Analysten sehen Greenspans Warnungen als Signal für eine restriktivere US-Geldpolitik
Bondmarkt richtet sich auf Leitzinserhöhungen ein

Alan Greenspan hat die Anleihenmärkte am Freitag wieder stark in Bewegung gebracht. Der Chef der US-Notenbank warnte die Märkte u.a. vor der Annahme, dass sich die positive Wertentwicklung von Vermögenswerten wie Immobilien und Aktien ungehindert fortsetzen werde.

cü/mak/ret FRANKFURT/M. Obwohl Greenspan in seiner Rede das Wort „Blase“ ausdrücklich vermied, sahen Analysten die klaren Worte als Signal dafür, dass die Notenbank die Gefahr einer Blasen-Bildung am Immobilienmarkt sieht.

Am US-Bondmarkt lösten Greenspans Warnungen im Tagesverlauf einen Stimmungswandel aus. Denn nach anfänglichen Kurssteigerungen drehte der Markt später in die Verlustzone. Die Rendite 10jähriger US-Staatsanleihen war zum Schluss von 4,16 auf 4,19 Prozent geklettert. Die Kommentare Greenspans würden den Schluss zulassen, dass die Fed die Leitzinsen – möglicherweise aggressiver als bisher erwartet – weiter anheben und so eine sanfte Landung am Immobilienmarkt versuchen werde, hieß es. Ein Indiz für die Annahme weiterer US-Leitzinserhöhungen war in der Abflachung der Renditekurve zu sehen. Kurzlaufende Staatsanleihen wiesen nämlich stärkere Kursverluste auf. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen kletterte von 4,01 auf 4,06 Prozent. Die Zinsdifferenz zwischen zwei- und zehnjährigen Staatspapieren war am Freitag zeitweise auf 0,11 Prozentpunkte geschrumpft. Das war das niedrigste Niveau seit Anfang 2001. Seinerzeit war die US-Wirtschaft etwas später in eine leichte Rezession gerutscht.

Zuvor waren auch die Renditen am Markt für europäische Staatsanleihen gestiegen. Ein wesentlicher Grund hierfür war im starken 7,9 prozentigen Anstieg der Geldmenge zu sehen. Analysten hatten mit einem Plus von 7,3 Prozent gerechnet. Die Zielgröße der EZB liegt bei 4,5 Prozent. Hieraus leiteten Marktbeobachter die Gefahr ab, dass auch im Euro-Raum die Zeit niedriger Leitzinsen in absehbarer Zeit zu Ende gehen könnte. Die Rendite zehnjähriger Euro-Staatsanleihen wurde zum Schluss des Handels mit 3,15 (nach 3,14) Prozent.

Am Primärmarkt – dem Markt für Neuemissionen – steht der erste so genannte Slimbo, ein liquider Geldmarktbond, der Münchener Hypothekenbank über 500 Mill. Euro an. Zudem wird die Depfa eine nachrangige Tier-II Anleihe begeben, die sie zum Teil auf ihr Eigenkapital anrechnen kann. Der von BNP Paribas, Goldman Sachs und JP Morgan gemanagte Bond hat ein Volumen von mindestens 500 Mill. Euro.

Der US-Chemiekonzern Rohm & Haas wird die Sommerpause am Markt für neue Industrieanleihen beenden. Das Unternehmen bietet über die Citigroup eine siebenjährige Euro-Anleihe an.

Am Freitag stand die Eurohypo im Blickpunkt des Primärmarktes. Der Immobilien- und Staatsfinanzierer begab eine dreijährige variabel verzinsliche Anleihe (Floater) über immerhin drei Mrd. Euro. „Wir hatten zunächst mit zwei Mrd. Euro kalkuliert, doch die Emission fand reißenden Absatz“, sagte Franz-Josef Kaufmann, Leiter Kapitalmärkte der Eurohypo dem Handelsblatt. Die Konsortialführer schlossen die Auftragsbücher für den Bond nach wenigen Stunden. In jüngster Zeit seien recht wenige Banken-Floater auf den Markt gekommen, das habe die Nachfrage erhöht, erklärte Kaufmann. Die Anleihe verzinst sich mit einem Aufschlag von 0,05 Prozentpunkten über dem dreimonatigen Interbankenzinssatz Euribor. Ein Großteil des Floaters ging an Banken; zudem gehörten Fonds, Versicherer und eine Zentralbank zu den Käufern.

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