Analysten sehen bei Euro-Anleihen vom Bosporus momentan größere Risiken als Chancen
Türken-Bonds sind kein Schnäppchen

Die erste Reaktion war heftig. Unmittelbar nach den Terroranschlägen in Istanbul vergangene Woche rutschten die Kurse türkischer Staatsanleihen in den Keller. Zwar stabilisierten sich die Notierungen inzwischen wieder, liegen aber noch einen Prozentpunkt unter dem Niveau von vor den Attentaten.

FRANKFURT/M. Anleger, die ihr Geld in Euro- Bonds vom Bosporus gesteckt haben, sind verunsichert. „Die Risiken sind größer als die Chancen“, sagt Janis Hübner, Emerging-Markets-Analyst bei der DZ-Bank. Die Gefahr weiterer Anschläge sei akut vorhanden. Fatal für die Türkei, denn internationale Investoren ziehen dann weiteres Kapital ab. Das führt zu steigenden Risikoprämien und einer Abwertung der türkischen Lira. Folge: Die Finanzierungskosten des Staats steigen. „Ein Teufelskreis käme in Gang“, sagt Torsten Hähn, Analyst bei der WGZ-Bank, „weil ein Großteil der türkischen Schulden an Wechselkurs, kurzfristige Zinsen und die Inflation gekoppelt ist.“ Hähn rät daher, türkische Bonds zu verkaufen. „Für diese Unsicherheiten sind türkische Anleihen zu teuer.“ Schließlich sind sie seit dem Frühjahr gut gelaufen.

Und die wirtschaftliche Belebung sei ohnehin nur ein „politischer Aufschwung“ gewesen, der vor allem durch die Unterstützung der USA und des IWF getrieben wurde. Notwendige Reformen seien schon vor den Anschlägen ins Stocken geraten. So kommt etwa der Privatisierungskurs der Regierung nur schleppend voran.

„Es ist zwar das Ende der Rally, die Terroranschläge werden das Land aber nicht in eine Rezession stürzen“, glaubt Debbie Orgill, Emerging-Markets-Analystin bei ABN Amro in London.

Die Folgen an den Kapitalmärkten werden dennoch realwirtschaftliche Auswirkungen haben: „Die ausländischen Direktinvestitionen könnten weiter zurückgehen“, sagt Sandra Ebner, Volkswirtin bei der Deka-Bank. Und auch das Tourismusgeschäft werde empfindlich getroffen. Zwar seien die unmittelbaren Auswirkungen in der Reisebranche gering, denn die laufende Feriensaison sei abgeschlossen und auch gut gelaufen. Der Anschlag zeige aber, wie nahe die Türkei an dem Brennpunkt „Naher Osten“ liege. Daher seien längerfristige Effekte etwa auf Verhandlungen mit den Reiseveranstaltern für das kommende Jahr wahrscheinlich.

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