Anleihe unter der Lupe
Dem britischen Einzelhändler Sainsbury droht Junkbond-Rating

Mit Anleihen von Sainsbury hatten Investoren in diesem Jahr nicht viel Freude. Während die Kurse von Unternehmensanleihen durch die Bank kräftig stiegen und die Renditen sanken, ging es mit den Kursen der Sainsbury- Bonds abwärts. Kein Wunder: Der britische Lebensmitteleinzelhandelskonzern – bis Mitte der neunziger Jahre noch Marktführer auf der Insel – schockte Investoren mit drei Gewinnwarnungen und muss sich jetzt einem harten Restrukturierungsprogramm unterwerfen.

HB FRANKFURT/M. Der neue Vorstandschef Justin King will das Unternehmen in den nächsten drei Jahren auf Vordermann bringen und den Umsatz um 2,5 Mrd. Pfund (rund 3,5 Mrd. Euro) steigern. Dafür sollen die Preise gesenkt, 3 000 Mitarbeiter für Verkauf, Kasse und Service eingestellt und die Logistik verbessert werden. Auf der anderen Seite will King 750 Stellen im Management streichen.

Auf diese Ankündigungen reagierten die Anleihen mit leichten Kursgewinnen. Sainsbury hat insgesamt elf Bonds über rund 1,9 Mrd. Pfund ausstehen, darunter nur eine Anleihe, die auf Euro lautet. Diese wird 2008 fällig und bringt eine Rendite von 4,13 Prozent. Elmar Zurek, Fondsmanager für Unternehmensanleihen bei der DWS, hält diese Rendite für zu niedrig. „Der Markt spiegelt die schwierigen Fundamentaldaten nicht richtig wider.“ Dies könne auch damit zusammenhängen, dass es nur relativ wenige Bonds von Handelskonzernen gibt und diese gern genutzt werden, um das Portfolio zu diversifizieren. Außerdem spiele der bekannte Name von Sainsbury eine Rolle, der viele Privatanleger angelockt habe.

Weitere Kursverschlechterungen drohen den Titeln, falls Sainsbury sein Rating innerhalb des sicheren Investment-Grade verliert. Dann wären viele institutionelle Investoren gezwungen, die Bonds zu verkaufen. Mit einem Rating von „BBB-“ bei Standard & Poor’s (S&P) ist die Nummer drei der britischen Einzelhändler – hinter Tesco und der Wal-Mart-Tochter Asda – nur noch eine Stufe von einem Junkbond-Rating entfernt. Vor anderthalb Jahren stuften die Agenturen Sainsbury noch mit guten Bonitätsnoten im A-Bereich ein.

Wie akut die Gefahr einer Herabstufung ist, zeigt der negative Ausblick, den S&P seinem Rating hinzufügt. „Wenn Sainsbury seine Wettbewerbsposition und den operativen Gewinn in den nächsten zwölf bis 18 Monaten nicht verbessert, wird das Rating weiter unter Druck kommen“, schreibt S&P. Moody’s und Fitch stufen die Kreditwürdigkeit des Lebensmitteleinzelhändlers derzeit eine Stufe besser ein als S&P. Das könnte sich aber schnell ändern, erwarten die Analysten von Morgan Stanley. Die Ergebnisse würden sich in den nächsten sechs bis neun Monaten kaum verbessern, das könnte Moody’s zu einer Herabstufung in den Junkbond-Bereich veranlassen.

Als großes Problem der Briten gilt, dass die Wettbewerber auf die angekündigten Preissenkungen ihrerseits mit einem Preiskampf antworten könnten. „Ob es Sainsbury mit dem neuen Restrukturierungsprogramm gelingt, verlorenes Terrain zurückzuerobern, muss sich erst noch zeigen. In der Vergangenheit haben logistische Probleme und mäßiger Service viele Kunden verprellt“ , sagt Nina Liefke, Analystin bei der DZ Bank. Zudem habe es Sainsbury als kleinerer Anbieter schwer, bei den Lieferanten ähnlich gute Bedingungen auszuhandeln wie Asda und Tesco.

Zusätzlich unter Druck gerieten die Bonds zuletzt, als Spekulationen über einen Verkauf des Konzerns an Private Equity Gesellschaften auftauchten. Diese würden die Übernahme über Kredite finanzieren und dadurch das Finanzprofil von Sainsbury verschlechtern. „Für Bondbesitzer wäre dies aber nicht so dramatisch“, sagt Stephen Wilson-Smith, Leiter des Credit Researchs bei der Fondsgesellschaft Prudential M&G. „Die Investoren sind in diesem Fall recht gut durch die Anleihebedingungen geschützt.“ Die enthalten eine Klausel, wonach die Anleihebesitzer ihre Bonds zum Nennwert von 100 Prozent zurückbekommen, falls ein Finanzinvestor die Kontrolle über Sainsbury übernimmt und das Rating dadurch in den Junkbond-Bereich abrutscht.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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