Analysten erwarten stagnierende Kurse am Anleihemarkt
Investoren ziehen Geld aus deutschen Renten ab

Nachdem sich die konjunkturelle Stimmung im Euro-Raum wieder etwas aufgehellt hat, rechnen die Rentenmarktexperten langfristig mit weiter fallenden Bondkursen und steigenden Renditen.

HB FRANKFURT/M. Kurzfristig könne es allerdings zunächst zu einer technischen Korrektur des steilen Abwärtstrends kommen, meinen die Analysten der DZ Bank. Grundsätzlich werde sich an der „bärischen“ Tendenz allerdings nur wenig ändern.

Auch die Commerzbank geht davon aus, dass sich die Kurse nach den deutlichen Einbußen in den kommenden Wochen erst einmal seitwärts bewegen. Mit deutlich höheren Renditen sei erst ab dem Herbst zu rechnen. Von der in dieser Woche anstehenden Sitzung der Europäischen Zentralbank erwarten beide Institute keine weitere Zinssenkung. Darauf habe EZB-Präsident Wim Duisenberg die Märkte vorbereitet.

Am vergangenen Freitag schlossen die Euro-Renten gestützt von unerwartet niedrigen deutschen Auftragseingängen mit Kursgewinnen. Allerdings blieben die Umsätze wegen des Feiertags in den USA sehr niedrig. Der September-Kontrakt des Bund-Futures legte um 54 Ticks auf 116,24 % zu und schloss damit auf Tageshoch. Die durchschnittliche Umlaufrendite gab von 4,61 % auf 3,57 % nach.

Trotz der Kursgewinne hat der deutsche Rentenmarkt eine insgesamt schwache Woche hinter sich. Für viele Investoren Grund genug Gelder in Anleihen anderer EuroLänder umzuschichten. Am Freitag war der Renditeaufschlag von Bonds aus Frankreich, Finnland und Irland gegenüber deutschen Papieren auf null geschrumpft. „Das ist ein historischer Moment“, sagte Ken Robertson, Investment-Manager von Abbey National Asset Managers. Die Investoren zeigten sich enttäuscht über die schwache Verfassung der deutschen Wirtschaft „Wir hatten außerdem diese katastrophale Auktion am Mittwoch“, sagte Alessandro Tentori von der Hypo-Vereinsbank.Die Deutsche Finanzagentur hatte am Mittwoch wegen der geringen Nachfrage nur mit Mühe ihre neue zehnjährige Anleihe verkaufen können.

Auch am Eurobondmarkt standen vor dem Wochenende deutsche Emittenten im Mittelpunkt. Der Versorger Energie Baden-Württemberg (EnBW), musste einräumen, dass die finanzielle Lage schlechter als erwartet aussieht. Daraufhin stiegen die Risikoaufschläge der EnBW-Anleihen deutlich. Nach Informationen aus Marktkreisen erwägt die Deutsche Telekom eine Emission im Volumen von 3 Mrd. Euro. Eine Bestätigung für die Spekulationen gab es aber nicht. In dieser Woche rechnen die Marktteilnehmer mit der angekündigten zehnjährigen Anleihe des spanischen Ölkonzerns Repsol über 1 Mrd. Euro. Marokko wird heute die Platzierung seines fünfjährigen Bonds über 400 Mill. Euro abschließen.

In Japan haben die massiven Verluste am Rentenmarkt die Angst vor dem Platzen einer Kursblase genährt. In der vergangenen Woche waren die Renditen so stark gestiegen wie seit vier Jahren nicht mehr – in der Spitze bis auf 1,4 % für zehnjährige Bonds. Grund: Nachlassender Deflationsdruck, positive Konjunkturdaten, eine enttäuschende Auktion von Staatsanleihen und Gewinne am Aktienmarkt. Nach Einschätzung von Analysten besteht trotz der Verluste kein Grund zur Panik. Nach wie vor fehle den Anlegern in Japan eine echte Alternative zum Rentenmarkt, argumentieren die Experten von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Sie halten an ihrer Prognose von 0,7 % für die Rendite zehnjähriger Staatspapiere fest.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%