Anleihekäufe
EZB geht auf Shopping-Tour

Die Europäische Zentralbank startet mit dem Kauf von Unternehmensanleihen. Bei welchen Papieren sie als erstes zugeschlagen hat – und was noch auf Draghis Einkaufsliste steht.
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FrankfurtJetzt geht’s los: Am Markt für Euro-Unternehmensanleihen betritt ein neuer Käufer mit tiefen Taschen die Bühne: Die Europäische Zentralbank (EZB). Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet unter Berufung auf Händler, dass die EZB Bonds der spanischen Telefónica, von Versorgern und des italienischen Versicherers Generali gekauft hat. Und das ist erst der Anfang. Im März hatten die Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi angekündigt, dass sie künftig regelmäßig auch Anleihen von Unternehmen kaufen werden.

Beim Umfang hält sich die EZB alle Türen offen. Viele Investoren rechnen mit monatlichen Käufen von drei bis fünf oder sogar von fünf bis zehn Milliarden Euro. Gerade zu Beginn könnten es jedoch auch deutlich weniger sein. Kaufen kann die EZB bis zu 70 Prozent der ausstehenden Anleihen von Unternehmen, denen mindestens eine Ratingagentur das Gütesiegel Investment-Grade für solide Bonität gibt. Unter den zehn europäischen Unternehmen mit den meisten ausstehenden Anleihen gehören dabei aus Deutschland VW, BMW, Daimler und die Deutsche Telekom. Auch Anleihen von Versicherern kommen für die EZB infrage.

Die Notenbanker können zudem Bonds von Unternehmen auf ihre Bilanz nehmen, die einige Ratingagenturen als wenig kreditwürdige Ramschanleihen einstufen. Zu den Unternehmen mit solchen „Split-Ratings“ gehören Fresenius und Fresenius Medical Care, Energias de Portual, Telecom Italia oder Remy Cointreau. Dazu kann die EZB auch bei Bonds von Unternehmen zuschlagen, die ihre Töchter im Euro-Raum haben und deren Kredite die EZB ohnehin schon als Sicherheit akzeptiert. Damit finden finden sich auch Anleihen von Unternehmen aus Großbritannien wie Vodafone oder Rolls Royce auf der Liste. Mögliche US-Unternehmen, deren Bonds die EZB kaufen könnte, sind der Baumaschinenhersteller Caterpillar oder Coca Cola.

Ihr im März 2015 gestartetes Anleihekaufprogramm, das vor allem auf Staatsanleihen abzielt, um 20 Milliarden auf 80 Milliarden Euro pro Monat erhöht. Mit dem Anleihekaufprogramm will sie die Kreditvergabe ankurbeln und Unternehmen so zu mehr Investitionen verleiten. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die Inflationsrate erhöhen, die zuletzt um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken ist. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von zwei Prozent an.

Die Aktivitäten der EZB haben die Renditen von Staatsbonds zuletzt erneut deutlich gedrückt. Dazu verunsichert die anstehende Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der EU die Investoren. Zudem ist mit den jüngsten Äußerungen von US-Notenbankchefin Janet Yellen eine Zinserhöhung im Juni in weitere Ferne gerückt. Das hat die Renditen von US-Staatsanleihen sinken lassen – und die von Bundesanleihen mit nach unten gezogen.

Wer bei deutschen Bundesanleihen noch positive Renditen haben will, wird erst bei einer Laufzeit von zehn Jahren fündig. Doch auch der im Markt viel beachteten zehnjährigen Bundesanleihe ist mit 0,04 Prozent auf einem neuen historischen Tief gefallen. Und selbst die Umlaufrendite – die durchschnittliche Rendite aller umlaufenden Bundesanleihen mit Laufzeit von drei bis gut 30 Jahren – ist mit minus 0,01 Prozent leicht in den negativen Bereich gerutscht.

Auch die Kurse von Unternehmensanleihen sind deutlich gestiegen und ihre Renditen im Gegenzug abgerutscht. Nach Berechnungen der Ratingagentur Fitch rentieren europäische Firmenbonds im Umfang von mehr als 20 Milliarden Euro im Minus. Bevor die EZB die Käufe von Unternehmensanleihen vor rund drei Monaten ankündigte waren es weniger als eine Milliarde Euro. Die durchschnittliche Rendite für Anleihen von Unternehmen mit guter Bonität („Investment-Grade“) ist seither von 1,3 auf unter ein Prozent gefallen.

In der nächsten Woche wollen die Notenbanker das Volumen der Firmenbonds angeben, bei denen sie zugeschlagen haben. Offizielle Angaben dazu welche Unternehmensanleihen gekauft wurden macht die EZB erst am 18. Juli.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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  • Die Briten werden die EU bald verlassen, uns in Deutschland ist dies Glück leider verwehrt; wir müssen zusehen wie Draghi Amok läuft, unsere Altervorsorge pulverisiert wird und die fürstlich entlohnten Beamten in Brüssel (wenn sie denn einmal am Arbeitsplatz sind) nur Gesetze verabschieden, die den Winkel von Salatgurken regeln; wenn Adenauer dies mitbekommen würde.

    Statt CDU zu wählen, überlegen sich in 2017 noch mehr Bürger, lieber gleich das Original zu wählen, die AfD.

  • Es sollte heißen: @ Moritz J. Mueller

  • @ Moritz J. Hoffmann
    Das ist kein Kapitalismus - in einer wirklich freien Marktwirtschaft kann u.a. JEDE Bank pleite gehen - es gäbe keine Bankenrettungen durch die Politik, da die Macht des Staates auf ein absolutes Minimum beschränkt wäre.
    Tatsächlich ist das GELDSOZIALISMUS, und heute haben wir genau das Zentralbank(un)wesen, das im Kommunistischen Manifest von Marx / Engels angestrebt wurde(!!!):
    >>" Centralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol."<<
    https://de.wikisource.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei_%281848%29

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