Ankauf von Firmenanleihen
Verluste schrecken Draghi nicht

Im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms hat die EZB bereits Unternehmensbonds im Volumen von mehr als 13 Milliarden Euro erworben. Notenbankchef Mario Draghi nimmt dabei auch negative Renditen in Kauf. Das hat Folgen.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) nimmt bei ihrem Firmenanleihen-Programm im schlimmsten Fall auch Verluste in Kauf. In den ersten Wochen sei gut ein Fünftel aller Ankäufe auf Schuldtitel mit negativer Rendite entfallen, teilte die EZB am Mittwoch mit. Das sind typischerweise Anleihen mit vergleichsweise kurzer Laufzeit von staatsnahen Firmen oder Anleihen, die als sehr ausfallsicher gelten. Dazu zählen etwa Schuldtitel der Deutschen Bahn, des französischen Versorgers Engie oder des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestle. Papiere mit Negativrendite können über die Laufzeit hinweg dennoch Gewinn abwerfen. Die EZB hatte die Käufe im März im Rahmen ihrer Konjunkturhilfen angekündigt: Danach waren die Renditen mancher Titel unter die Null-Linie gerutscht.

Insgesamt erwarb die EZB bislang über 450 Firmenanleihen von mehr als 175 Gesellschaften, darunter deutsche Dax-Konzerne wie Bayer, Volkswagen, Deutsche Telekom und RWE. Die Renditen der Bonds lagen zwischen minus 0,3 und über drei Prozent. Bis Ende Juli nahmen die Euro-Wächter Firmenpapiere im Volumen von 13,2 Milliarden Euro in ihre Bücher. Fast sechs Prozent davon wurden direkt bei der Emission erworben – der Rest am Anleihemarkt. Die EZB startete die Käufe am 8. Juni.

Mit dem Kaufprogramm will die EZB dafür sorgen, dass die Anleihezinsen sinken. Unternehmen können sich dann günstiger finanzieren, was unter anderem mehr Spielraum für Investitionen schafft. Das kommt letztendlich der Wirtschaft im Euro-Raum zugute. Die Deutsche Bahn beispielsweise zapfte im Juli den Anleihemarkt an: Der Konzern begab eine fünfjährige Null-Kupon-Anleihe im Volumen von 350 Millionen Euro. Auch dieser Schuldtitel wirft eine negative Rendite ab. Die Käufe sind Teil des inzwischen auf 1,74 Billionen Euro angelegten Wertpapier-Kaufprogramms, mit dem die EZB Konjunktur und Inflation im Währungsraum anheizen will. Es soll noch bis mindestens Ende März 2017 laufen.

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