Anleihemärkte
Entspannung in europäischen Krisenländern

Von einem heißen Herbst ist in der Euro-Zone bislang nichts zu spüren, im Gegenteil: Portugal und Spanien konnten günstig Geld am Kapitalmarkt aufnehmen und das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung steigt.
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Madrid/Lissabon/FrankfurtLangsam aber sicher scheint es für die europäischen Schuldenländer aufwärts zu gehen. Portugal hat am Mittwoch erfolgreich einen weiteren Testlauf für seine Rückkehr an die Kapitalmärkte absolviert, Spanien hatte schon am Vortag rund 4,6 Milliarden Euro Anleihen am Kapitalmarkt platziert und der Euro behauptet sich gegenüber dem Dollar.

Ob der Aufwärtstrend von Dauer sein wird, ist ungewiss, denn er dürfte auch stark von dem jüngst verkündeten Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) gestützt sein. Trotzdem ist insbesondere Portugals Auktion kurzfristiger Staatsanleihen ein Zeichen dafür, dass die Anleger wieder Vertrauen in das von der Euro-Krise geplagte Land setzen.

Bei Auktionen von Schuldtiteln mit sechsmonatiger und anderthalbjähriger Laufzeit nahm Portugal am Mittwoch zwei Milliarden Euro Kapital auf. Damit übertraf es das selbst gesteckte Ziel von 1,75 Milliarden Euro klar. Auch die Renditen waren niedriger als zuletzt. Für die 18-Monatspapiere wurden 2,9 Prozent Zinsen fällig, im April waren es noch 4,5 Prozent. Die sechsmonatigen Geldmarktpapiere rentierten mit 1,7 Prozent, im Juli lagen sie noch bei 2,2 Prozent. Die Nachfrage nach den 18-Monatsanleihen sei doppelt so hoch gewesen wie das Angebot, teilte das portugiesische Schatzamt mit, die sechsmonatigen waren sogar dreifach überzeichnet.

Der portugiesische Finanzminister Vito Gaspar hat sich erfreut über die relativ niedrigen Zinsen geäußert. Zugleich stellte Gaspar bei einer Rede am Mittwoch in Berlin die Fortschritte Portugals auf dem Weg zurück zu gesunden Staatsfinanzen heraus. Der Minister sprach vor der Bertelsmann-Stiftung von "enormen Verbesserungen", die sich in den aktuell vom Markt verlangten Zinsen ausdrückten. Die Renditen seien inzwischen auf einem mit dem Nachbarn Spanien vergleichbaren Niveau, was ein großer Erfolg sei.

Gleichwohl forderte Gaspar Geduld bei der weiteren Sanierung des Haushalts ein: "Die Rückgewinnung des Zugangs zum Finanzmarkt ist ein Prozess." Dieser Zugang werde nicht in einem dramatischen Schritt zurückgewonnen, sondern Schritt für Schritt. Portugal habe damit aber bereits begonnen. Mit dem Auslaufen des aktuellen Hilfsprogramms 2014 werde das Land in der Lage sein, sich ganz normal über den Markt zu finanzieren. Zudem forderte Gaspar für Europa, dass die Verbindung zwischen Staatsschulden und Bankenschulden gekappt werden müsse.

Das Hilfspaket von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds über 78 Milliarden Euro macht Portugal bis September 2013 weitgehend unabhängig von der Finanzierung über den Kapitalmarkt. Mit vereinzelten Anleihe-Emissionen versucht das Land jedoch, Tuchfühlung zu den Investoren zu halten und den Boden für die vollständige Rückkehr an den Markt zu bereiten.

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Für den Euro geht es aufwärts

Kommentare zu " Anleihemärkte: Entspannung in europäischen Krisenländern"

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  • 'hagadi'
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    Seltsame Logik.
    Weil die Schuldenländer sich durch günstige Anleihezinsen immer höher verschulden
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    Durch die niedrigeren Zinsen sinken ceteris paribus die Ausgaben, somit die Haushaltsdefizite und die Neuverschuldung.

    Die "Seltsamkeit" bleibt Ihrer Logik vorbehalten.

  • Seltsame Logik.
    Weil die Schuldenländer sich durch günstige Anleihezinsen immer höher verschulden bis sie bald allein an der Zinslast ersticken, enstspannt sich der Markt und das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung wächst.
    Wem soll denn der Knopf an die Backe genäht werden?

  • 'Gast' sagt
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    Manchmal denk ich wirklich, dass die hälfte de HB Foristen alte Stasis (jetzt beschäfigungslos) sind, die nix anderes zu tun haben als jede wirtschaftliche Tätigkeit zu kritisieren, jede gute Zahl kaputzureden, "die erhebung des Volkes gegen Politik und Hochfinanz" (O-ton Schreibtischrevoluzzer Berwanger) schon herbeisehen.

    Manchmal krieg ich nen Hals, meistens kringel ich mich vor Lachen.
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    Ebenso!

    Der unfreiwillige Humor ist immer noch der beste.

    Nicht wahr, 'wutbayer', 'Karstenberwanger' und 'Rainer_J'?

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