Anleihe soll helfen
Dubai zapft Kapitalmarkt an

Erstmals seit 18 Monaten will Dubai wieder die internationalen Kapitalmärkte anzapfen. Am Donnerstag startet das Emirat eine Roadshow, die über Hongkong und Singapur bis nach London und Frankfurt führt. Spitzenvertreter des Finanzministeriums in Dubai treffen sich in erster Linie mit institutionellen Investoren, um eine Anleihe aufzulegen.

DUBAI. Vor allem Pensionsfonds und Asset-Manager würden anvisiert, hieß es. Das Geld soll dazu verwendet werden, einen Kredit der Luftfahrtbehörde in Dubai in Höhe von einer Milliarde Dollar zu refinanzieren. Das Darlehen wird am 4. November fällig. Die Glitzer-Metropole am Persischen Golf hatte in den vergangenen Jahren im Zuge eines beispiellosen Immobilien-Booms einen Schuldenberg von rund 85 Milliarden Dollar angehäuft. Insider bezeichnen den geplanten Dubai-Bond als „Benchmark-Transaktion“. Die Zinshöhe für die Anleihe werde als Messlatte für die nächsten Refinanzierungsschritte des Emirats angesehen, heißt es.

So muss der staatliche Baukonzern Nakheel bis zum 14. Dezember 2,3 Milliarden Dollar zurückzahlen. Die Muttergesellschaft von Nakheel, Dubai World, hat eine Kreditlast von 40 bis 50 Milliarden Dollar zu schultern. In der vergangenen Woche hat Nakheel jedoch bereits eine vertrauensbildende Maßnahme eingeleitet. So zahlte die Immobilienfirma ein Darlehen über 1,2 Milliarden Dollar zurück, das Mitte Dezember fällig geworden wäre. „Das Emirat setzt alles daran, die Anti-Dubai-Stimmung an den internationalen Kapitalmärkten zu drehen“, sagt ein Top-Banker.

In Finanzkreisen wurden die Chancen für Dubais finanziellen Werbefeldzug günstig bewertet. „Eine Bond-Transaktion der Regierung in Höhe von ein bis zwei Milliarden Dollar dürfte von internationalen Investoren angenommen werden“, sagte Ralph Nitzgen, General Manager der Commerzbank in Dubai, dem Handelsblatt. „Das Emirat wird proaktiv, um ein Fenster der Gelegenheit auf den internationalen Märkten zu finden“, betont Jan Willem Plantagie, Nahost-Chef der Rating-Agentur Standard & Poor's. „Die Roadshow ist ein wichtiger Lackmustest für Dubais Entschuldungs-Kapazität“, unterstreicht Philipp Lotter von Moody's. Es gibt allerdings auch kritische Stimmen. „Vieles hängt von der Verkaufsstory und vom Preis ab“, meint ein Finanzprofi.

Nach Einschätzung von Analysten in Nahost sind Investoren heute weniger risikoscheu als in der Vergangenheit. Gläubiger aus Schwellenländern wie Dubai versuchen, sich diesen Trend zunutze zu machen, heißt es. Hintergrund ist die beginnende weltwirtschaftliche Erholung und der fallende Dollarkurs. Viele Anleger leihen sich „Greenbacks“ zu niedrigen Zinsen und investieren das Geld am Persischen Golf, in Asien oder Lateinamerika. Insbesondere die Nachfrage nach Unternehmensanleihen hat in letzter Zeit stark zugenommen. Das ölreiche Emirat Abu Dhabi und einige seiner öffentlichen Unternehmen haben 2009 bereits Anleihen über zwölf Milliarden Dollar platziert. So arrangierte HSBC in der vergangenen Woche einen Bond für die dortige Tourism Development and Investment Company: Das Papier mit einem Volumen von einer Milliarde Dollar war siebenfach überzeichnet. Abu Dhabi finanziert regionale Infrastruktur-Projekte verstärkt aus Anleihen zu günstigen Konditionen. Potente Staatsfonds wie die Abu Dhabi Investment Authority oder Mubadala investieren ihr Kapital hingegen weltweit mit dem Ziel, hohe Renditen einzufahren.

Dubai hatte bereits im Februar ein 20 Milliarden Dollar schweres Bond-Programm aufgelegt. Die erste Tranche über zehn Milliarden Dollar wurde von der Zentralbank in Abu Dhabi gekauft. Die zweite Tranche in Höhe von ebenfalls zehn Milliarden Dollar soll im November platziert werden. Das Finanzministerium in Dubai hofft, dass auch internationale Investoren einsteigen. „Im Notfall schießt die Zentralbank Kapital zu: Das ist die Ausfallbürgschaft“, sagt ein Spitzenbanker.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%