte.

Fest steht derzeit: Neue Schuldbuchkonten können Sparer bei der Agentur nur noch bis Ende des Jahres eröffnen. Auf bestehende Konten können sie neue börsennotierte Bundeswertpapiere nur bis 21. August übertragen. Neue Serien der Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze gibt es nur noch bis Jahresende. Und auch mit der Tagesanleihe und dem gebührenfreien Erwerb von fünfjährigen Bundesobligationen ist Ende des Jahres Schluss. Immerhin: Die rund 335.000 Konten, auf denen Sparer 8,5 Milliarden Euro angelegt haben, werden weitergeführt, bis alle darin verwalteten Bundeswertpapiere ausgelaufen sind.

Auf den ersten Blick ist das für Anleger nicht dramatisch, weil die aktuellen Konditionen für Neueinsteiger unattraktiv sind. So bringen ein- und zweijährige Finanzierungsschätze fast keine Rendite. Die Nachfrage institutioneller Investoren nach sicheren Bundesanleihen hat schließlich die Renditen für alle Bundeswertpapiere extrem gedrückt.

Trotzdem nimmt der Bund, dem das Privatkundengeschäft zu teuer wurde, Kleinsparern die Möglichkeit, Geld flexibel anzulegen. Das gilt vor allem für Bundesschatzbriefe, die es ab einer Anlage von 52 Euro gibt. Die "Bundesschätzchen" mit gestaffelten Zinsen bringen bei Laufzeiten von sechs und sieben Jahren zwar auch nur 0,51 und 0,69 Prozent Rendite. Aber: Nach einem Jahr können Anleger sie in neue Serien umschichten.

Die Konditionen der neuen Serien werden dabei ständig an das Marktniveau angepasst - bei steigenden Kapitalmarktzinsen lohnte sich die Umschichtung. Und zwar so sehr, dass die Finanzagentur regelmäßig berechnen ließ, dass Anleger mit Bundesschatzbriefen mehr erwirtschafteten als mit Rentenfonds.

Grund dafür waren vor allem die wegfallenden Gebühren, die jetzt auf alle Anleger zukommen. Bei vielen Banken sind das die üblichen Kosten für einen Kauf eines Wertpapiers sowie die Gebühren für das Wertpapierdepot.

Bei der Postbank fallen zum Beispiel für den Kauf von Bundesschatzbriefen in Höhe von bis zu 1 200 Euro Gebühren von 7,95 Euro an. Ordert man die Papiere beim Schalterbeamten in der Filiale, werden 13 Euro Zuschlag fällig.

Bei der Commerzbank werden beim Kauf 0,5 Prozent des investierten Geldbetrags eingezogen, mindestens 19,90 Euro. Bestellt man die Papiere über das Internet, gibt es auf die Gebühr einen Rabatt von 20 Prozent. Hinzu kommen bei beiden Instituten Depotgebühren.

Günstiger ist es zum Beispiel beim Online-Broker ING-Diba - dort können Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze kostenlos gekauft werden, auch Depotgebühren fallen nicht an.

Kommentare zu " Alternativen für Anleger: Besser als Bundesschatzbriefe"

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  • Die abschaffung der Bundesschatzbriefe
    und -obligationen ist ein -notweniger- schritt vor der einführung der kommenden euro-bonds. Die werden mehr rendite bringen -müssen-, und danach sind bundeswertpapiere unverkäuflich.

    Auf der anderen seite nervt entschieden, daß immer wieder und in allen möglichen medien vertreter der zahlreichen pleite- und beinahe-pleite-institute als angebliche fachleute befragt werden. Eine bank, die nur durch staatliche knete auf kosten der steuerzahler überlebt, hat eine solche fachlichen wertschätzung und beachtung längst verwirkt.

    Zugegeben, die SEB ist hier ein sonderfall, gleichwohl ist ihre befragung ärgerlich. Denn sie ist zwar nicht pleite, hat ihre fehlkalkulation aber mit zuletzt schon miesen tricks und ohnehin auf kosten der irregeführten Immofonds-kunden ins trockene gebracht. Übelgelaunte opfer könnten das als geplanten betrug bezeichnen, aber die sind sicher alle selbst schuld, wenn sie einer bank vertrauen, egal wie die sich nennen möchte.

  • Der Hinweis auf die besseren Konditionen bei Sparbriefen kann für den Anleger zum Bumerang werden. Denn im Gegensatz zu den festverzinslichen (Bundes-)Wertpapieren kann man Sparbriefe nicht vor Fälligkeit kündigen. Da bleibt allenfalls der Weg über den Sparbriefzweitmarkt.

  • Die wollen wohl nicht Schuld sein, wenn der EURO kaputt geht und damit das sich selbst über Inflation aufzehrende Privatvermögen.

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