Anleger schnell verschreckt
Mittelstands-Anleihen sind zu undurchsichtig

Dem noch jungen Markt mangelt es an Transparenz, zu wenige Kennzahlen werden veröffentlicht, die Geschäftszahlen erscheinen mit einer zu großen Zeitverzögerung. Das kostet Stabilität und auch das Vertrauen der Anleger.
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FrankfurtWie steht es wirklich um Payom Solar, das Photovoltaikunternehmen aus Hamburg? An der Börse Stuttgart, wo die Mittelstandsanleihe gehandelt wird, notiert sie derzeit bei gut 44 Prozent ihres Ausgabepreises – und ist damit Schlusslicht unter allen in den entsprechenden Segmenten emittierten Bonds. Doch ist die Anleihe tatsächlich so schlecht?

Der Markt der Mittelstandsanleihen ist für Anleger häufig nur schwer zu durchschauen. „Das Transparenzniveau, das wir im Augenblick haben, reicht nicht aus“, kritisiert René Parmantier, Chef der Close Brothers Seydler Bank. Seine Befürchtung: Spätestens wenn eine Anleihe ausfällt, könnte der gesamte Markt in Sippenhaft genommen werden. „Dabei sind die Risiken nicht bei jedem Bond gleich groß“, sagt Parmantier. Er fordert deshalb präzisere Informationen, um die Profile der Bonds deutlich hervorzuheben. Eine klare Kommunikationsstrategie könnte dem Markt vorbeugend Stabilität verleihen – eine Voraussetzung, damit dieser nicht beim ersten Ausfall einer Anleihe kollabiert.
Schon jetzt gibt es allerdings erste Versuche, Licht ins Dunkel zu bringen. So stellen alle Börsenplätze Basisinformationen für ihre Mittelstandsanleihen zur Verfügung, obwohl die sich in ihrer Qualität wesentlich unterscheiden: Während in Frankfurt für viele Anleihen Kennzahlen wie der Zinsdeckungsgrad und der Verschuldungsgrad veröffentlicht werden, fehlen diese in Düsseldorf, Hamburg-Hannover und Stuttgart noch.

Zudem verlangen die Handelsplätze in der Regel die halbjährige Veröffentlichung von Geschäftszahlen. Dafür haben die Unternehmen drei bis sechs Monate Zeit – und nutzen die auch. Wie das Unternehmen dasteht, erfährt der Anleger somit erst zeitverzögert. Auch quantitative Prognosen für das laufende und kommende Geschäftsjahr sucht man oft vergeblich.

„Für eine Anleihe müssen nicht dieselben Standards gelten wie für ein börsennotiertes Unternehmen“, sagt Parmantier. Trotzdem könne mehr Transparenz auch dazu beitragen, Investoren die Anlageentscheidung zu erleichtern.

Das Unternehmen Payom Solar, das in Stuttgart gelistet ist, legte Ende November eine Pressemitteilung zum dritten Quartal vor, die nicht sonderlich zuversichtlich stimmte. Rund 14 Millionen Euro Verlust waren bis dato angefallen. Danach stürzte die Anleihe von 70 auf 33 Prozent ab. Erst als Ende Januar der Quartalsbericht veröffentlicht wurde, erholte sich der Kurs leicht.

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  • Was ein Gejammer.
    Arbeite selbst im Rechnungswesen. Für Firmenkredite erfolgt regelmässiges Reporting an die Bank.
    Wenn Firmen dies bei Anleihen sparen wollen, müssen sie halt höhere Zinsen als bei Banken in Kauf nehmen bzw. akzeptieren, dass mit ihnen keiner will.
    Viel schlimmer ist, dass die einmal eingenommen Gelder eigentumsähnlich/ willkürlich von den Firmen verwendet werden bzw. das Volumen im Nachgang abgeändert wird.
    Beispiel KTG: Anleiheemission mit dem Ziel von Grundstückskäufen wurde für den Bau von Kraftwerken verwendet.
    M.E. krankt der Anleihemarkt generell am Vertrauen, nicht daran, dass teils zwölf Monate alte Daten erst nach ein paar Monaten veröffentlicht werden.
    Wenn Firmen Anleihen nur zweckgebunden ausgeben und verenden dürften, könnten sich Interessenten ein besseres Bild von ihrer dann quasi besicherten Anlage verschaffen

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