Anlagestrategie
Unternehmensanleihen verdrängen Staatsbonds

Der Prestigeverlust der Staatsanleihe weckt das Interesse der Investoren an Firmenbonds. Zinspapiere solider Unternehmen mit langer Laufzeit bieten zwar keine hohen Renditen, werfen aber mehr ab als Bundesanleihen.
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FrankfurtEs gibt Nachrichten, die sind auf den ersten Blick gut, zeigen aber, wie groß die Probleme tatsächlich sind: Spanien begab vergangene Woche Staatspapiere über sechs Milliarden Euro und nahm damit fast doppelt so viel Geld ein, wie geplant. Was vor einem Jahr allenfalls eine Randnotiz wert gewesen wäre, sorgte am Donnerstag selbst an den Aktienmärkten für zeitweisen Auftrieb. Denn jeder Versuch der Euro-Krisenländer, sich Geld an den Märkten zu besorgen, wird von den Investoren mit Argusaugen beobachtet. Zu groß ist die Angst, dass nach Griechenland, Irland und Portugal weitere Länder vor den Märkten kapitulieren und auf staatliche Hilfskredite zurückgreifen müssen.

Ganz anders ist es bei den großen Unternehmen aus der Industrie. Sie haben keine Probleme, sich Geld an den Märkten zu besorgen. In den vergangenen beiden Wochen wagten sich inmitten des Hin und Her um den jüngsten Euro-Krisengipfel Unternehmen wie Linde, Imperial Tobacco oder Akzo Nobel mit neuen Bonds an den Markt, die allesamt kräftig überzeichnet waren.

Ein Wunder ist das nicht, denn für viele Experten sind Unternehmensanleihen die ideale Alternative, um ihr Geld vergleichsweise sicher anzulegen. "Unternehmensanleihen haben den Vorteil, dass die finanzielle Lage der Schuldner häufig wesentlich transparenter ist als dies bei Staaten und Banken der Fall ist", meint Vermögensverwalter Johannes Führ. Für Andrew Wells von der Fondsgesellschaft Fidelity haben "Unternehmensanleihen mit höchster Bonität zahlreiche Merkmale, die Anleger früher Staatsanleihen zugeschrieben haben." So seien die Bilanzen vieler Firmen in besserer Verfassung als die Haushalte ihrer Heimatstaaten.

Sicherheit hat ihren Preis

Und genau deshalb sind die Anleihen von guten Unternehmen gefragt. Denn viele Anleihekäufer wollen vor allem eines: Sicherheit. Die verbinden sie mit Anleihen auch wegen ihrer Berechenbarkeit. Wer eine Anleihe kauft und bis zur Fälligkeit hält, sichert sich eine feste Rendite, wenn der Schuldner solvent bleibt. Allerdings schwanken die Kurse der Anleihen während der Laufzeit. Bei steigenden Kursen fallen die Renditen für Neueinsteiger und umgekehrt. Das liegt daran, dass sich der feste Anleihenzinsschein auf den Rückzahlungswert von 100 Prozent bezieht.

Ein Haken: Wegen der großen Nachfrage gibt es für Anleihen von Unternehmen aus den solideren Euro-Ländern im Schnitt nur drei Prozent Rendite und damit noch etwas weniger als am Jahresanfang. Für Anleihen von beliebten und soliden Konzernen wie Microsoft, Siemens oder BMW gibt es noch weniger. Und bei kurzen Laufzeiten, bei denen die Risiken noch überschaubarer sind, müssen sich Investoren oft mit Renditen von weniger als einem Prozent begnügen.

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