Anleiheauktion
Spanien und Frankreich verschaffen sich Geld

Spanien besorgt sich zwei Milliarden Euro von Investoren. Die Nachfrage kann sich zwar sehen lassen, scheint dem Land aber nur eine Atempause zu gewähren. Frankreichs Bonität sorgt für Wirbel.
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Düsseldorf/Frankfurt/MadridSpekulationen um eine unmittelbar bevorstehende Herabstufung Frankreichs haben am Donnerstag für Aufregung an den europäischen Anleihe- und Devisenmärkten gesorgt. Ein Ansturm auf die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen trieb den Bund-Future zeitweise auf ein Rekordhoch von 140,78 Punkten. Im Gegenzug fiel die Rendite der zehnjährigen Bundespapiere auf einen Tiefstwert von 1,601 Prozent. Gleichzeitig sackte der Euro auf bis zu 1,3068 Dollar ab.

Als Auslöser der Gerüchte nannten Börsianer eine Studie der Citigroup, der zufolge die Moody's eine derartige Entscheidung im kommenden Herbst fällen könnte. Die Ratingagentur hatte vor drei Tagen mitgeteilt, sie plane vorerst keine Änderung der Bonitätsbenotung Frankreichs. Das Land ist nach Deutschland die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Ein hochrangiger französischer Insider betonte, die Gerüchte seien unbegründet. Auch ranghohe Regierungskreise dementierten umgehend. Vor diesem Hintergrund legte sich Aufregung an den Finanzmärkten etwas. Am Nachmittag notierte der Bund-Future nur noch 29 Ticks im Plus bei 140,66 Punkten und der Euro erholte sich auf 1,3084 Dollar.

Wenige Tage vor der Präsidentenwahl konnte sich Frankreich am Markt trotzdem problemlos frisches Geld besorgen. Das Land verkaufte wie vom Finanzministerium erhofft Anleihen mittel- bis langfristiger Laufzeit im Gesamtvolumen von knapp acht Milliarden Euro. Dabei überstieg die Nachfrage das Angebot sogar um das dreifache. Im Falle Frankreichs müssen sich Investoren darauf einstellen, dass es nach den Präsidentschaftswahlen zu einer anderen Wirtschaftspolitik kommen könnte. Der Kandidat der Sozialisten, Francois Hollande, führt in den Umfragen vor dem amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy. „Aus Sicht des Marktes ist der Zeitpunkt der französischen Präsidentschaftswahlen nicht günstig“, sagte Nicholas Spiro von Spiro Sovereign Strategy in London. „Frankreich steht vor den größten innenpolitischen Herausforderungen in Bezug auf seine Haushalts- und Wirtschaftspolitik seit den frühen 1980er Jahren.“

Der weltgrößte Anleihehändler Pimco hat dagegen keine Bedenken zu Frankreich. „Wir glauben nicht, dass Frankreich ins Zentrum der Euro-Krise rutscht“, sagte Pimco-Chef El-Arian. Länder wie Frankreich hätten keine akuten Probleme, sollten über die Zeit aber Strukturreformen angehen, die Länder wie Deutschland bereits hinter sich hätten. „Dafür haben sie aber noch Zeit.“

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  • Für lächerliche 5% ein Risiko wie Spanien einzugehen ist verrückt. Ich als Privatmann würde so was nie kaufen!
    Dummerweise gibt es die EZB und institutionelle Anleger, die auf diese Art und Weise mangels Alternative unsere Renten und Lebensversicherungen verzocken (müssen).

  • ...Zweifel?? - Befürchtungen der schlimmsten Art wäre richtig!

  • Auch das "Manager Magazin" beteildigt sich an dieser billigen Propaganda.

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