Anleiheexperte im Interview: „Negativrenditen fressen sich immer weiter durch“

Anleiheexperte im Interview
„Negativrenditen fressen sich immer weiter durch“

Bei Union Investment ist Frank Engels Herr der „Rentner“. So werden die Experten für Anleihen genannt, da die Papiere eigentlich jährlich Zinsen abwerfen, die „Rente“. Doch mittlerweile heiße es häufig: Zinsen zahlen.

Frankfurt Union Investment ist die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland. Sie verwaltet allein von Privatanleger 113 Milliarden Euro. Frank Engels ist der Chef für die Anlage in Anleihen. Ein Ende des Minuszinsen ist für ihn noch nicht abzusehen. Das werde auch für Fonds negative Folgen haben.

Herr Engels, wird die EZB den Einlagenzins noch weiter senken?
Das steht zu befürchten. EZB-Vertreter haben zuletzt zunehmend betont, dass die fallenden Rohstoffpreise die kurz- und mittelfristigen Inflationserwartungen weiter haben sinken lassen. Da wird die EZB gegensteuern. Wir rechnen damit, dass der negative Einlagensatz um weitere 0,20 Prozentpunkte auf dann minus 0,5 Prozent gesenkt wird. Gleichzeitig könnte die EZB das monatliche Anleihekaufprogramm von derzeit 60 Milliarden um weitere 10 bis 15 Milliarden Euro aufstocken und die TLTRO genannte zweckgebundene Langfrist-Liquidität für Banken ausbauen.

Was heißt das für die Märkte?
Am Geldmarkt ist eine Senkung des Einlagenzinses bereits eingepreist. Ablesen lässt sich das auch an der negativen Rendite in Höhe von 0,57 Prozent für die zweijährige Bundesschatzanweisung. Trotzdem könnten die Renditen kurzfristig noch etwas weiter sinken.

Warum, wenn doch die Märkte weitere Maßnahmen bereits widerspiegeln?
Ich gehe davon aus, dass EZB-Chef Mario Draghi geschickt kommunizieren und die Markterwartungen noch weiter schüren wird. Das heißt, er könnte andeuten, dass noch weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen im Jahresverlauf folgen, sollte das aufgrund des Inflations- und Konjunkturausblicks nötig sein.

Was bedeutet das für Sie als Fondshaus?
Die Lage wird schwieriger. Wir sind ja schließlich dazu verpflichtet, das Vermögen unserer Kunden zu mehren. Wer aber Anleihen mit negativer Rendite kauft und bis zur Fälligkeit hält, macht damit garantiert einen Verlust. Und da die Renditen von immer mehr Anleihen in den Minus-Bereich rutschen, wird es zunehmend schwierig, der negativen Rendite auszuweichen.

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„Noch sieht man die Probleme nicht so sehr“

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