Anleiheauktion
Bund wird Staatsanleihen nicht los

Das gab es lange nicht mehr: Deutschland bleibt auf einem Teil seiner zehnjährigen Bonds sitzen. Schuld ist die Entspannung der Staatsschuldenkrise in Europa. Die Papiere von Ländern wie Italien werden attraktiver.
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BerlinErstmals seit knapp anderthalb Jahren hat der Bund nicht ausreichend Interessenten für eine zehnjährige Staatsanleihe gefunden. Mit der Versteigerung wollte die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur am Mittwoch fünf Milliarden Euro einnehmen. Die Gebote der Investoren für die Bundesanleihe summierten sich aber nur auf gut 4,3 Milliarden Euro.

Die Finanzagentur erklärte das mit der „Marktsituation im unmittelbaren Umfeld und zum Zeitpunkt der Auktion.“ Analysten machten die niedrigen Zinsen für das geringe Interesse verantwortlich. „Das Renditeniveau ist derzeit einfach zu niedrig, um Anleger für das Papier begeistern zu können“, sagte Matthias Melms von der NordLB.

Die Investoren mussten sich mit einer durchschnittlichen Rendite von 1,64 Prozent begnügen, Ende Januar lag sie noch bei 1,77 Prozent. „Anleger gehen wieder mehr Risiko mit entsprechend höheren Renditen“, sagte Melms. „Die Euro-Krisenländer haben Fortschritte gemacht, was Investoren lockt.“

Vergleichbare italienische Bonds werfen derzeit am Markt mit rund 3,6 Prozent eine mehr als doppelt so hohe Rendite ab. Den Investoren wurden schließlich Papiere im Wert von knapp 3,8 Milliarden Euro zugeteilt. Die restlichen gut 1,2 Milliarden Euro nahm die Finanzagentur in den Eigenbestand auf. Die Bundesanleihe kann sie nun am Markt verkaufen.

Die Hoffnung auf einen beschleunigten Reformkurs hat Anleger am Mittwoch in italienische Staatsanleihen getrieben. Die Kurse der zehnjährigen Papiere stiegen, im Gegenzug fiel die Rendite auf ein neues Acht-Jahres-Tief. Sie lag zeitweise bei 3,552 Prozent, im Schlussgeschäft am Dienstag hatte die Rendite noch 3,567 Prozent betragen. Anleger setzten darauf, dass der designierte Ministerpräsident Matteo Renzi mit einer Serie rascher Reformen die tiefe Wirtschaftskrise überwinden kann.

Renzi hatte sich vergangene Woche in einem innerparteilichen Machtkampf gegen Enrico Letta durchgesetzt, der daraufhin als Ministerpräsident zurücktrat. Der 39-Jährige muss nun eine Regierungskoalition schmieden und ein neues Kabinett zusammenstellen. "Die Erwartung an Renzi steigen Tag für Tag. Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob Renzi den hohen Erwartungen gerecht werden kann oder demnächst Gewinnmitnahmen bei den Anleihen einsetzen", sagte Commerzbank-Stratege Michael Leister.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Scheinbar fühlen sich die Banken und Versicherungen wieder so sicher, dass allmählich der Hunger nach Rendite wieder losgeht. Da sind 1,64 % Rendite nicht mehr gut genug. Wenn der EuGH das OMT-Programm kippen sollte, treibt es denen schnell wieder den Angstschweiß ins Gesicht. Oder man ist der Meinung, dass man den Druck auf den EuGH erhöhen kann, wenn man die Gelder seiner Kunden in risikoreiche Staatsanleihen steckt. So nach dem Motto: Ihr könnt doch nicht die Geldanlagen eurer Bevölkerung zerstören. Hört sich zwar nach Verschwörungstheorie an, macht aber Sinn. Da spekulieren wieder einige darauf, dass Sie im Zweifelsfall mit dem Geld der EZB und / oder des Steuerzahlers gerettet werden.

  • Als würde das der Dollar auch nicht sein! Die USA macht dies sogar noch schlimmer. Im grunde sind wir abhängig bis heute noch vom $... und jedes Land spielt bei der Abwertung Ihrer eigenen Währung ja mit... Den sonst können sie ja nichts mehr günstig produzieren! Lohndumping ist gewollt....

  • "Und auch gefährdet die Aktuelle situation.. ein Soziales Miteinander... Das
    Geldsystem erzeugt krieg, würde man dies anderst anderst anwenden würde
    vieleicht schon ein weiterer schritt für Frieden und Wohlstand da sein... "

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