Anleihe-Emission
Italien muss deutlich weniger für seine Schulden zahlen

Italien hat sich zu deutlich günstigeren Bedingungen am Geldmarkt refinanziert. Insgesamt hat das Land neun Milliarden Euro mit Geldmarkt-Papieren aufgenommen und damit das Maximalziel erreicht.
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Frankfurt/RomDas teilte die italienische Schuldenagentur am Mittwoch in Rom mit. Die Rendite fiel auf 1,59 Prozent, nachdem sie Ende Juli noch bei 2,45 Prozent gelegen hatte. Die Hoffnung auf Anleihekäufe von Euro-Krisenländern durch die Europäische Zentralbank (EZB) sei für den Rückgang der Renditen verantwortlich, sagten Händler.
BDI-Chef Hans-Peter Keitel sagte am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa: „Die italienischen Zinsen liegen aktuell im Schnitt unter dem Niveau zu Lira-Zeiten.“ Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) forderte Italien aufgefordert, seine Erfolge im Kampf gegen die Eurokrise „offensiv zu vermarkten, anstatt nach Hilfestellung zu rufen“.
Die Anleger am Renten- und Devisenmarkt taten derweil das, was sie in diesem Sommer am besten können: Abwarten. "Je näher die entscheidenden Termine jetzt rücken, desto vorsichtiger werden die Marktteilnehmer", fasste ein Händler zusammen. Denn nächste Woche beginnt mit der EZB-Ratssitzung am Donnerstag der seit Wochen herbeigesehnte "Monat der Entscheidungen" an den Finanzmärkten. Unter anderem steht im September noch das Urteil aus Karlsruhe über die Verfassungsmäßigkeit des Rettungsschirms ESM an.

Der Euro notierte zur Wochenmitte nahezu unverändert bei 1,2550 Dollar. Der Bund-Future war als sicherer Hafen kaum gefragt und notierte bei geringen Umsätzen mit 144,15 Punkten moderate 19 Ticks höher. Die Kurse der spanischen Papiere bewegten sich in engen Spannen. Die italienischen Anleihen profitierten von einer gelungenen Auktion sechsmonatiger Geldmarktpapiere.

Die Regierung in Rom konnte sich problemlos neun Milliarden Euro zu einem deutlich niedrigeren Zins als zuletzt bei den Investoren leihen. "Dass das heute gutgehen würde, hat man wegen der kurzen Laufzeiten und der Spekulationen auf EZB-Interventionen schon annehmen können", fasste ein Börsianer zusammen. Dennoch überwog am Mittwoch Erleichterung. Dies machte sich auch bei den länger laufenden Papieren bemerkbar: Die Kurse der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen zogen nach der Versteigerung zeitweise ins Plus, was die Rendite auf 5,81 von 5,82 Prozent am Vortag drückte. Für die einjährigen Papiere rutschte der Zins ebenfalls um rund einen Basispunkt auf 2,25 Prozent. Am Donnerstag will Italien bei den Anlegern rund 6,5 Milliarden Euro für bis zu zehn Jahre einsammeln.

Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi in einem Gastbeitrag für "Die Zeit" wurden insgesamt positiv aufgenommen und stützen vor allem den Euro. Die EZB müsse auf die Störung an den Finanzmärkten reagieren, schrieb Draghi laut Vorabbericht der Wochenzeitung. Deshalb müsse die Notenbank eingreifen, um Preisstabilität zu gewährleisten, auch wenn sie dabei zu unkonventionellen Mitteln greifen müsse. Draghi hatte jüngst angekündigt, im Rahmen des EZB-Mandats alles zum Erhalt des Euro zu tun. Zugleich stellte er ein Anleihenankaufprogramm für Schuldenstaaten in Aussicht, die sich unter den Euro-Rettungsschirm begeben und zu Reformen verpflichten.
Viele Anleger setzen seit Wochen auf dieses Vorgehen der EZB. Zudem wetten die meisten darauf, dass auch die US-Notenbank (Fed) ihre Geldpolitik durch Anleihekäufe nochmals lockern könnte, um so der weltgrößten Volkswirtschaft unter die Arme zu greifen. Erste Signale darauf könnte Fed-Chef Ben Bernanke am Freitag beim Spitzentreffen internationaler Zentralbanker in Jackson Hole (Wyoming) geben. Dass Draghi an dieser Tagung wegen hoher Arbeitsbelastung nicht teilnehmen will, kann Händlern zufolge positiv wie negativ bewertet werden. Manche werten dies als Signal dafür, dass Draghi eine massive Interventionsstrategie ausarbeitet. Allerdings wird auch vermutet, dass der Abstimmungsbedarf noch hoch ist. "Das kann man so oder so auslegen", sagte ein Börsianer.


Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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