Anleihe nicht zurückgezahlt
40 Prozent Haircut für Puerto Ricos Gläubiger

Puerto Rico steht vor dem finanziellen Kollaps. Eine Anleihe konnte nicht zurückgezahlt werden. Experten halten die Schulden für nicht tilgbar. Das Land verhandelt bereits mit seinen Gläubigern über eine Umschuldung.
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DüsseldorfPuerto Rico ist eine Insel in der Karibik, Sonderterritorium der USA – und hoch verschuldet. Es kann das Geld für Zins und Tilgung einer Anleihe nicht mehr aufbringen. „Die Überweisung wurde nicht geleistet“, sagte die Chefin des staatlichen Entwicklungsbank, Melba Acosta, am Mittwoch (Ortszeit). Der staatliche Schuldenmanager Public Finance hätte die nötige Summe an einen Treuhänder überweisen müssen, damit der bis 1. August eine fällige Zahlung von knapp 94 Millionen Dollar (rund 86 Millionen Euro) leisten kann.

Anleihegläubiger bekommen möglicherweise im Durchschnitt gerade einmal 60 Cent je Dollar zurück, falls es der Insel ermöglicht werden sollte, ihre Verbindlichkeiten zu restrukturieren. Das geht aus einer Analyse von BlackRock hervor. Das Sonderterritorium und seine staatlichen Agenturen müssen ihre Schulden auf 40 Milliarden Dollar reduzieren, sagt Peter Hayes, Chef für Kommunalanleihen bei dem weltgrößten Vermögensverwalter, in einem Interview mit Bloomberg. Das bedeute, dass bei Puerto Ricos Papieren die Rückgewinnungsquote bei durchschnittlich rund 60 Prozent liegen werde.

Investoren rechnen mit weiteren Ausfällen. „Ich denke, das gefährdet auch andere Anleihezahlungen“, sagte Fondsmanager John Miller von Nuveen Asset Management. „Alle Arten von Anleihen sind in naher Zukunft bedroht, wie die Regierung gesagt hat.“ Die Regierung der Karibikinsel hatte kürzlich erklärt, über eine Umschuldung verhandeln zu wollen.

„Sie haben all diese Verbindlichkeiten, die sie sich nicht leisten können“, meint Hayes. Morningstar zufolge war seine Firma mit Stand vom 31. Mai nur mit 28 Millionen Dollar bei den Papieren der Insel investiert. „Wie wird man seine Schulden los? Entweder wächst man aus ihnen heraus - aber sie wachsen nicht. Oder man restrukturiert.“

Die Anleihenotierungen von Puerto Rico waren eingebrochen, nachdem Gouverneur Alejandro Garcia Padilla im vergangenen Monat erklärt hatte, dass es sich das Sonderterritorium nicht leisten könne, seine Schulden zu bezahlen. Das befeuerte Befürchtungen, dass es womöglich zu einer Restrukturierung auf dem insgesamt 3,6 Billionen Dollar schweren Kommunalanleihenmarkt in einer völlig neuen Dimension kommen könne.

Die Government Development Bank, die Geld an die Insel und ihre Finanzagenturen verleiht, erklärte vergangene Woche, sie werde unter Umständen die Papiere von Puerto Rico mit Barmitteln aufkaufen oder aber die Anleihen unterhalb des Nennwertes umtauschen. Standard & Poor's würde nach eigenen Angaben einen solchen Tausch als Ausfall einstufen.

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  • Tja, geographisch ist Puerto Rico für Uncle Sam halt nicht so bedeutsam.
    Pech gehabt.

  • Da kann sich der kluge Herr Krugman mal zu äußern...

  • Die erste Frage ist doch, wer Puerto Rico Geld leiht, und was dabei in deren Köpfen vorgeht. Ein haircut von 40 % ist da ja eine geradezu sanfte Methode der Besinnung.

    Die zweite Frage ergibt sich aus der Tatsache, daß die Verschuldung Griechenland's relativ gerechnet etwa das 1.7-fache beträgt, und man von GR erwartet, daß es seine Verpflichtungen einhält. Vielleicht haben die Griechen während der letzten Wochen, nicht die Zeit gefunden, sich für Neuigkeiten aus Puerto Rico zu interessioeren, aber jetzt sollten sie diese schnellstens zur Kenntnis nehmen und dem Beispiel folgen.

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