Anleihemarkt Die Rückkehr Europas

Die Lage an den Märkten hat sich entspannt. Italien, Spanien oder Portugal zahlen so niedrige Zinsen wie seit Jahren nicht mehr. Die Euro-Retter erklären die Krise schon für beendet. Doch die Jubelmeldungen kommen zu früh.
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Broker am Telefon - während der Auktion portugiesischer Staatsanleihen im Januar. Quelle: AFP

Broker am Telefon - während der Auktion portugiesischer Staatsanleihen im Januar.

(Foto: AFP)

DüsseldorfDeutschland und Italien sind sich so nah lange nicht mehr – nicht unbedingt politisch, aber im Ansehen bei Investoren. Der Zins, den die Italiener am Kapitalmarkt für ihre Schulden zahlen müssen, ist in den vergangenen Wochen gesunken. Er liegt so niedrig wie zuletzt vor acht Jahren – gleichzeitig fällt der Risikoaufschlag von italienischen Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen deutlich geringer aus. Italien muss für seine Anleihen „nur“ knapp zwei Prozentpunkte mehr bieten als Deutschland. Das war lange Zeit anders.

Auch andere Krisenstaaten wie Portugal, Spanien oder Irland sind bei Investoren wieder begehrt. Die Anleiherenditen sind deutlich gesunken. Selbst Griechenland hofft auf eine Rückkehr an den Kapitalmarkt. Heißt das, dass die Euro-Krise überstanden ist? So möchten es die Politik gerne deuten. Vor wenigen Tagen erklärte EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso in London, die existenzielle Krise sei vorüber. Er habe den Eindruck, dass Deutschland in der Zukunft einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden zustimmen werde.

Auf den ersten Blick scheint sich die Lage tatsächlich entspannt zu haben: Nach einer Umfrage des Datenanbieters Bloomberg sind die meisten Finanzexperten der Meinung, die Euro-Zone habe das Schlimmste überstanden. 57 Prozent der knapp 500 befragten Investoren, Analysten und Händler gehen davon aus, dass sich die Lage an den europäischen Anleihemärkten nicht weiter verschlechtern wird. Es ist das erste Mal seit zwei Jahren, dass eine Mehrheit der Befragten ein Ende des Ausverkaufs sieht.

Sogar die viel gescholtenen Ratingagenturen scheinen Europa wieder wohlwollender zu beurteilen: Moody's stellte Italien gerade erst eine Heraufstufung in Aussicht. Die Bonitätswächter hoben den Ausblick „negativ“ auf „stabil“ an, auch wenn die Note für die Kreditwürdigkeit zunächst bei „Baa2“ blieb. Das südeuropäische Land habe finanzielle Stärke bewiesen, hieß es in einem Kommentar von Moody's am vergangenen Freitag.

Dass am selben Tag die italienische Regierung unter Enrico Letta zerbrach, störte die Investoren überhaupt nicht. Die Kurse der zehnjährigen italienischen Papiere legten zu, entsprechend fiel die Rendite. Sie lag zuletzt nur noch bei 3,61 Prozent. Der Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen fiel auf 192 Basispunkte. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag die Rendite italienischer Papiere bei 4,5 Prozent, der Risikoaufschlag bei 266 Basispunkten.

Ministerpräsident Letta hatte nach einem wochenlangen Machtkampf mit dem Chef der Demokratischen Partei, Matteo Renzi, seinen Rücktritt erklärt. Renzi arbeitet nun an der Bildung einer neuen Regierung. „Der Konsens ist, dass eine Regierung unter Renzi die Möglichkeit wie auch den Willen haben wird, Reformen vom Parlament absegnen zu lassen“, kommentiert Chris Clark, Stratege beim Londoner Finanzkonzern ICAP.

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50 Kommentare zu "Anleihemarkt: Die Rückkehr Europas"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die EU ist Europa. Leben Sie damit!

  • Jo. Und die Türkei Boomt. lol.

  • So werden Kosten gespart. http://goo.gl/E7Egse Mit sofortiger Wirkung hat der griechische Gesundheitsminister Adonis Georgiadis sämtliche Polikliniken des Landes geschlossen

  • Das ist doch Blödsinn. Hier treibt keiner irgendwen in den Abgrund.
    Nur haben wir alle in der WU die falsche Währung.
    Für die Griechen, die Italiener, die Spanier, die Portugiesen usw., ja sogar für die Franzosen ist der Euro viel zu stark.
    Und für uns in Deutschland ist der Euro viel zu schwach, weshalb wir auch exportieren wie blöd, womit wir dann den anderen Volkswirtschaften schaden.
    Dieser Euro ist eben einfach komplett verkehrt, er hätte nie eingeführt werden dürfen.
    Jeder muss sich in dieser verrückten Währungsunion ganz genau so verhalten, wie es seiner wirtschaftlichen Situation entspricht. Das ist ein Zwang, dem keiner der Euro-Länder entkommen kann. Die Griechen können mit dem Euro nicht plötzlich mehr exportieren und die Deutschen nicht plötzlich weniger - würden sie es dennoch tun, hätten sie zusätzlich zu den per Haftung und Bürgschaft übernommenen Schulden anderer Länder auch noch mit mehr Arbeitslosigkeit und steigenden Preisen zu tun. Denn weniger Export bedeutet weniger Produktion und weniger Produktion sind weniger Arbeitsplätze.
    Nur eine eigene Währung für alle Länder der EU könnte das ausgleichen, was uns in den Volkswirtschaften unterscheidet. Die Griechen könnten wieder Löhne bezahlen, von denen die Leute leben können - dafür wären alle Exportartikel teurer, was die eigene Produktion anregen dürfte. Und die Deutschen würden wegen der starken Währung weniger exportieren und damit andere Volkswirtschaften schonen, dafür aber alle Importartikel preiswerter bekommen. Und sie könnten auch bessere Löhne zahlen.
    Also: nix wie raus aus dem Euro. Entweder die Schuldenländer oder wir.

  • Was denn!? Die Krise ist vorbei, nur weil sich jetzt “Investoren” - besser gesagt “Zocker”, denn sie investieren ja nicht wirklich in eine Produktion von irgendetwas - also nur weil sich die Zocker jetzt wieder am europäischen Finanzmarkt zeigen und zugreifen???

    ★ Und was ist mit der enormen Verschuldung?
    ★ Was ist mit der Wettbewerbsfähigkeit der Schuldenländer? Hat die sich vielleicht verbessert?
    ★ Was ist mit den überfälligen Reformen?

    Wenn man nach diesem Artikel geht, könnte man ja glatt glauben, die Krise sei ausgelöst worden, weil die Zocker nicht mehr kaufen wollten.
    Man merkt, die EU-Wahl steht bevor und es muss wieder gelogen werden, dass sich die Balken biegen.
    Frieder, Freude, Eierkuchen.
    Frei nach Nahles-Langstrumpf: “Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt!”

  • DANKE!

  • Durchhaltepropganda.

  • Ich finde diesen Artikel interessant.
    Weil deutlich wird, in welchem Umfang die Lobpreisungen der EU Kommissare umgesetzt werden sollen.


    Besonders interessant ist der Schußabsatz. Hier wird ersichtlich, wohin der Weg gehen soll:

    Wenn es nach Manuel Barroso geht, kommt es in Zukunft möglicherweise gar nicht mehr so sehr auf die EZB an. Barroso brachte jüngst bei seiner Londoner Rede eine andere „Lösung“ ins Spiel: Er habe den Eindruck, dass Deutschland in der Zukunft einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden zustimmen werde.

    Wieviel von seinen Träumen wird Realität werden?

    Schönen Tag noch.

  • Nein mir sind die 500 Mio. Menschen nicht egal.
    Im Durchschnitt könnte jeder von Ihnen -26.000€ pro Jahr haben.
    Wenn wir jetzt noch Kinder und Arbeitslose abziehen dann passt
    die Zahl ungefähr.

    Was ich damit sagen will ist dass wir in Europa mehr Leute sind
    als in den USA und alleine dadurch mehr Geld in Bewegung
    bringen können. Und je mehr wir bewegen je grösser ist die
    Chance für jeden Einzelnen von den Kapitalströmen zu profitieren.
    Wir haben ausserdem noch ziemlich grosse
    Sozialsysteme dafür geben wir immerhin das meiste Geld aus.

    Man muss sich heutzutage schon gewaltig was überlegen wenn man
    ordentlich Geld verdienen möchte immerhin steht man in
    Konkurenz zu rund 7 Mrd. Anderen.

    Problematisch sind die jenigen die von ihrer Arbeit nicht leben
    können denn die sind nur subventionierte Arbeitskräfte für
    die Wirtschaft in den Staatskassen ist das eine Milchmädchen-
    rechnung. Leider gibt es in der BRD davon sehr viele Leute.

    Man rettet ja auch nicht wirklich den Euro sondern einfach nur
    andere Länder in Europa würde man dass nicht machen hätten wir
    deutlich mehr Probleme im Zweifel Völkerwanderungen.

    Der Länderfinanzausgleich in Europa sollte vielleicht noch etwas
    stärker ausgebaut werden.

    Und ja die Zinsen für Schulden sind nunmal das Mass aller Dinge
    es ist komplett egal ob sie wirklich bezahlt werden können
    oder nicht hauptsache man zahlt die Zinsen dadrauf.

    Im Zweifel einen Schuldenschnitt oder ne Währungsreform machen.
    Viele Käufer von Staatsanleihen spekulieren doch dadrauf
    das die Länder garnicht zurück zahlen können.

    Wichtig ist auch immer nur das relative Verhältnis in Prozent
    (zum Vorjahr usw.) der absolute Betrag ist im Grunde egal
    wenn man schon von Wertschöpfung redet.

    Interessanter sind eh die Wertschöpfungsketten und wie sie sich
    global verteilen. (Währungsvolalitäten usw.)

  • Endlich stellt das einer mal klar! Das ist mir auch schon ein Dorn im Auge, dass jegliche Kritik mit EUROPA (also einschliesslich Russland!) gegolten wird. Halten wir fest: Es betrifft immer nur diesen EU-Apparat!

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