An den Terminmärkten sind jetzt Dezember-Kontrakte führend – Niedersachsen konkretisiert Emissionspläne
Die Kapitalmarktzinsen sinken wieder

Die in den vergangenen beiden Tagen leicht gestiegenen Kapitalmarktzinsen sind gestern wieder gesunken. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte zum Handelsende mit 3,07 Prozent und damit in der Nähe ihres Allzeit-Tiefs von 3,04 Prozent, das sie Ende vergangener und Anfang dieser Woche markiert hatte. Anleiherenditen entwickeln sich gegenläufig zu den Kursen.

HB FRANKFURT/M. Der Terminkontrakt Bund-Future ist dagegen von seinem Allzeit-Hoch von 124,60 Prozent noch weiter entfernt. Das liegt daran, dass an den Terminmärkten gestern der so genannte Kontraktwechsel von der September- in die Dezember-Sicht stattfand. Die Terminkontrakte Bund-, Bobl- und Schatz-Future gelten jeweils drei Monate als Richtung weisend und haben dabei jeweils die höchsten Umsätze und den höchsten Kurs (siehe „Im Gleichklang“). Beim Wechsel in einen neuen führenden Kontrakt kommt es deshalb automatisch zu Abschlägen. Der bis gestern Mittag gehandelte September-Bund-Future lag am Schluss im Vergleich zum Vortag 0,01 Prozentpunkt im Plus bei 124,02 Prozent. Der jetzt führende Dezember-Bund-Future lag am Ende 0,31 Prozentpunkte im Plus bei 123,40 Prozent.

Insgesamt laufen die Kontrakte auf die Anleihe-Futures jeweils neun Monate. Am Ende der Laufzeit müssen sie entweder von einem anderen Terminkontrakt oder durch die Lieferung der entsprechenden Anleihen abgelöst werden. Dem Bund-Future liegen Bundesanleihen mit Laufzeit von 8,5 bis 10,5 Jahren zu Grunde, beim Bobl-Future sind es Bundesobligationen mit 4,5- bis 5,5-jähriger Laufzeit und beim Schatz-Future 1,75- bis 2,25-jährige Bundesschatzanweisungen. Der Bund-Future ist der weltweit am meisten gehandelte Anleiheterminkontrakt und wichtiger Indikator für die Stimmung an den Anleihemärkten in der Euro-Zone.

Dass die Stimmung an den Anleihemärkten gestern recht gut war, begründeten Händler mit dem anziehenden Ölpreis in den USA. Dieser gilt als potenzielle Konjunkturbremse und stützt die Staatsanleihen und Terminkontrakte deshalb. Außerdem fielen mit 319 000 die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA etwas höher aus als erwartet.

„Daneben halten die Spekulationen an, dass die US-Notenbank auf Grund des Hurrikans Katrina eine Pause in ihrem Zinserhöhungzyklus macht“, sagte Gregor Beckmann, Rentenanalyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die nächste Leitzinsentscheidung der US-Notenbank (Fed) steht am 20. September an. Michael Moskow, Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Fed hatte zwar am Vorabend betont, dass die geldpolitischen Zügel auch nach dem Hurrikan weiter gestrafft werden müssten (siehe Devisenmarkt). „Der Rentenmarkt scheint ihm aber nicht recht zu glauben“, sagte Beckmann. Das galt auch in den USA, wo die zehnjährige Staatsanleihe im New Yorker Handel unverändert mit 4,14 Prozent rentierte.

Der Markt für neue Anleihen wird sich in der kommenden Woche weiter deutlich beleben. Unter den deutschen Bundesländern will Niedersachsen eine fünfjährige variabel verzinste Anleihe über 1,5 Mrd. Euro begeben. Damit konkretisierte das Bundesland seine schon länger angekündigten Emissionspläne. Konsortialführer sind Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank und NordLB. Am Pfandbriefmarkt werden Jumbos von Santander und Hypothekenbank in Essen sowie die Debüts aus Finnland (Sampo Bank) und Holland (ABN Amro) erwartet.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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