Analysten fürchten Folgen für gesamten Bondmarkt
Angst vor GM-Pleite schockt die Märkte

Nach der Pleite des Automobilzulieferers Delphi sind die Aktien und Anleihen von General Motors (GM) kräftig unter Druck geraten. Immer mehr Analysten raten zum Verkauf der Papiere. Der Grund: Die Angst wächst, dass GM selbst in die Insolvenz rutscht. Unter den Folgewirkungen der Krise leidet die gesamte US-Autobranche.

HB NEW YORK. Wenn GM bei den nächsten Tarifverhandlungen 2007 keine hohen Konzessionen durchsetzen könne, sei der Autokonzern „unweigerlich auf dem Weg in die Insolvenz“, warnte Delphi-Chef Robert S. Miller gestern. Miller sagte, dass die US-Autobauer – vor allem GM und Ford – nicht mehr wie früher die Kosten einfach weitergeben könnten. Die in fetten Jahren ausgehandelten Tarifverträge seien heute ruinös.

Delphi gehörte bis zum Jahr 1999 zum GM-Konzern. Die Krise der ehemaligen Tochter könnte den Autobauer durch Pensionsverpflichtungen und Abfindungen elf Mrd. Dollar kosten. Delphi hatte am vergangenen Samstag Insolvenz angemeldet, nachdem das Unternehmen im ersten Halbjahr 2005 Verluste von 741 Mill. Dollar verkraften musste. Mit der Delphi-Pleite droht der US-Autoindustrie der größte Firmenzusammenbruch in ihrer Geschichte.

Analyst Rod Tadross von der Bank of America bezifferte die Wahrscheinlichkeit, dass GM selbst in die Insolvenz rutscht auf mittlerweile 30 Prozent. Bislang war er von zehn Prozent ausgegangen. Gleichzeitig kappte der Experte sein Kursziel für die Aktie des Autobauers von 32 Dollar auf 18 Dollar. Die Mehrheit der Experten sieht die Lage ähnlich wie Tadross. Derzeit rät die Hälfte der von der Nachrichtenagentur Bloomberg erfassten 20 Analysten zum Verkauf der Aktie. Den Kauf empfehlen dagegen nur vier Institute.

Die Aktien von GM konnten sich gestern um rund vier Prozent erholen, nachdem sie am Vortag über neun Prozent eingebüßt hatten. Die Delphi-Aktie wurde gestern vom Handel ausgesetzt. Am Montag war sie um 70 Prozent eingebrochen. Ford-Titel tendierten zum Handelsschluss nur leicht im Minus.

Am Anleihemarkt setzten die Kurse ihre Talfahrt fort. Am Eurobondmarkt stieg der Risikoaufschlag für Anleihen von GM gegenüber sicheren Staatspapieren deutlich an. Der so genannte Spread für die GM-Anleihe in Euro mit einem Zinskupon von 8,375 Prozent und Laufzeit bis Juli 2033 stieg um 0,26 Prozentpunkte auf 7,91 Prozent. Bereits am Montag waren die Spreads um über 0,5 Prozentpunkte gestiegen. „Die Unsicherheit am Markt ist noch immer enorm“, sagt Cyril Benayoun, Analyst von BNP Paribas. Er rät den Anlegern, GM und GMAC-Anleihen zu verkaufen. Die Bewertung der Hessischen Landesbank lautet ebenfalls „Verkaufen“. Da die gesamte US-Autobranche noch immer Marktanteile verliere, gilt die Empfehlung auch für die Anleihen von Ford. Die britische Bank Barclays rät den Anlegern, sich ebenfalls von den Papieren der US-Autozulieferer Dana und Cooper Tire & Rubber zu trennen.

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