Anleihemärkte „Unbedingt raus – um jeden Preis“

Auf den Anleihemärkten in der Euro-Zone geht es in diesen Tagen so turbulent zu wie noch nie. Gnadenlos testen Investoren ein Land nach dem anderen. Brave Pensionsfonds und gierige Hedge-Fonds sind sich einig: Viele Euro-Staatsanleihen stehen vor schwierigen Zeiten.
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Die Märkte im Stresstest: Investoren testen ein Land nach dem anderen. Quelle: dpa

Die Märkte im Stresstest: Investoren testen ein Land nach dem anderen.

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HB. Wenn Oliver Eichmann sich Hoffnung machen will, lässt er sich eine Kurve auf die Bildschirme projizieren. Sie zeigt die Entwicklung internationaler Bankenwerte zwischen dem Zusammenbruch der Lehman-Bank im September 2008 und dem Frühsommer 2009. Es ist eine Kurve wie ein spitzes V. "Da", Eichmann zeigt auf einen Zeitraum zwischen April und Mai 2009, "hat Josef Ackermann zum ersten Mal wieder positive Geschäftszahlen der Deutschen Bank verkündet."

Fortan steigt die Kurve aller Banken steil an. Auf eine ähnlich positive Nachricht hofft Eichmann jetzt für sein Geschäft. Er ist Direktor für den Handel mit Euro-Staatsanleihen bei der Deutschen-Bank-Tochter DWS. Positive Nachrichten sind für ihn in diesen Tagen selten. Eichmann wendet sich kurz von den Bildschirmen ab und stöhnt: "Die Beschleunigung des Geschäfts in den vergangenen Wochen war enorm."

Allerdings beschleunigt der Markt in die falsche Richtung. Es sind nicht so sehr die üblich verdächtigen Hedge-Fonds und Spekulanten, die sich von den Anleihen verabschieden, es sind vor allem Pensionsfonds, Privatanleger, Banken und Versicherungen. All jene, die über Jahrzehnte dachten, wer Europas Staaten Geld leihe, verliere nie sein Geld. Jetzt ist es Zeit, einige dieser Grundannahmen zu überdenken.

Ob in Frankfurt, Zürich, Paris, London, New York oder Singapur: Investoren zweifeln an den Antworten, die die Euro-Staaten auf die Bekämpfung ihrer hohen Staatsverschuldung gegeben haben. "Es findet eine strategische Umverteilung der Investments statt", sagt ein hochrangiger Marktteilnehmer.

Oliver Eichmann erlebt das in Frankfurt derzeit jeden Tag. Auf seinem Bildschirm blinken Zahlenreihen. Sie spiegeln das Risiko wider, mit dem Investoren einzelne Euro-Länder bewerten. Grüne Zahlen bedeuten - vereinfacht - kein Risiko, rote Zahlen bedeuten Risiko. Griechenland und Irland sind an diesem Morgen komplett rot, Spanien und Portugal so gut wie, Italien auch. Belgien rötet sich langsam, und erste rote Zahlen blinken bei Österreich.

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8 Kommentare zu "Anleihemärkte: „Unbedingt raus – um jeden Preis“"

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  • europroblem mir scheint deutsche wirtschaft für die meisten eu staaten zu stark .euro daher überfordert.im interesse der meisten anderen sollte daher deutschland aus eu währung austreten.die dann neue (dm??)würde aufwerten ,dadurch zulasten deutschlands die probleme deranderen staaten mindern.

  • @[4] Manfred
    unter den Gläubiger sind auch viele Rentner, oft ehemalige selbständige, die ihr Erspartes in Fond angelegt haben. Wenn man die banken bestrafen will muss man eine andere Lösung finden als der so gerne von deutscher Seite geforderte Gläubigerverzicht.

  • @[2] corneliaschmidke,
    erstaulich gut beobachtet!

  • @[1] Ondoron,

    Deutschland ist seit langem schon nicht mehr in der Lage seine Schulden zurück zu zahlen. Ohne neue Kreditaufnahme könnte Deutschland die fällige Anleihen nicht bedienen, und das wird in absehbarer Zukunft so bleiben. Nur weil die Gläubiger ihr Erspartes nicht zurück verlangen ist es noch nicht aufgefallen. Dabei ist es irrelevant ob die Schulden 80% des biP oder 110% des biP betragen. in beiden Fällen ist eine Rückzahlung der Schulden unmöglich. Sollten einige Länder zahlungsunfähig werden, würden die Gläubiger ihr in Deutschland angelegtes Geld benötigen und abziehen. Nach dem Dominoprinzip. Das echte Problem der Eurozone ist der nationale Egoismus der Einzelstaaten, da liegt Deutschland weit vorne mit Frankreich.

  • Zitat: "Eichmanns Arbeitgeber verwaltet die Gelder von Privatanlegern. Sie wollen Rendite, vor allem aber auch Sicherheit."

    ich übersetze mal: Die lieben Anleger wollen ein garantiertes und sicheres Einkommen, ohne eine Gegenleistung zu erbringen.

    So lange dieses Denken sich nicht ändert, wird es immer wieder Finanzkrisen geben.

    Grüße von Manfred

  • Das was wir jetzt erleben ist doch nur die Rechnung für die Party der letzten Jahre. Allerdings durften hieran nicht alle teilnehmen und manche haben sich eben besoffen. Manche sind auch immer noch nicht klar im Kopf!
    Wir sollten aber darüber nachdenken, ob wir unseren Verantwortlichen (Politikern) noch einmal soviel Macht in die Hand geben, um so eine Scheisse zu bauen. Gelernt haben sie offensichtlich nichts.
    Mahlzeit

  • Ja was glaubt den mein Vorredner.Der Euro und das Schengener Abkommen wurden doch nur eingeführt um einen großen Absatzmarkt für die führenden Wirtschaftsnationen zu haben.Schwachwährungsländer bekamen so eine harte Währung in die Hand und verteuerten gleichzeitig ihre Lohnstückkosten.Ein ganz einfaches beispiel,was wäre denn wenn jeder EU-Staat so viele Autofirmen hätte wie Deutschland und Frankreich.Eine Überproduktionskrise wäre die Folge.deshalb gibt es immer Geber- und Nehmerländer.Darum sollte man nicht immer auf die banken schimpfen,diese haben den Aufschwung schließlich finanziert.bankenabgabe,Finanztransaktionssteuer oder so ein Quatsch,zahlt den VW die Abfrackprämie zurück ?

  • Ja, was bedeutet das nun? Es ist doch einfacher, als man denkt: Der Markt weiss, dass die betreffenden Staaten pleite sind. Und dass die Refinanzierung, wenn sie nicht durch den Steuerzahler beglaubigt wird, am Markt aussichtslos ist. Von wegen Spekulanten gegen den Euro. Das Über-die-Verhältnisse-leben der europäischen Staaten ist das Problem; der Transfer in die PiiGS des deutschen Gelds hat schon stattgefunden, nämlich durch die banken. Und jetzt merken die Märkte, dass es politisch in Deutschland womöglich Schwierigkeiten gibt dauerhaft durchzusetzen, dass der deutsche Michel auf immer und ewig in die bresche springt. Und natürlich wissen die Märkte auch, dass Deutschland das gar nicht kann, weil selbst hoch verschuldet! Der Markt kennt die Spirale, die zum Auseinanderfallen der Eurozone führen wird: Wenn der Last Lender (hier nämlich Deutschland) seine Staatsschulden mit den Schulden der Südeuropäer auflädt, dann ist Deutschland selbst bankrott. Mit Spekulation hat das nichts zu tun. Der Markt kennt nur kein politisches Wünsch-Dir-was!

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