Anleihe über sieben Jahre
Investoren werfen Würth das Geld nach

Das Unternehmen von Schrauben-König Reinhold Würth soll immer über ein Sicherheitspolster verfügen. Dazu hat das Handelsunternehmen jetzt eine Anleihe begeben – zu sagenhaften Konditionen.
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StuttgartReinhold Würth nennt es „Schlafprämie“. Der kürzlich 80 Jahre alt gewordene Patriarch des Schrauben-Großhandels Firmenpatriarch will immer eine Liquiditätsreserve von mindestens einer halben Milliarde Euro im Unternehmen haben, um immer für unvorhergesehene Widrigkeiten gewappnet zu sein. Noch nie in der Unternehmensgeschichte waren aber die Zinsen dafür so günstig. Die Würth'sche „Schlafprämie“ ist damit so billig wie nie.

Die Adolf Würth GmbH & Co. KG holt sich das Geld zu sehr günstigen Konditionen vom Kapitalmarkt. Der weltgrößte Schraubenhändler emittiert eine Euro-Anleihe mit einem Volumen von 500 Millionen Euro, in einer Stückelung zu 1.000 Euro und mit einer Laufzeit von sieben Jahren. Würth zahlt dafür jährlich gerade einmal 1,1 Prozent Zinsen – das Niedrigzinsumfeld macht es möglich.

Damit liegt der Zinscoupon deutlich unter den bislang durchschnittlich 2,8 Prozent Zinsen, die der Konzern für seine Fremdfinanzierung zahlen muss. Die Eigenkapitalquote des Stiftungsunternehmens liegt bei 45,2 Prozent. Rechnet man das firmeneigene Bankhaus Bodensee heraus, ergibt sich sogar eine Eigenkapitalquote von 53,2 Prozent.

Bank, DZ Bank, HSBC und LBBW haben die Anleihe an den Markt gebracht. Durch die „A“-Note der Ratingagentur Standard&Poor’s – verfeinert mit einem positivem Ausblick, der eine noch bessere Note in Aussicht stellt – kann sich Würth sehr günstig refinanzieren. Als großer Vorteil von Würth betrachtet die Ratingagentur die breite Diversifizierung des Konzerns mit seinen 13 Geschäftsbereichen in 80 Ländern. Der größte Lieferant erziele einen Umsatz von knapp 60 Millionen Euro mit Würth, der größte Kunde habe zuletzt Waren im Wert von 65 Millionen Euro abgenommen, betont das Unternehmen.

Die aktuelle Anleihe ist Teil einer Rahmenfinanzierung in Höhe von insgesamt drei Milliarden Euro für ein Programm für „Mittelfristige Finanzierung“ (EMTN), das der Sprecher der Konzernführung Robert Friedmann am vergangenen Freitag vorgestellt hatte. Bislang war Würth bei der Fremdfinanzierung über Anleihen oder Schuldverschreibungen sehr vorsichtig.

Seit 1991 hat der Konzern insgesamt erst 2,5 Milliarden Euro aufgenommen. Die Niedrigzinsphase macht das Unternehmen aus der Hohenlohe jetzt mutiger. Friedmann will Wachstumschancen nutzen und investiert derzeit in die enge Vernetzung des Niederlassungsnetzes mit dem Verkauf über das Internet.

Friedmann rechnet damit, dass Würth in diesem Jahr um fünf Prozent expandieren wird, „vielleicht auch sechs oder sieben Prozent“. Das Betriebsergebnis soll mindestens proportional steigen. Im vergangenen Jahr steigerte Würth bei einem Umsatzplus von knapp vier Prozent auf 10,1 Milliarden Euro das Betriebsergebnis um knapp 16 Prozent auf 515 Millionen Euro.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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