Angst vor Umschuldung
Griechische Anleihezinsen schießen durch die Decke

Griechenland bekommt den Staatshaushalt nicht in den Griff. Während die EU-Finanzminister über härtere Reformen oder eine Umschuldung debattieren, steigen die Risikoaufschläge für griechische Anleihen auf Rekordhöhe.
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Berlin/Rom/LondonDas angeschlagene Griechenland gerät immer mehr unter Druck. Spekulationen über einen Schuldenschnitt haben die Risikoaufschläge für Staatsanleihen des Euro-Landes am Donnerstag auf Rekordhöhen getrieben. Die Zinsen auf zweijährige Papiere schnellten am Donnerstag auf 18,3 Prozent - den höchsten Stand seit dem Höhepunkt der griechischen Schuldenkrise vor knapp einem Jahr. 

Kaum besser sah es bei den zehnjährigen Bonds aus. Deren Rendite kletterte auf ein Rekordhoch bei gut 13,2 Prozent nach Äußerungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, das Land werde wohl eine Umschuldung benötigen. Die Risikoprämie gegenüber deutschen Bundesanleihen kletterte auf mehr als 1.000 Basispunkte.

Schäuble sprach über „weitere Maßnahmen“, die notwendig wären, wenn bei der nächsten Überprüfung im Juni die Schuldensituation Griechenlands als nicht mehr tragfähig bewertet werde. Der CDU-Politiker ließ aber offen, welche Maßnahmen er meint, falls die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds bei ihrer nächsten turnusgemäßen Prüfung vor Ort im Juni zum Ergebnis kommen, dass die Regierung in Athen ihre Schulden nicht mehr abtragen kann. 

Statt einer Umschuldung könnte der Minister auch härtere Spar- und Reformmaßnahmen im Blick haben. Schäuble wies darauf hin, dass eine Umschuldung vor 2013 auf freiwilliger Basis möglich wäre und warnte: „Wenn wir die vertragliche Grundlage nun einfach einseitig aufkündigen, könnte das unabsehbare Folgen für das Vertrauen der Finanzmärkte in den Euro haben.“ Die internationalen Anleger könnten dann nicht nur griechische, sondern auch deutsche Staatsanleihen meiden. 

An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit einer Umschuldung Griechenlands inzwischen mit 60 Prozent bewertet. 

Das ergab eine Umfrage von Reuters unter 21 Analysten. Für Irland liegt die Wahrscheinlichkeit demnach bei 40 Prozent, für Portugal bei 30 Prozent. „Griechenland hat ernste Probleme mit der Wettbewerbsfähigkeit und die Schuldenlast ist die höchste“, sagte BayernLB-Anyst Gebhard Stadler. 

EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi warnte dagegen, Griechenland dürfe nicht in die „Katastrophe“ einer Umschuldung getrieben werden. Die Notenbank befürchtet in diesem Fall eine neue Bankenkrise und politische Unruhen in dem Mittelmeerland. 

„Nach unserer Analyse würde eine Restrukturierung der Schulden zu einem Ausfall eines großen Teils des griechischen Bankensystems führen“, sagte Bini Smaghi der Zeitung „Il Sole 24 Ore“. Die Wirtschaft des Landes ginge daraufhin in die Knie mit verheerenden Folgen für den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie in Griechenland. Ein Sprecher der Regierung in Athen bekräftigte, eine Umschuldung werde nicht in Betracht gezogen.

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  • Es ist ein reines Rechenexempel, wann Griechenland umschulden muss.
    Findet die Umschuldung bis zum Auslauf des Unterstützungsprogramms von IWF und EUR
    in 2012 statt, kann man die Folgen der Umschuldung nach handhaben, wenn man die richtigen Vorkehrungen trifft.
    Das wird aber sicher teurer als die Verlängerung des Unterstützungsprogramms IWF/EU und stellt die EZB in ein extrem schlechtes Licht, folglich ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Weg der Verlängerung der Unterstützung IWF/EU gewählt wird, wenn sich das Geld dazu auftreiben lässt – das könnte noch schwierig werden.
    Gelingt dies nicht, ist die EURO Union 2012 Geschichte, denn spätestens, dann, wenn die jetzige IWF /EU Unterstützung ausläuft, wird das Ausmass der verschleppten Insolvenz Griechenlands transparent.
    In dem Fall wird es aber keine geordnete Umschuldung geben, sondern eine unkontrollierbare, schnell eintretende Liquiditätskrise, die bei den griechischen Banken beginnt und bei allen europäischen Banken zu weiteren Liquiditätsengpässen führt - und schliesslich (das kennen wir) in einem Run auf die Sparguthaben endet.
    Nur noch wenige Staaten sind dann noch in der Lage, die Mittel aufzutreiben, um ihre Banken zu stützen.
    Das wird das Vertrauen in den EURO nicht gerade stützen und nach dem Motto „Rette-sich-wer-kann“ bei einigen Staaten zu schnellen Austritten aus der Währungsunion führen.

  • Immerhin 189 Wirtschaftswissenschaftler rufen die Poltik auf, ihren unheilvollen Weg nicht fortzusetzen (17.02.2011). Prof. Schachtschneider und 4 weiteren Professoren haben eine Bürgerbeschwerde gegen den Dauer-Fonds zur „Euro-Rettung“eingelegt. 95 % von 20.000 Anrufern wollen EU-Pleite-Staaten nicht unterstützen (BR, Münchner Runde 12.04.2011). Jeder Bürger weiß, dass man auf Dauer nicht mehr ausgeben kann, als man einnimmt. Aber: Merkel, Schäuble, CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNE/LINKE erzählen uns: Alles ist gut und der Himmel grün. Das BVerfG entscheidet nicht über die VerfBeschw. der Professoren und die BT-Abgeord. begreifen nichts und handeln nicht, obwohl dem BT das Budgetrecht faktisch teilw. entzogen werden soll. Deshalb: Außer Beiträge zu kommentieren, müssen wir Bürger jetzt handeln; Volksvertreter haben wir nicht mehr. Nehmen wir uns am Samstag, den 16.04.2010 eine Stunde Zeit für eine Demonstration gegen diesen EURO-Wahnsinn (11:00 Uhr vor dem Kanzleramt).Näheres: "www.nein-zur-transferunion-fuer-stabiles-geld.de".

  • Sebi,
    beim Handelsblatt arbeiten schon länger nur noch Praktikanten. Wer sich ansieht, wie oft hier Millionen und Milliarden verwechselt werden, denkt sich nur noch: PISA! Wenn es um "komplexere" Dinge wie den Unterschied zwischen Verschuldung und Neuverschuldung geht, ist ohnehin Hopfen und Malz verloren. Einem durchschnittlich intelligenten Zehnjährigen könnten Sie das zwar erklären, aber bei den Schreibern des Handelsblatts versucht man es besser erst gar nicht.

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