Anleihe unter der Lupe
GM-Großanleihe stößt bei Analysten auf Skepsis

General Motors hat die größte Unternehmensanleihe begeben. Doch Experten halten den Bond von GM für riskant und warnen vor fundamentalen Risiken des Autobauers.

FRANKFURT/M. General Motors (GM) ist ein Garant für Superlative: Der Konzern ist der weltgrößte Autobauer und zählt mit rund 212 Mrd. $ Verbindlichkeiten zu den größten Industrieschuldnern der Welt. Jetzt hält GM einen weiteren Rekord. Rechnet man die Wandelanleihe über 4 Mrd. $ mit, hat GM am Donnerstag mit einem Volumen von 17,55 Mrd. $ die größte jemals von einem Unternehmen emittierte Anleihe begeben. Die bisherige Bestmarke von France Télécom (16,4 Mrd. $) ist Geschichte.

Vier der elf Anleihetranchen lauten auf Euro. Die Bonds waren mit über 30 Mrd. $ deutlich überzeichnet. So konnte GM die Renditen unter das ursprünglich vorgesehene Niveau drücken. An den ersten Handelstagen aber weiteten sich die Renditeaufschläge zu Staatsanleihen stark aus – die Papiere waren am Sekundärmarkt also kaum gefragt. Bernhard Jeggle, Experte der Landesbank Baden-Württemberg, erklärt das ursprüngliche Interesse der Institutionellen mit dem „Anlagenotstand“ durch die aktuell niedrigen Renditen. Wie Jeggle raten viele Analysten jedoch Privatanlegern vom breiten Einstieg in die GM-Anleihen ab. „Für Private sind die Anleihen zu riskant“, sagt Hypo- Vereinsbank-Analyst Sven Kreitmair. „Bei GM bestehen viele fundamentale Risiken fort. Es gibt attraktivere Bonds in diesem Bonitätsbereich, wie Daimler-Chrysler oder Continental.“ Wer alte GM-Anleihen mit fünfjähriger Restlaufzeit hält, kann aber wegen der höheren Rendite in die neuen Bonds dieser Laufzeit (Grafik) wechseln.

Jeweils 1,5 Mrd. Euro umfassen die zwei-, fünf- und 30-jährigen Tranchen mit Kupons von 175 Basispunkten über dem Euribor (gestern 2,145 %), 6 % und 8,375 %. Die zehnjährige Tranche hat ein Volumen von 1 Mrd. Euro, Kupon 7,25 %. Die Experten der WGZ-Bank raten Anlegern nur zum Kauf der zweijährigen, die Anleger durch die „variable Verzinsung vor der Gefahr eines Anstiegs der Renditen und dadurch weitgehend vor Kursverlusten schützt“. Ansonsten empfehlen sie, „nicht in Anleihen des Unternehmens zu investieren“.

Zweck der Mega-Anleihe ist die Sanierung der Pensionskassen, die Ende 2002 eine Unterdeckung von 25,4 Mrd. $ angesammelt hatten – mehr als GMs Marktkapitalisierung an der Börse. Trotz der zuletzt positiven Entwicklung der Aktienmärkte stellt dies eines der größten Probleme von GM dar. Der im September erwartete Tarifabschluss mit der mächtigen Gewerkschaft UAW wird das Problem zusätzlich verschärfen.

Daneben nagen Überkapazitäten und teure Kaufanreize, bei denen GM die absolute Führungsrolle hat, an den Gewinnen. Auch rechnen Experten langfristig mit steigenden Leitzinsen, was die GM-Bonds – wie alle zu Niedrigzinszeiten emittierte Anleihen – unattraktiver machen wird gegenüber neuen Anleihen mit höheren Kupons. Insbesondere die Langläufer würden belastet.

Diese fundamentalen Fragezeichen machen das Rating von GM unsicher – die entscheidende Richtgröße für die Kursentwicklung der Anleihen. Standard & Poor’s hat GM im Juni herabgestuft auf „BBB“, Moody’s bewertet die Bonität mit „Baa1“ eine Stufe höher. Die Bonität liegt damit nur zwei beziehungsweise eine Stufe über Junkbondniveau. Als „Schrottanleihen“ werden Bonds bezeichnet, die mit den Ratings „Ba1“ beziehungsweise „BB+“ oder niedriger versehen sind und ein hohes Ausfallrisiko aufweisen.

Kreitmair sagt: „Moody’s knüpft das Aufrechterhalten des Ratings unter anderem daran, dass die verkauften Einheiten in den USA nicht unter 16 Mill. sinken und der Marktanteil nicht unter 28 %.“ Dass GM die Ziele verfehlt, sei denkbar – mit entsprechenden Verlusten für Anleger.

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