Anleiheauktion
Italien kommt trotz Herunterstufung an Geld

Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Italiens deutlich gesenkt. Trotzdem musste das Land bei einer Auktion weniger Zinsen zahlen. Die Atempause währte aber nur kurz.
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Frankfurt, New YorkTrotz der Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's hat sich die Refinanzierung von Italiens Schuldenberg etwas verbilligt. Italien lieh sich am Freitag zunächst rund 3,5 Milliarden Euro am Kapitalmarkt und musste den Investoren beim Verkauf von dreijährigen Staatsanleihen nicht mehr so hohe Zinsen bieten wie zuletzt.

Die durchschnittliche Rendite sank auf 4,65 Prozent und war damit so niedrig wie seit Mai nicht mehr. Bei der vorigen Emission im Juni lag sie mit 5,3 Prozent noch auf dem höchsten Stand seit Dezember. Die Nachfrage der Anleger war größer als das Angebot, die Auktion war 1,7-fach überzeichnet. Italien wollte zudem Bonds mit einer Laufzeit bis 2019, 2022 und 2023 begeben. "Die Rendite ist ein Schnaps niedriger als man es hätte erwarten können, aber die große Erleichterung setzt jetzt trotzdem nicht ein", sagte ein Händler. "Die Unsicherheit bleibt hoch."

Die Rendite für zehnjährige Schuldtitel aus Rom gab kurzzeitig nach auf 5,935 Prozent, stieg allerdings schnell wieder auf sechs Prozent. Kreditausfallversicherungen auf Italien-Anleihen verteuerten sich laut Datenanbieter Markit um 15 Basispunkte auf 521 Basispunkte.
Moody's hatte die Kreditwürdigkeit Italiens am Freitag um zwei Noten heruntergestuft. Die Bewertung sei auf Baa2 von A3 gesenkt worden, teilten die Bonitätswächter mit. Sie kündigten zudem an, dass eine weitere Herabstufung möglich sei, falls sich die Aussichten für die Wirtschaft weiter verschlechtern oder die Umsetzung von Reformen stocken sollten. Der Ausblick sei deshalb negativ. Außerdem wurde auf die „Ansteckungsgefahr“ Griechenlands und Spaniens verwiesen.

Angesichts einer sich verschlechternden wirtschaftlichen Entwicklung in Italien, die durch sinkendes Wachstum und steigende Arbeitslosenzahlen deutlich werde, steige auch das Risiko, die Einsparungsziele zu verfehlen. Dies würde sich dann wiederum negativ auf das Vertrauen am Markt und die Möglichkeiten zur Beschaffung frischen Geldes auswirken, hieß es. Moody's prognostizierte für das laufende Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung des Landes um zwei Prozent.

Die Herabstufung vom Freitag war bereits die zweite innerhalb von fünf Monaten. Im Februar hatte Moody's die Kreditwürdigkeit Italiens gemeinsam mit der Bonität von Portugal und Spanien gesenkt.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hält die hohen Refinanzierungskosten Italiens für ungerechtfertigt. "Man kann nicht erkennen, warum Italien bei einem Defizit von 1,7 Prozent Renditen von 6,0 bis 6,5 Prozent zahlen sollte, während Großbritannien mit einem Defizit von 7,7 Prozent seine Schulden am Markt mit rund zwei Prozent refinanzieren kann", sagte Bofinger der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" vom Freitag. Die Märkte sähen nicht die Fortschritte, die das hoch verschuldete Land gemacht habe. Italien sei im Kreise der sieben führenden Industriestaaten (G7) beim Haushaltsdefizit hinter Deutschland das solideste Land, sagte Bofinger, der als Mitglied im Sachverständigenrat die deutsche Bundesregierung berät.

Es sei richtig, dass Italiens Regierungschef Mario Monti beim jüngsten Euro-Gipfel durchgesetzt habe, dass Italien bei den Rettungsschirmen EFSF und ESM einen vereinfachten Antrag auf den Kauf von Staatsanleihen stellen kann. Italien müsste dann keine zusätzlichen Auflagen erfüllen. Monti erhofft sich davon, dass die Finanzierungskosten für die Verschuldung sinken.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sieht Italien nach der Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's vor schwierigen Zeiten. „Es ist nicht auszuschließen, dass am Ende auch Italien den Rettungsfonds um Hilfe bittet“, sagte Krämer Handelsblatt Online. Premierminister Mario Monti habe selbst diese Möglichkeit bereits mehrfach erwähnt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • Und wo ist da der Unterschied?
    Also, mal ehrlich, die Argumentation dieses alimentierten PISA-Professors ist doch auf Milchmädchen-Niveau.

  • Ich frage mich manchmal, warum die Online-Version des Handelsblattes nicht fähig ist, investigativ zu arbeiten. Selbst einige Blogs liefern mehr Hintergrundwissen über Besitzverhältnisse Ratingagenturen als dieser schmale Artikel: http://www.nachdenkseiten.de/?p=10067

    Standard & Poor’s und Moody’s gehören den größten Vermögendsverwaltern und Anleihespekulanten wie Morgan Stanley, Blackrock, Fidelity Investments, auch der Allianz Versicherung, und Blackrock ist zugleich größter Aktionär der Deutschen Bank; Fitch gehört im wesentlichen dem US-freundlichen Großkapital Frankreichs. Von Werner Rügemer

  • Mal davon abgesehen, dass der Euro sowieso tot und nicht mehr zu retten ist, gehören diese "Ratingagenturen" auf den Mond geschossen. Diese Herabstufung ist so durchsichtig wie Fensterglas.

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