Anleihekäufe
China spielt den Retter für Portugal

Die chinesische Führung setzt ihre Charme-Offensive in den europäischen Krisenstaaten fort. Einem Zeitungsbericht zufolge will das Land portugiesische Anleihen im Wert von bis zu fünf Milliarden Euro kaufen. Für Portugal wäre die Unterstützung aus Fernost ein willkommener Vertrauensbeweis. Doch hinter der Freundlichkeit der Chinesen steckt knallhartes Kalkül.
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lud/HB LISSABON. Das hochverschuldete Portugal bekommt Unterstützung aus Fernost. Einem Zeitungsbericht zufolge ist die Volksrepublik bereit, portugiesische Anleihen im Volumen von vier bis fünf Milliarden Euro zu kaufen. Beide Regierungen hätten eine Einigung erzielt, wonach China die Papiere im ersten Quartal bei Auktionen oder am Sekundärmarkt erwerben wolle, berichtete die Zeitung "Jornal de Negocios" am Mittwoch, ohne Quellen zu nennen.

Portugal wirbt seit längerem um Unterstützung aus China. Der portugiesische Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos traf vergangene Woche den chinesischen Finanzminister Xie Xuren und den Chef der Zentralbank bei einem Besuch in China. Im November sicherte zudem Chinas Präsident Hu Jintao Portugal seine Hilfe zu, äußerte sich aber nicht dazu, ob auch Anleihen gekauft werden sollen.

Am Sekundärmarkt reagierten die Kurse portugiesischer Staatsanleihen zunächst nicht auf den Bericht. Die Rendite zehnjähriger portugiesischer Bonds stieg sogar leicht um vier Basispunkte auf 6,78 Prozent. Der Euro hingegen machte im Vergleich zum Dollar etwas Boden gut auf 1,3140 Dollar. Dies wurde unter anderem mit den Hoffnungen auf chinesische Unterstützung für die verschuldeten Euro-Staaten begründet.

China, das auf den größten Devisenreserven der Welt sitzt, ist in der europäischen Schuldenkrise schon mehrfach als Unterstützer aufgetreten. Das Land hat in den vergangenen Monaten spanische, griechische und portugiesiche Staatsanleihen gekauft und den Regierungen weitere finanzielle Hilfe zugesagt. Auch werden Pekings Offizielle nicht müde, das Interesse an Investitionen in Europa zu betonen. So wurden mit Griechenland in diesem Jahr bereits zahlreiche Kooperationsabkommen in den Bereichen Schifffahrt, Handel, Kultur und Tourismus vereinbart.

Portugal käme Hilfe aus China mehr als gelegen. Das Land kann zurzeit jede Unterstützung gebrauchen - auch, um das Vertrauen des Marktes in die Konsolidierungsfähigkeit der Regierung zu stärken. Am Dienstag hatte die Ratingagentur Moody's Portugal mit einer Ratingherabstufung gedroht. Vom fünfthöchsten Rating "A1" könne es um zwei Stufen abwärts gehen, hieß es. Die Agentur sorgt sich insbesondere um die Wachstumssaussichten des südwesteuropäischen Landes, das ein strenges Sparprogramm aufgelegt hat und von einigen bereits als Kandidat für den Euro-Rettungsschirm gehandelt wird. Als Risiko wurden zudem die hohen Kosten für die Kapitalbeschaffung genannt.

Ein großer Investor wie China, der bei den Anleiheemission aus strategischen Überlegungen bereit ist, auch etwas niedrigere Zinsen zu akzeptieren, würde Portugal die Geldaufnahme am Kapitalmarkt deutlich erleichtern.

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  • @[16] Leser,
    das Problem ließe sich durch eine gerechtere Arbeitsteilung lösen. in einer echter Gemeinschaft wird eben geteilt, das Gesetzte des Stärkeren, wie zur Zeit von Deutschland und Frankreich angewandt, sollte in einer Gemeinschaft keine Anwendung finden. Es gibt sonst keine Gemeinschaft, der permanente Exportüberschuss Deutschlands vernichtet in den anderen Euroländer Arbeitsplätze. Dadurch weniger Steuereinnahmen und Überschuldung. „Über seine Verhältnisse leben“ ist eine idiotische Parole, es geht darum das man nicht über seine bedürfnisse lebt, die bedürfnisse sind aber die gleiche für alle, für Griechen und Deutsche.

  • "China spielt den Retter für Portugal"
    Wie so nicht, wenn unsere "iron Maiden" nicht will, weill sonst National gesinnte Sie nicht wieder wählen würden. Logisch das das Vakuum irgend wie gefüllt wird. Das war doch voraus zu sehen!

  • Jetzt übertreibt mal nicht. China ist sicher kein Kätzchen das man unterschätzen sollte. Und sicher werden sie dann wahrscheinlich eine Gegenleistung dafür haben wollen. Aber hier gleich Weltuntergangsszenarien an die Wand zu malen. China will eben auch die Abhängigkeit vom Dollar brechen. Und ein Untergang des Euro hilft dabei nicht. Was aber stimmt, die EU hat nach außen sehr hohe importzölle die zumindest noch momentan die billig China-Konkurrenz in Schach halten. Und diese darf nicht fallen.
    Eher werden wir hier islamisiert als von China aus geführt. bzw. erst das eine dann das andere....wobei mir dann die Chinesen lieber sind...

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