Anleihe-Auktion
Bund leiht sich Geld fast für lau

Deutschland zahlt Investoren für die zehnjährige Anleihe so wenig Rendite wie zuletzt vor einem Jahr. Und es könnte bald noch billiger werden. Die Marke von null Prozent bleibt auch bei der langen Laufzeit im Blick.

FrankfurtBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kann sich wieder einmal freuen. Die Niedrigzinsen sparen ihm viel Geld. Sechsmonatige Schatzanweisungen rentieren zuletzt mit minus 0,5 Prozent, fünfjährige Bundesobligationen mit minus 0,36 Prozent. Bondplatzierungen sind damit eine Art Gelddruckmaschine für den Bund. Statt Zinsen zu zahlen bekommt der Bund von Investoren eine Art Parkgebühr dafür, dass er ihr Geld sicher verwahrt.

Bei der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Pendant für langfristige Kapitalmarktzinsen sehr im Fokus der Investoren ist das noch nicht ganz so weit. Dennoch: Günstiger als jetzt kam Deutschland erst einmal an Zehnjahresgeld. Für die Bürger als Steuerzahler ist das ein Grund zur Freude - für die Bürger als Sparer ein Ärgernis.

Am heutigen Mittwoch hat der Bund die zehnjährige Anleihe um vier Milliarden Euro aufgestockt, und das zu einer Rendite von durchschnittlich nur 0,15 Prozent. Die Kupon der Anleihe beträgt zwar 0,5 Prozent, der Ausgabekurs lag aber bei 103,4 Prozent und damit über den 100 Prozent, zu dem die Anleihe getilgt wird. Bei der letzten Aufstockung vor gut einem Monat lag die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe noch bei 0,3 Prozent, bei der Ausgabe im Januar waren es 0,59 Prozent.

Anfang diesen Monats hatte es noch so ausgesehen als würde auch die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bald in negatives Terrain rutschen. Ihr Jahrestief erreichte sie bei 0,07 Prozent. Niedriger hatte sie nur am 17. April 2015 gelegen; damals fiel sie auf bis zu 0,05 Prozent. Wenige Tage später stockte der Bund die zehnjährige Anleihe um vier Milliarden Euro zu einer Rendite von 0,13 Prozent auf und refinanzierte sich damit in dieser langen Laufzeit so günstig wie noch nie. In den folgenden Wochen fielen die Kurse aber, und die Rendite schnellte auf bis zu ein Prozent nach oben.

Dass sich ein solcher Crash am Rentenmarkt wiederholt, glauben Analysten nicht, obwohl Investoren angesichts der jüngsten Erholung der Aktienmärkte im Handel zuletzt weniger Bundesanleihen nachfragten. Entsprechend sind die Renditen wieder etwas höher. „Im vergangenen Jahr war die Rally zunächst vor allem den Käufen der Europäischen Zentralbank geschuldet, und die Renditen waren zu schnell gefallen“, sagt Rainer Guntermann, Zinsstratege bei der Commerzbank. „Diesmal gibt es neben dem EZB-Kaufprogramm aber die erhöhten Konjunktursorgen, und die waren vor einem Jahr nicht so ausgeprägt.“

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Analysten glauben an neue Rendite-Tiefs

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