Anlagestrategie
Firmenbonds zu Minizinsen? Immer her damit!

Die Beinah-Pleite Griechenlands hat die Anleger vorsichtig gemacht: Sie wissen, dass auch Staaten Bankrott gehen. Diese Unsicherheit sorgt nun für einen wahren Run auf Firmenanleihen. Aber kann das gutgehen?
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FrankfurtUnternehmen können sich mittlerweile vor Investoren am Anleihemarkt kaum retten. Der Traum von sicheren Staatsanleihen ist spätestens seit der Griechenland-Pleite ausgeträumt, und viele Anleger vertrauen soliden Unternehmen mehr als maroden Euro-Staaten. Deshalb greifen sie bei Unternehmensanleihen aus den Euro-Kernländern zu. Auch Privatkunden bekommen von Bankberatern oft zu hören, dass Firmenbonds interessant sind. Doch das gilt angesichts der oft niedrigen Renditen nur noch eingeschränkt.

Für Unternehmen dagegen sind "die Finanzierungskosten äußerst attraktiv, und das bewegt viele dazu, künftigen Finanzierungsbedarf schon heute zu finanzieren", sagt Dominik Huhle, der bei Barclays Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum betreut. "Viele Konzerne wollen das Umfeld nutzen, bevor die Stimmung möglicherweise kippt", meint auch Markus Steilen, der bei der Commerzbank im sogenannten Syndikat die Interessen von Unternehmen und Investoren bei der Platzierung neuer Anleihen zusammenbringt.

Allein im August gab es nach Berechnungen des Datenanbieters Dealogic neue, auf Euro lautende Anleihen von Unternehmen abseits der Finanzbranche über fast elf Milliarden Euro. Das ist ungewöhnlich viel für diesen üblicherweise ruhigen Sommermonat. Und dabei stellten die Firmen Rekorde auf: In dieser Woche begab Volkswagen eine Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit - sehr lange für einen Autokonzern - und bot dafür einen Zinsschein von nur 2,735 Prozent. So wenig hatte zuvor kein Unternehmen für einen vergleichbaren Bond gezahlt.

Zinsscheine so niedrig wie nie zuvor

Dabei gehören Autokonzerne zu den sogenannten Zyklikern, die bei einem Konjunkturabschwung leiden. Allerdings konnten zuletzt die deutschen Autokonzerne die schwache Entwicklung der europäischen Automobilmärkte durch die hohe Nachfrage aus den USA und Schwellenländern wie China deutlich überkompensieren.

Zeitbomben: Fällige Staatsanleihen

Quelle: Information Research

Einen Tag später wurde der VW-Rekord schon getoppt. Der finnische Versorger Fortum stattete seine zehnjährige Anleihe mit einem Kupon von nur 2,25 Prozent aus. Und am Donnerstag finanzierte sich Siemens über verschiedene Anleihen in diversen Laufzeiten so günstig wie kein anderes europäisches Unternehmen zuvor - für die zweijährige Anleihe liegt der Zins bei nur 0,375 Prozent, für die siebeneinhalbjährige bei 1,5 Prozent.

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Viele Unternehmen sind gegen eine Rezession gut gewappnet

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