Am Anleihemarkt zählt:
Liquidität, Liquidität, Liquidität

Die Kurse für Staatsanleihen brechen ein. Weil die US-Notenbank Fed bald die Zinsen erhöhen dürfte, verkaufen die Investoren lieber jetzt. Doch fürchten sie, die Papiere nicht rechtzeitig loszuwerden.
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New YorkGroße Sprünge nach oben oder unten sind Anleihemärkten eigentlich fremd. Meist herrscht auf den Märkten für Schuldentitel Ruhe. Nicht so in den vergangenen Wochen. Dank Griechenland-Krise sowie Geldpolitik der Notenbanken gingen die Anleihekurse weltweit auf Tauchstation. Die Investoren stellt das vor neue Probleme. Denn eines ist derzeit knapp: Liquidität am Anleihemarkt.

Spanien zum Beispiel muss für Langläufer über 30 Jahre mehr zahlen als Italien, obwohl das Land von den Ratingagenturen als sicherer eingestuft wird. Der Grund: Italiens Bondmarkt hat das doppelte Volumen, verglichen mit Spaniens – und verfügt deshalb über die größere Liquidität, also Handelbarkeit der Papiere.

Ähnliches lässt sich weltweit beobachten: Anleihen aus kleineren Märkten, etwa Finnland, Singapur und Kanada, fallen bei Anlegern in Ungnade. Die Investoren bereiten sich auf eine Zinserhebung der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Sie wollen sicher gehen, dass sie zügig verkaufen können, sollten die Bondmärkte noch volatiler als jetzt.

„Liquidität ist das erste Kriterium bei der Länderauswahl”, sagte Olivier de Larouziere, Leiter europäische Zinsstrategie bei Natixis Asset Management mit rund 367 Milliarden Dollar (324 Mrd. Euro) verwaltetem Vermögen.

Sorgen, dass die Liquidität austrocknet, haben zugenommen. Erst im April dieses Jahres rutschten die Kurse an den Märkten so tief, dass mehr als eine halbe Billion Dollar an Wert von Staatsanleihen vernichtet wurden - ein Ereignis, das viele Händler als einmalig in ihrer Generation bezeichnen.

Der Mangel an Liquidität an den Märkten hat inzwischen auch die Politik erreicht. In den USA werden sich Aufsichtsbehörden demnächst mit Vertretern von Wall-Street-Häusern treffen. Sie wollen besprechen, wie vermieden werden kann, dass im Nachgang der Krise beschlossene Regulierungen und Notenbankbeschlüsse eine Kernschmelze auslösen, wenn die nächste Verkaufswelle an den Staatsanleihenmärkten kommt. Aberdeen Asset Management hat sich auf ein solches Szenario schon vorbereitet. Die Vermögensverwaltung hat zur Finanzierung möglicher Mittelabflüsse eine Kreditlinie über 500 Millionen Dollar vereinbart.

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