Anleihekaufprogramm
EZB läuft auf vollen Touren

Die Europäische Zentralbank zieht ihre Ankündigung durch. In den Sommermonaten kauft sie mehr Anleihen als die eigentlich vorgesehenen 60 Milliarden Euro pro Monat. Das Spektrum der möglichen Kaufobjekte hat sie erhöht.
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Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), in den Sommermonaten mehr Anleihen als eigentlich angekündigt zu kaufen, hatte im Mai für heftige Aufregung gesorgt. Bei einem Dinner mit Hedgefonds-Vertretern hatte EZB-Direktor Bernoit Coeure angekündigt, dass im Mai und Juni mehr Käufe als in übrigen Monaten erfolgen würden. Denn von Mitte Juli bis August falle der Anleihehandel meist schwächer aus.

Die Information an eine breite Öffentlichkeit erfolgte aber erst am folgenden Morgen – und der Euro-Kurs bekam einen deutlichen Knick. Marktteilnehmer hatten eine transparente Kommunikation an alle Interessierten erwartet.

Am Montag teilte die EZB jetzt mit, Coeures Ankündigung auch im Juni in die Tat umgesetzt zu haben. Sie kaufte im Juni für 63,2 Milliarden Euro Anleihen – statt der eigentlich vorgesehenen 60 Milliarden Euro. Bereits im Mai hatte das Kaufprogramm die runde Zahl um etwa fünf Prozent überschritten, als die Bank für 63,1 Milliarden Euro zuschlug.

Auf der Einkaufsliste können europäische Staatsanleihen und Titel von staatlichen Finanzinstituten stehen. Für 51,4 Milliarden Euro kaufte die EZB im Juni Staatsanleihen und Papiere von Staatsagenturen, für 10,2 Milliarden Euro Pfandbriefe und für 1,59 Milliarden Euro Verbriefungen. Eine genauere Aufschlüsselung der Käufe nimmt die EZB nicht vor.

Ende vergangener Woche hatte die Zentralbank zudem den Kreis der möglichen Papiere erweitert, die sie kaufen kann. Erstmals können jetzt auch Unternehmensanleihen etwa vom italienischen Energieversorger Enel dazugehören. Die Notenbanker begründeten die Erweiterung des Einkaufszettels damit, dass es sich um Infrastruktur-Finanzierer handele. Marktbeobachter kritisierten aber, dass die EZB davor stehe, sich auch am Markt für Unternehmensanleihen zu engagieren – die Grenze zwischen den verschiedenen Anlageklassen scheint ihnen nicht deutlich genug gezogen.

Kommentare zu " Anleihekaufprogramm: EZB läuft auf vollen Touren"

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  • es werden mehr Anleihen gekauft als geplant wo es doch mal hieß, dass keiner verkaufen will? vielen Dank dafür, dass der Finanzgau nun schneller kommt, dann müsst ihr nicht mehr so Lügen.

  • Wieso erstattet nicht endlich mal eine Partei Strafanzeige wegen Konkursverschleppung oder Veruntreuung von Steuergeldern?

  • Ich laufe jetzt auch volle Toure in die Eisdiele

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