Anleiheauktion

Spanien muss noch höhere Zinsen bieten

Für die Spanier wird es immer enger. Sie müssen erneut hohe Zinsen bieten, um Investoren zu ködern. Die Rendite für zehnjährige Bonds erreicht eine kritische Grenze. Experten halten das nicht für tragbar.
Update: 19.07.2012 - 12:15 Uhr 21 Kommentare
Münze mit der Abbildung des spanischen Königs Juan Carlos. Quelle: dpa

Münze mit der Abbildung des spanischen Königs Juan Carlos.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSpanien muss bei Schuldenaufnahme tiefer in die Tasche greifen. Bei einer Auktion von Staatsanleihen mit einem Volumen von knapp drei Milliarden Euro lagen die Zinsen am Donnerstag höher als zuletzt.

Für Papiere mit zweijähriger Laufzeit und einem Volumen von 1,359 Milliarden Euro musste Spanien eine Durchschnittsrendite von 5,2 Prozent bieten (zuletzt: 4,3 Prozent). Fünfjährige Anleihen im Volumen von 1,074 Milliarden Euro kamen auf 6,459 Prozent (zuletzt: 6,072 Prozent). Papiere mit Laufzeit von sieben Jahren im Volumen von 0,548 Milliarden Euro lagen bei 6,7 Prozent (zuletzt: 4,832 Prozent).

Auch auf dem Sekundärmarkt zogen die Renditen im Anschluss an die Auktion an. Die Rendite der zehnjährigen Staatspapiere kletterte zeitweise auf sieben Prozent. Der Euro rutschte nach der Auktion zeitweise ins Minus, erholte sich dann aber wieder. Er notierte zuletzt bei 1,2267312 Dollar.

"Die Auktion verlief eigentlich wie erwartet", sagte Sebastian von Koss, Analyst bei HSBC Trinkaus. Spanien habe zwar das gewünschte Volumen eingenommen, aber die Schuldenaufnahme sei erneut teurer geworden und diese Kosten seien auf Dauer nicht tragbar.

Spanien kämpft darum, sich den Zugang zum Markt zu erhalten, um sein Haushaltsdefizit finanzieren zu können. Mit länger laufenden Anleihen traut sich das Land kaum noch auf den Markt. Seit Juni finanziert es sich nach Angaben von Bloomberg zu 80 Prozent und mehr über kürzere Laufzeiten. Zum Vergleich: Im Fall von Deutschland liegt der Anteil der Emissionen mit kürzeren Laufzeiten bei 60 Prozent, und in Italien bei 66 Prozent.

„Finanzierungskosten von fünf oder sechs Prozent sind bei kurzen Laufzeiten nicht tragfähig”, sagt Michael Leister, Zinsstratege bei der DZ Bank, „sie können sich derzeit durchwursteln, aber wenn es nicht zu einer fundamentalen Verbesserung kommt, dann könnten sich die Dinge ändern”, fügt er an. Die Kombination aus steigenden Renditen und abnehmendem Wirtschaftswachstum nennt er „eine giftige Mischung”.

„Spanien müsste sich wirklich abmühen, um längerfristige Anleihen am Markt unterzubringen, und das ist ein reales Problem für das Land”, sagte Craig Versey, Anleiheexperte bei Principal Investment Management in London. „Zurzeit hängen sie am kurzen Ende fest. Letztendlich werden sie in die Zahlungsunfähigkeit getrieben”.

Frankreich profitiert
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21 Kommentare zu "Anleiheauktion: Spanien muss noch höhere Zinsen bieten"

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  • 'peterpain' sagt
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    Nachdem Spanien jetzt Kohle bekommt und sicherlich bald komplett unter den Schirm schlüpfen wird, wird Italien der nächste Kandidat sein, die retten wir auch noch, dann aber kommt Frankreich und dann wirds zappenduster.
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    Weder für das komplette Spanien (Staatsschulden 900 Milliarden) noch für Italien (2000 Milliarden) ist unter dem Rettungsschirm (500 Milliarden) überhaupt Platz.

    Und eine Vergrößerung des Rettungsschirms würde durch die Übernahme weiterer Garantien die Kreditwürdigkeit der Guteuropäer so stark beschädigen, daß deren Refimamzierungskosten und diejenigen des ESM stark ansteigen würden.

    Die geretteten hätten also keinen nennswerten Vorteil von den Hilfen, und für die Retter wäre eine nochmalige Ausweitung ihrer Garantien auch nicht zumutbar.

    Hier kann nur die EZB einschreiten, wenn tatsächlich eine Marktstörung vorliegt.

    Ansonsten liegt es an Spanien, seine Haushaltssanierung zu verschärfen.

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    Mein Tip:

    Ein paar Dummzocker in London und New York haben Bilder von den Abzockerdemos in Spanien gesehen, und shorten jetzt was das Zeug hält.

    Das beruhigt sich wieder.

  • 'Machiavelli' sagt:
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    Wirkung und Ursache können leicht verwechselt werden.
    Es ist offensichtlich dass bei einer Verzinsung von 6% bis 7% oder mehr, Länder die jetzt schon eine schwache Wirtschaft haben, gerade wegen der enormen Zinsbelastung, kaum eine Chance haben aus der Schuldenfalle raus zukommen.
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    Wer hier Ursache und Wirkung verwechselt sind Sie wohl selber. Denn Deutschland und Spanien haben in etwa die gleiche Staatsverschuldung in Prozenten BSP von 80+. Bloß während die in Deutschland kaum steigt, oder mit ein boßchen Glück sogar sinkt, geht sie in Spanien rapide nach oben.

    Weil Spanien es eben nicht schafft, seine Staatsausgaben auf seine Staatseinnahmen zu beschränken.

    Spanien hat ein primäres Haushaltsdefizit, sogar ganz ohne Zinszahlungen.

    Und schlechte Schuldner müssen nunmal höhere Zinsen zahlen, um das höhere Kreditausfallrisiko auszugleichen. Sollte Ihnen eigentlich schon 'mal aufgefallen sein.

    ++++++++++++++++++++++++++++++

    Oder glauben Sie, die Zinssätze für Spanien (7%) und Deutschland (1,2%) sind vom Himmel gefallen?

    Die werden an einer Einrichtung gemacht, die sich "Kapitalmarkt" nennt.

    Wenn Sie nicht wissen was das ist, bitte googeln!

  • Nachdem Spanien jetzt Kohle bekommt und sicherlich bald komplett unter den Schirm schlüpfen wird, wird Italien der nächste Kandidat sein, die retten wir auch noch, dann aber kommt Frankreich und dann wirds zappenduster.

    Letztendlich kriechen wir dann alle unter den Schirm und warten auf einen rettenden Erlöser.

  • Wirkung und Ursache können leicht verwechselt werden.
    Es ist offensichtlich dass bei einer Verzinsung von 6% bis 7% oder mehr, Länder die jetzt schon eine schwache Wirtschaft haben, gerade wegen der enormen Zinsbelastung, kaum eine Chance haben aus der Schuldenfalle raus zukommen.
    Das ist eine Feststellung und jeder halbwegs in Mathematik gewanderter Mensch wird es zugeben.
    Was nutzt "Druck" wenn die Tube leer ist.
    Zumutbare Haushaltsdisziplin muss, darf und kann nur durch Kontrolle und nicht durch Kapitalentzug erreicht werden (hier die Betonung auf „zumutbare“).
    Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien - dass ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen.

  • Das Europa, das wir heute kennen, ist ein maßgeblich deutsch-französisches Europa. Waren sich die beiden großen Mittelmächte einig, hatten die anderen Partner in den vergangenen Jahrzehnten selten etwas entgegenzusetzen. Auch wenn man das natürlich niemals aus dem Munde eines Spitzenpolitikers gehört hätte, galt in Europa noch nie das in Deutschland so viel beschworene Konnexitätsprinzip "Wer bestellt, der bezahlt auch". Die Realität war immer "Wer bezahlt, der bestellt auch". Und weil Deutschland immer bereit war, zu bezahlen, wurde in Europa immer auch schon Deutsch gesprochen, wie es Unionsfraktionschef Volker Kauder wohl ausdrücken würde. Das galt für viele richtige oder richtig gedachte Vereinbarungen, wie etwa die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank oder die Einführung des Stabilitätspaktes. Genauso galt das aber auch für alle Auswüchse europäischer Bürokratie, alle Fehler bei der Aufnahme neuer EU-Mitglieder und alle Fehler, die im Rahmen der Euro-Einführung gemacht wurden.

  • Wirkung und Ursache können leicht verwechselt werden.
    Es ist offensichtlich dass bei einer Verzinsung von 6% bis 7% oder mehr, Länder die jetzt schon eine schwache Wirtschaft haben, gerade wegen der enormen Zinsbelastung, kaum eine Chance haben aus der Schuldenfalle raus zukommen.
    Das ist eine Feststellung und jeder halbwegs in Mathematik gewanderter Mensch wird es zugeben.
    Was nutzt "Druck" wenn die Tube leer ist.
    Zumutbare Haushaltsdisziplin muss, darf und kann nur durch Kontrolle und nicht durch Kapitalentzug erreicht werden (hier die Betonung auf „zumutbare“).
    Bedingt durch den permanenten deutschen Leistungsbilanzüberschuss, ist der Euro für die meisten andere Länder überbewertet und erschwert diesen Ländern Exporte und bremst Importe nicht ab. Folge: Wirtschaftlicher Niedergang. Der führt dann zu geringeren Staatseinnahmen, die wiederum zu einer höheren Verschuldung, die wiederum zu höheren Zinsen für das Land und seine Wirtschaft.
    Niemand soll sagen, dass diese Dinge nicht absehbar gewesen seien - dass ist Ökonomie-Grundstudiums-Wissen.

  • Wenn die auf einem guten Weg sind, machen wir doch einfach mal 50% der zukünftigen Pensionszahlungen der Politiker die auch dieser Meinung sind bzw. die aktuellen Entscheidungen zu vertreten haben davon abhängig, ob Deutschland in der Zukunft in Anspruch genommen wird!
    Das wäre doch mal eine sinnvolle Haftung.

  • Man kann Schulden nicht mit neuen Schulden bekämpfen und vor allem ist es ist nicht Aufgabe der Steuerzahler, für Schulden und Verluste nicht systemrelevanter Banken zu haften.

    Unter www.stop-esm.org gegen den ESM eintragen ist die einzige Möglichkeit für uns Bürger im Moment. Es ist kostenlos!
    Es wäre schön, wenn die Teilnehmerzahl ähnlich der Schuldenuhr steigen würde.

  • Das alles ist unsere Sache. Nicht Sache der Italiener und der Spanier.
    Ich habe keine besondere Sympathien für Berlin und seinen OberHomo, aber man kann wohl davon ausgehen, daß in Frankreich, Italien und Spanien das Geld, was in der Provinz erarbeitet wird, in Paris, Rom und Madrid verballert wird.
    Wir möchten aber nicht, daß Deutsches Geld, und zwar kein Cent und kein Pfennig, ohne Gegenleistung an die Südlinge verschenkt wird, egal wie man es nennt: Tribut, Wiedergutmachung, Rettungsschirm, Bankenrettung, Entwicklungshilfe, Zurückentwicklungshilfe, Plünderung, Schutzgeld, EU, EFSF; ESM; EZB; etc.

  • Ich denke mal, dass Ihre Bemerkungen nicht wirklich fair sind. Zunächst mal ist Deutschland im Wesentlichen nur so hoch verschuldet, weil man hier die DDR "zurückgekauft hat". Das hat summa summarum schonam um die 2 Billonen Euronen gekostet. Im Gegensatz zu den so genannten Südländern,sind Löhne und Gehälter während der letzten 20 Jahre kaum gestiegen, im Gegenteil teilweise sogar gesunken. Bei uns wurde das Renteneintrittsalter frühzeitig erhöht, wie sieht es denn in den Südländern mit Reaktionen auf die demographische Entwicklung aus? - Zugegeben, die Mehrheit der Bevölkerung der Südländer hat die dortige Misswirtschaft nicht zu verantworten, aber die Bevölkerung in Deutschland schon gar nicht. - Ich erkläre mich solidarisch mit Not leidenden Bevölkerungsschichten (dazu zähle ich auch die beschämende Jugendarbeitslosigkeit) in Europa, jedoch nicht mit Bänkern, unfähigen Politikern und anderen parasitären Objekten. Auch zahle ich meine Steuern nicht dafür, dass es bestimmten Bevölkerungsschichten in anderen Ländern besser geht, als den vergleichbaren in Deutschland.

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