Analysten bescheinigen Brasilien und Kolumbien Fortschritte - Argentinische und venezolanische Anleihen gelten als teuer
Risikoprämien der Latino-Bonds sinken

Die meisten Anleihenmärkte Lateinamerikas haben sich nach der Talfahrt in Juni wieder etwas von den US-Bonds abgekoppelt. Die Konsequenz: Die Risikoaufschläge lateinamerikanischer Anleihen gingen deutlich zurück. Analysten erwarten, dass der Trend anhält. Investoren dürften nun wählerischer werden und sich die volkswirtschaftlichen Daten genauer ansehen. UBS-Warburg-Analyst Michael Gavin von UBS-Warburg verspricht sich davon einen gesünderen Markt.

BUENOS AIRES/ MEXIKO-STADT/ SAO PAULO. Gute wirtschaftliche Aspekte sieht Gavin vor allem in Brasilien. Zwar dürften auch dort nach Expertenansicht die Proteste gegen die geplante Steuer- und Rentenreform zunehmen. So will die Regierung unter anderem mit einer Kürzung der Pensionszahlungen langfristige Einsparungen erzielen und hat dabei Justiz, Militärs, Beamte und die Gewerkschaften gegen sich aufgebracht. Die Verhandlungen im Kongress werden noch mindestens zwei Monate dauern – so lange dürften brasilianische Bonds noch schwankungsanfällig sein. Immerhin: Brasilianische auf Euro lautende Anleihen rentieren noch 7,26 Prozentpunkte über US-Staatsanleihen. Die Risikoprämien haben sich damit seit Jahresanfang halbiert.

In Kolumbien stehen die Chancen gut, dass Präsident Alvaro Uribe seinen eindrucksvollen Reformkurs fortsetzen kann. Das Verfassungsgericht genehmigte ein Referendum über weitere Haushaltseinsparungen – und Umfragen zufolge werden die Kolumbianer Uribes Sparpläne unterstützen. Ein erfolgreiches Referendum werde eine positive Reaktion der Rating-Agenturen nach sich ziehen, meint Fernando Losada von ABN-Amro. Möglich sei eine Aufwertung der Kreditwürdigkeit im ersten Halbjahr 2004. „Händler und Investoren werden wie immer versuchen, den Rating Agenturen einen oder zwei Schritte voraus zu sein, das würde eine sehr gute Performance der Anleihen im zweiten Halbjahr 2003 bedeuten“, prognostiziert Losada.

Positiv sehen die Investmentbanken auch die von der Regierung in Venezuela angekündigten Anleihenrückkäufe in Höhe von umgerechnet rund 2 Mrd. $. Davon sollen Anleihen in fünf verschiedenen Währungen betroffen sein, die bis 2008 auslaufen. Noch ist nicht klar, wie der Rückkauf finanziert werden soll – ob die Regierung entweder eine längerfristige ausländische Dollaranleihe auflegen wird oder eine lokale Obligation. Ziel ist, die kurz- und mittelfristigen Schuldenzahlungen zu verringern. „Erstmals scheint das Finanzministerium eine kluge und überlegte Aktion zu starten, um die Verschuldungssituation Venezuelas zu verbessern“, befinden die Experten vom regierungskritischen Beratungsunternehmen Veneconomy in Caracas.

UBS-Warburg-Analyst Gavin rät jedoch weiterhin von Venezuela-Anleihen ab – obwohl das UBS-Portfolio mit den Untergewichtungen von Venezuela- und Argentinien-Anleihen im Vergleich zum richtungsweisenden Index JP Morgan EMBI+ weiter ins Hintertreffen geraten ist. Gavin schrecken die politischen Verhältnisse in dem wichtigen Ölförderland ab: die Politik des Präsidenten Hugo Chávez, die starke Protestbewegungen ausgelöst hat. Zudem lägen die Wirtschaftszweige darnieder, die nicht am Öl hingen.

In Argentinien gibt es noch immer keine konkreten Aussagen über die Umschuldung der nicht bedienten Anleihen. Experten halten es eher für unwahrscheinlich, dass die Regierung auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im September ein konkretes Angebot vorlegt. „Die Verhandlungen dürften bis 2004 andauern“, meint Analyst Losada. Auch Gavin rät trotz der jüngsten Rally argentinischer Bonds zu Zurückhaltung: Die Kurse seien im Verhältnis zu Argentiniens künftigen Zahlungsmöglichkeiten zu hoch.

In Mexiko haben sich die Anleihen jüngst praktisch immun gegen politische Einflussfaktoren erwiesen. Der Sieg der linksgerichteten Opposition bei der Parlamentswahl am 6. Juli blieb weitgehend ohne Auswirkungen auf die Anleihen. Mexiko hat sich längst vom Rest Lateinamerikas abgekoppelt; die Anleihen zeigen eine enge Korrelation mit US-Bonds. Der Risikoaufschlag zu US-Staatsanleihen liegt bei nur 200 Basispunkten. Entsprechend niedrig ist die Rendite für mexikanische Bonds. Der Direktor der mexikanischen Investmentberatung Ecanal, Rogelio Ramírez de la O, sieht denn auch ein „sehr gut kalkulierbares Risiko“. Er hebt das niedrige Haushaltsdefizit, die geringe Inflation und die sehr hohen Devisenreserven von über 50 Milliarden Dollar als stabilisierende Faktoren hervor. Die einzige Gefahr sei eine Zinserhöhung in den USA, meint David Roda von der Dresdner Bank Lateinamerika Financial Advisers. Die treffe dann auch Mexiko.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%