Anleihe unter der Lupe: Ahold-Anleger müssen zittern

Anleihe unter der Lupe
Ahold-Anleger müssen zittern

Ahold-Anleger haben die Wahl zwischen Pest und Cholera: Beim Verkauf der Bonds müssen sie große Verluste hinnehmen, beim Halten riskieren sie, letztlich alles zu verlieren.

FRANKFURT/M. Mit einer Rendite von rund 6 % mussten sich Anleger, die die 2008 fällige Anleihe von Ahold gekauft hatten, bislang keine großen Sorgen machen. Seit Ahold jedoch vor zwei Tagen zugegeben hat, seine Bilanzen für die vergangenen beiden Jahre um mehr als 500 Mill. $ zu hoch ausgewiesen zu haben, gilt der Konzern als wackliger Schuldner. Insgesamt hat der niederländische Einzelhändler – weltweit die Nummer zwei nach Wal-Mart und vor Carrefour – Anleihen über rund 9 Mrd. ausstehen.

Durch die falschen Bilanzen verschlechtern sich die Finanzkennzahlen von Ahold erheblich. Deshalb stufte die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) die Kreditwürdigkeit von Ahold um zwei Stufen auf BB+ herab. Die Anleihen gelten damit als Junkbonds (Schrottanleihen). Auch Fitch senkte das Rating um zwei Stufen, mit BBB- bleibt es jedoch innerhalb der Investitionsklasse. Bei beiden Agenturen steht das Rating aber weiter auf dem Prüfstand. Moody’s kündigte an, das Rating Baa3 zu überprüfen, und Analysten rechnen fest damit, dass Moody’s Ahold ebenfalls in den Junkbond-Bereich abstufen wird.

Anfang dieses Jahres hatten die Agenturen ihre Bonitätsurteile nach der zweiten Gewinnwarnung von Ahold schon gesenkt. Außerdem bemängeln Analysten schon länger die mangelnde Transparenz des Konzerns. Der Schuldenberg von Ahold ist durch massive Zukäufe auf 12,5 Mrd. gewachsen. Felix Fischer, Analyst für Unternehmensanleihen bei der Hypo-Vereinsbank, empfiehlt, bei Ahold-Bonds „die Reißleine zu ziehen“ und die Anleihen zu verkaufen. Auch die WGZ-Bank rät zum Verkauf. Damit würden Anleger große Verluste realisieren, denn seit Montag ist der Kurs der Ahold-Bonds deutlich eingebrochen. Dementsprechend rentiert die 2008 fällige Anleihe derzeit mit über 14,8 %. François Lauras, Kreditanalyst bei BNP Paribas, sieht damit einen großen Teil des Risikos in den Bonds eingepreist. Er empfiehlt, die Anleihen zunächst zu halten. Dresdner Kleinwort Wasserstein und Goldman Sachs meinen, die aktuellen Kursverluste der Bonds seien übertrieben und raten ebenfalls, die Papiere zu halten.

Kurzfristig drohe dem Konzern keine Liquiditätskrise, schreibt Goldman Sachs. Ein Bankenkonsortium hat Ahold Kredite über 3,1 Mrd. zugesagt. Darunter sind zwei 364 Tage laufende Kreditlinien über insgesamt 2,65 Mrd. . Die werden allerdings nur gewährt, wenn das operative Ergebnis des Konzerns (Ebita) 2,5 mal höher ist als der Zinsaufwand. Derzeit gilt diese Kennziffer als knapp erreicht. Wenn der Konzern noch höhere Wertberichtigungen vornehmen muss, besteht aber die Gefahr, dass die Banken diese Kreditlinie nicht gewähren werden. Klarheit darüber gibt es erst, wenn Ahold seinen verspäteten Geschäftsabschluss vorlegt.

Goldman Sachs geht zwar davon aus, dass Ahold die Kredite von den Banken bekommt. Die Tatsache, dass Ahold-Chef Cees van der Hoeven und sein Finanzvorstand Michael Meurs zurückgetreten sind, weise jedoch darauf hin, dass die Probleme noch größer sein könnten als bisher bekannt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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