Anlageexperte zu Dieselgate
„VW-Skandal könnte 0,4 Prozent Wachstum kosten“

Die VW-Abgasaffäre wird die Deutsche Wirtschaft stark belasten, ist sich Uwe Pyde sicher. Dennoch glaubt der Bantleon-Fondsmanager an ein langsames, aber stetiges Wachstum in Europa. Was das für den Anleihemarkt bedeutet.

Seit Jahren betrachtet Uwe Pyde die Märkte, als Portfoliomanager bei der Bantleon Bank im schweizerischen Zug ist der 45-jährige Diplom-Kaufmann mitverantwortlich für mehrere Anleihefonds. 2009 öffnete Bantleon ausgewählte Fonds auch schrittweise für private Anleger. Seit 2015 bietet das Haus zudem zwei Aktienfonds an. Insgesamt verwaltet Bantleon ein Kundenvermögen im Umfang von rund 10,4 Milliarden Euro.

Herr Pyde, bei vielen Investoren haben die Sorgen um die Wirtschaft zugenommen. Bei Ihnen auch?
Nicht sehr, vor allem nicht mit Blick auf die Euro-Zone. Wichtige vorlaufende Indikatoren wie die Einkaufsmanager-Indizes sind nur leicht gesunken. Das heißt: Die Euro-Zonen Konjunktur bewegt sich zwar auf einem flachen, aber dennoch stetigen Aufwärtstrend, der bis Mitte nächsten Jahres anhalten dürfte.
Fürchten Sie keine neuen Störfeuer aus China?
Nein. Wir gehen davon aus, dass die getroffenen geldpolitischen Maßnahmen in China Wirkung zeigen werden und damit auch in Deutschland die Wachstumsängste mit Blick auf die Volksrepublik dämpfen.

Wird nicht der VW-Skandal die deutsche Wirtschaft belasten?
In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung Deutschlands wird die Angelegenheit Spuren hinterlassen, denn VW – inklusive seiner Zulieferer – steht für rund zwei Prozent der bundesdeutschen Wertschöpfung. Selbst wenn sich der Skandal nicht auf die anderen Hersteller ausweitet, könnten bei einem Produktionseinbruch von zehn bis 20 Prozent 0,2 bis 0,4 Prozent an Wirtschaftswachstum verloren gehen. Das ist durchaus beachtlich, eine Bedrohung für das Konjunkturbild insgesamt sehen wir hierdurch allerdings nicht.
Was heißt das für die deutsche Bundesanleihen?
Das langsame aber anhaltende Wirtschaftswachstum wird dazu führen, dass Anleihen der Kernstaaten der Euro-Zone wie zum Beispiel Deutschland mit ihren immer noch sehr niedrigen Renditen unter Druck geraten werden. Dazu werden in den nächsten Monaten auch die voraussichtlich wieder stärker aufkommenden Erwartungen einer ersten Zinserhöhung in den USA beitragen.

Was erwarten Sie konkret?
Die US-Notenbank dürfte den Leitzins im Dezember um einen Viertel Prozentpunkt anheben. Weitere moderate Zinserhöhungen werden folgen. Bei der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erwarten wir bis Jahresende eine Seitwärtsbewegung zwischen 0,4 Prozent und 0,8 Prozent.

Das würde im schlimmsten Fall Kursverluste von gut zwei Prozent bedeuten.
Das stimmt, und wir halten Bundesanleihen ebenso wie die von anderen Euro-Kernländern deshalb auch für relativ unattraktiv.

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„Am Ende gibt es doch das Geld zurück“

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