Anleihe-Kupon ist an die Preissteigerung gekoppelt
Anti-Inflations-Bonds schützen das Depot

Der hohe Ölpreis und die gestiegenen Verbraucherpreise in den USA haben an den Kapitalmärkten ein altbekanntes Schreckgespenst wieder auf den Plan gerufen: die Inflation. Auch wenn Experten vor übertriebenen Sorgen warnen, ist die Furcht der Investoren vor steigenden Preisen groß: Nach einer Umfrage von Merrill Lynch rechnen neun von zehn Fondsmanagern mit höheren Preisen.

DÜSSELDORF. Insbesondere an den Rentenmärkten sorgt die Inflationsangst für Verkaufsstimmung. Steigene Preise sind Gift für Anleihen, da sie deren reale Verzinsung verringern. Allerdings gibt es auch Zins-Papiere, die den Anlegern einen Inflationsausgleich bieten. Die USA, Großbritannien und Frankreich begeben seit Jahren inflationsindexierte Anleihen („inflation linked bonds“ oder „linkers“), deren Kupon an die Inflation gekoppelt ist und damit eine Absicherung gegen Preissteigerungen bietet.

In den USA und Großbritannien sind Anleihen mit Inflationsschutz längst eine allgemein akzeptierte Anlageklasse. So empfiehlt Star-Fondsmanager Bill Gross, der für Pimco den größten Rentenfonds der Welt verwaltet, Anlegern seit Anfang des Jahres den Kauf solcher Papiere, da sie eine vergleichsweise günstige Absicherung gegen einen Anstieg der Inflationsrate böten.

Allerdings haben die Papiere aus dem angelsächsischen Raum für Anleger aus der Euro-Zone zwei Nachteile: Zum einen tragen sie ein Währungsrisiko – verteuert sich der Euro zu Dollar oder Pfund, verliert die Anleihe real an Wert. Außerdem sind die Anleihen an die nationalen Preisindizes der Emittenten gebunden. Diese müssen aber der Entwicklung in der Euro-Zone nicht entsprechen, weshalb der Inflationsschutz bei Dollar- oder Pfund-Anleihen nur bedingt gegeben ist.

Dank der aktiven Rolle Frankreichs – und seit kurzem auch Italiens – können Anleger inzwischen aber auch in der Euro-Zone zunehmend in Anleihen mit Inflationsschutz investieren, von denen einige an den harmonisierten Europäischen Verbraucherpreisindex gekoppelt sind: „Der Markt in Europa ist gewachsen und bietet inzwischen ein relativ breites Spektrum an Laufzeiten“, sagt Bernd Weidensteiner, Renten-Analyst bei der DZ Bank. Im Moment stünden bereits Papiere mit einem Volumen von mehr als 70 Mrd. Euro aus – Tendenz steigend. Zugleich steigt die Nachfrage vor allem von institutionellen Investoren wie Versicherern und Pensionsfonds, die nach möglichst sicheren Anlageklassen suchen.

"Finanzministerium hat sich stets dagegen entschieden"

In Deutschland werden sie dabei bisher nicht fündig. Zwar wird immer mal wieder über die Emission von inflationsgebundenen Staatsanleihen diskutiert, bisher hat sich das Finanzministerium aber stets dagegen entschieden. „Aus diesem Grund ist auch die private Nachfrage in Deutschland bisher sehr gering“, sagt DZ-Analyst Weidensteiner. Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung deutscher Anleger ist die unattraktive steuerliche Behandlung der Papiere: Anders als konventionelle Anleihen werden sie vom Fiskus als Finanzinnovation behandelt. Damit sind aber nicht nur die Zinserträge, sondern auch mögliche Kursgewinne bei Verkauf oder Ablauf der Anleihen zu versteuern.

Dennoch empfiehlt Weidensteiner indexierte Anleihen als Beimischung: „Wer sich einen Linker ins Depot legt, macht mit Sicherheit keinen Fehler. “ Sollte die Inflation nicht so stark anziehen wie erwartet, bleibe dem Anleger immer noch der langfristige Versicherungsschutz. „Wer weiß denn schon, wie sich die Inflation in den kommenden drei bis fünf Jahren entwickelt?“

Auch für die Commerzbank-Analysten sind inflationsgebundene Anleihen selbst bei stabilen Preisen eine interessante Anlage. In einer Studie begründen sie dies damit, dass die Renditen normaler Anleihen in einem Bärenmarkt in der Regel stärker ansteigen als die realen Renditen von Linkern: „In der auf mittlere Sicht erwarteten Abwärtsbewegung der Rentenkurse in der Euro-Zone bieten inflationsgebundene Anleihen einen gewissen Schutz in Form geringerer Kursverluste.“

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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