Anleihe-Emissionen
Banken zeigen dem Staat die kalte Schulter

Viele Banken verschmähen das Angebot, staatlich gedeckte Anleihen zu begeben und beschaffen sich lieber Geld über Bonds ohne Bürgschaft. Für die Institute haben die ungedeckten Bonds einige Vorteile. Dass die Papiere am Markt gut ankommen, werten Experten als positives Signal. Zumal auch andere Emissionen boomen.

FRANKFURT. Es geht auch ohne Staat: Erstmals in diesem Jahr platzierten Banken im Mai und Juni mehr Bankanleihen ohne Staatsbürgschaft als solche mit Staatsgarantie. Das Volumen der ungedeckten Anleihen erreichte laut Société Générale knapp 30 Mrd. Euro und damit zehn Mrd. mehr als das der garantierten. Vor allem die gestiegene Risikofreude der Investoren half den Banken zu diesem Schritt zurück zur Normalität. Nach der Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers im Herbst 2008 waren die Kreditmärkte komplett eingefroren. Daraufhin etablierten Staaten rund um den Globus Programme, bei denen sich Banken gegen Gebühr Staatsschutz für ihre Emissionen beschaffen konnten.

Zu den Banken, die sich zuletzt Geld über ungedeckte Anleihen besorgten, gehören UBS, Commerzbank, Lloyds TSB und SEB. Die „nationalen Champions“ unter den Banken mit moderatem Risikoprofil könnten sich inzwischen wieder gut über herkömmliche Bonds refinanzieren, sagt Ralf Darpe, der das Kapitalmarktgeschäft im deutschsprachigen Raum bei der Société Générale leitet. Er geht davon aus, dass die Emissionen im zweiten Halbjahr weiter anziehen.

Anleihen ohne Bürgschaft gelten für die Banken als besser, weil sie dafür auch lange Laufzeiten wählen könnten. Die Laufzeiten staatlich garantierter Bonds sind auf drei bis fünf Jahre begrenzt. Zudem sei zumindest für große Banken, die Refinanzierung über ungedeckte Anleihen inzwischen günstiger als über Bürgschafts-Bonds, meint Darpe. Auch Ralf Burmeister, Leiter des Researchs für Bankenanleihen bei der Landesbank Baden-Württemberg, hält es für ein gutes Zeichen, dass Großbanken wieder über normale Anleihen an frisches Geld kommen. Für kleinere Banken seien die Garantien jedoch nach wie vor sehr wichtig.

Zurückgedrängt werden die Platzierungen staatlich garantierter Bankenanleihen auch deshalb, weil die Finanzinstitute wieder mehr mit Hypotheken oder Staatskrediten gedeckte Anleihen – also deutsche Pfandbriefe oder internationale Covered Bonds – begeben können. Auslöser dafür war im Mai die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), Covered Bonds über bis zu 60 Mrd. Euro zu kaufen.

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