Anleihe unter der Lupe
ABB schwimmt sich frei

Investoren, die Anleihen des schweizerischen Elektrokonzerns ABB im Portfolio haben, können mehr als nur erleichtert aufatmen – sie dürfen sich richtig freuen: Denn das Unternehmen hat das existenzbedrohende Problem der Asbest-Klagen so gut wie überstanden.

FRANKFURT/M. Und seit vergangenem Oktober steigen die Kurse der Bonds rasant. Ein Insolvenzgericht in den USA hat ABB vor gut einer Woche einen Vergleich mit den Asbest-Klägern genehmigt. ABB kann für die US-Tochter Combustion Engineering (CE) Insolvenz anmelden und die Asbest-Kläger mit insgesamt 1,3 Mrd. $ entschädigen. CE hatte asbesthaltiges Material in Heizkraftkesseln verarbeitet. Noch muss ein Bezirksgericht die Entscheidung absegnen, doch das Okay gilt als sicher.

Die im Januar 2008 fällige Anleihe (Grafik und Tabelle) notiert inzwischen bei 102,8 %. Im Oktober – als die Ratingagentur Moody’s die Bonität von ABB auf Ramschniveau herabgesetzt hatte – war der Kurs auf 41 % abgestürzt. Den damals drohenden Liquiditätsengpass hatte ABB im Dezember dank einer neuen Kreditlinie über 1,5 Mrd. $ abgewendet.

Trotz der beeindruckenden Entwicklung der ABB-Bonds in den vergangenen Monaten halten Experten die Anleihen für ein lohnendes Investment. So bietet die 2008 fällige Anleihe eine Rendite von 10,3 %. „Das ist im Vergleich zu anderen hochverzinslichen Anleihen attraktiv“, sagt Henning Lenz, Chef des europäischen High-Yield-Bereichs beim Vermögensverwalter West AM. Die Rendite liegt zudem höher als bei Emission vor zwei Jahren. Grund ist der hohe Zinsschein von 11,5 %, der sich nach den Ratingherabstufungen von ursprünglich 9,5 % erhöhte.

Die hohe Rendite gibt es natürlich nicht umsonst. Sie spiegelt das Risiko wider, das in den ABB-Bonds immer noch enthalten ist. So begründet Moody’s die schlechte Bonitätseinstufung mit der Unsicherheit über die geplante Umstrukturierung und die hohe Verschuldung. Den Schuldenberg von 8,2 Mrd. $ will ABB-Chef Jürgen Dormann bis Ende des Jahres auf 6,5 Mrd. $ abtragen. Um das zu erreichen, will ABB sich auf die Kerngeschäftsfelder Automation und Energietechnik konzentrieren und unter anderem die US-Öl- und Gassparte verkaufen. Sie allein wird dem Konzern nach Meinung von Analysten zwischen 1 Mrd. und 1,5 Mrd. $ einbringen. „Nach der Lösung des Asbest-Problems sind die Chancen für den Verkauf gut“, sagt Peter Schuld, Research-Manager bei der Fondsgesellschaft Deka Investment. Weitere 500 Mill. $ will ABB durch den Verkauf von Teilen der Sparte Gebäudetechnik erlösen. Im nächsten Jahr hält es Schuld außerdem für möglich, dass ABB neue Aktien an Altaktionäre ausgibt. Das würde das Eigenkapital stärken.

Dies allein wird aber auf Dauer nicht reichen. „Jetzt muss der Konzern sein operatives Ergebnis verbessern“, sagt Lenz. Dabei mache das konjunkturelle Umfeld Probleme. Daher könne das Ergebnis am 29. Juli schlechter ausfallen als erwartet. Schon die vergangenen vier Quartale hatte ABB Verluste verbucht. Schuld macht aber Hoffnung, dass die Auftragseingänge von ABB zuletzt deutlich gestiegen sind. „Wer jetzt ABB-Bonds kauft, setzt auf eine konjunkturelle Erholung.“

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