Anleihe-Auktion
Griechenland kommt günstig an Geld

Griechenland wagt sich mit kleinen Beträgen an die Kapitalmärkte – mit Erfolg. Das schuldengeplagte Land will mit der Ausgabe kurzlaufender Papiere im einstelligen Milliardenbereich akute Haushaltslöcher stopfen.
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AthenDas schuldengeplagte Griechenland hat sich erneut kurzfristig 1,625 Milliarden Euro am Kapitalmarkt besorgt. Der Zinssatz für die sechsmonatigen Papiere beläuft sich auf 2,15 Prozent. Er lag damit deutlich niedriger als bei vergleichbaren Titeln im Vormonat mit 2,70 Prozent Zinsen, wie die Schuldenagentur PDMA am Dienstag mitteilte.

Athen leiht sich regelmäßig kleinere Beträge dieser Art, um Löcher im Haushalt zu stopfen. Im April – fast vier Jahre nach dem finanziellen Absturz – hatte sich Griechenland erstmals wieder Kapital bei privaten Investoren mit einer längeren Laufzeit beschafft. Athen sammelte damals mit einer Staatsanleihe über eine Laufzeit von fünf Jahren drei Milliarden Euro ein.

Dass Griechenland nun wieder günstiger an frisches Geld kommt, könnte mit den politischen Entwicklungen zusammenhängen. Am Montag wurde bekannt, dass Ministerpräsident Antonis Samaras Konsequenzen aus der Niederlage bei der Europawahl zieht und beinahe alle Minister auswechselt. Auch der besonders wichtige Posten des Finanzministers wird neu besetzt. Auf Ioannis Stournaras soll Gikas Hardouvelis folgen, er ist Professor an der Universität Piräus.

Zudem gilt Hardouvelis als Experte im Bankwesen und als Verfechter der Reformen in Griechenland. Der 58-Jährige hatte während der schlimmsten Phase der griechischen Finanzkrise im Jahre 2012 an den Verhandlungen mit den Geldgebern als Berater des damaligen griechischen Regierungschefs Lucas Papademos teilgenommen. Mit Hardouvelis an der Spitze des Finanzministeriums wird mit keiner wesentlichen Änderung in der Umsetzung der von Griechenland übernommenen Verpflichtungen gegenüber den Geldgebern gerechnet. Lockerungen in der Steuer- und Sparpolitik dürfte es mit ihm nicht geben.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • "Das soviel Dreistigkeit unbestraft durchkommt beweist die Machtlosigkeit unserer sog. gewählten demokratischen Regierungen weltweit, die tatsächlich nurnoch ganz erbärmliches Kino liefern."

    Den mit der Politik untrenbar verquickten finanzindustrielen Komplex wird wohl nur noch eine Sysetmkrise aufbrechen können. Die Reformbereitschaft und -fähigkeit innerhalb des Systems dürfte seit dem "Euro-Putsch" im Mai 2010, als demokratisch nie legitimiert, der Maastricht-Vertrag gebrochen und die Euro-Lira eingeführt, wurde nicht mehr gegeben sein. Solange heißt es "Weiter so": Je nach Fokus der öffentlichen Wahrnehmung "retten" sich Banken und Staaten in immer inflationäreren Schuldenspiralen gegenseitig, bis die unkritische Wählermasse den Betrug auf ihre Kosten mal rafft und das Ponzi-Schema implodiert.

  • Solange ich von einer Euro-verbohrten deutschen Regierung nicht in die Haftung hineingezogen werden, können die Griechen machen was sie wollen. Wenn jemand für die paar Zins-Prozente das Risiko eines Kredits an ein offensichtlich aus eigener Kraft zahlungsunfähigen Landes eingeht, ist das Sache dieser "Investoren".

    Was nicht geht, ist dass die von Deutschland verbürgten Anteile an den griechischen Schulden hinsichtlich Zins und Laufzeit schlechter gestellt werden als die neuen Anleihen.

  • Woher kommt das Geld? Unter anderem von Deutschen Versicherungen, die via Eigenkapitalregeln faktisch gezwungen werden in solche Papiere zu gehen ("Financial Repression").

    So investiert Oma Schmitz in absoluten Junk, den sie selbst nie kaufen würden. Nebenbei garantiert sie selbst für den Müll mit ihrem Steuergeld.

    Aber Oma Schmitz blickt nicht durch, sonst hätte sie AfD gewählt...

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