Anleihemarkt
EZB-Tender beruhigt Anleihe-Anleger kaum

Anleger bezweifeln, dass die Geschäftsbanken mit dem frischen Geld aus dem EZB-Tender Bonds der Euro-Peripheriestaaten kaufen werden. Deswegen suchten viele den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen.
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FrankfurtDie Freude über den warmen Geldregen der Europäischen Zentralbank (EZB) ist am Mittwoch schnell der Ernüchterung gewichen. Aufgrund nachlassender Hoffnungen, dass das frische Geld zum Kauf von Bonds der Euro-Peripheriestaaten genutzt wird, nahmen viele Anleger wieder Kurs auf den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen. Die Geschäftsbanken der Euro-Zone liehen sich für drei Jahre 489 Milliarden Euro von der EZB.

„Angesichts der strengen Überprüfung des Anleihe-Engagements der Banken bezweifeln wir, dass das Geld für Bond-Käufe ausgegeben wird“, schrieb RBS-Analyst Nick Matthews in einem Kommentar. Ein anderer Börsianer äußerte sich ähnlich: Offenbar zögen Investoren einen kleinen, aber sicheren Gewinn einem größeren, aber mit Risiken behafteten vor. Daher steckten sie ihr Geld in Bundesanleihen.

Nach Bekanntgabe des Tenders endete vorerst die seit einigen Tagen zu beobachtende Kurs-Erholung der zehnjährigen italienischen und spanischen Papiere. Die Renditen zogen auf 6,862 beziehungsweise 5,295 Prozent an. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, legte 50 Ticks auf 138 Punkte zu. Die Ernüchterung der Investoren bekam auch der Euro zu spüren. Er kostete mit 1,3040 Dollar rund einen halben US-Cent weniger als zum New Yorker Vortagesschluss.

Christian Schulz, Volkswirt der Berenberg Bank, sah dennoch Chancen für einen Anstieg der Nachfrage nach Peripherie-Bonds. „Dies ist eine Einladung zum Kauf vor allem für kleinere, nicht börsennotierte Banken, die nicht den Stresstests der europäischen Bankenaufsicht EBA unterliegen. Für größere, börsennotierte Banken, denen im kommenden Jahr ein neuer Stresstest bevorsteht, ist die Motivation eher gering. Denn sie fürchten, dass die EBA für Peripherie-Bonds höhere Eigenkapitalquoten verlangen wird.“

Für Chris Wheeler, Analyst beim Devisen-Spezialisten Caxton FX, vereint der Mega-Tender der EZB Licht und Schatten: Er verringere zwar die Verspannungen am Geldmarkt, wo sich die Banken untereinander immer weniger Geld leihen. „Aber es unterstreicht auch den Ernst der Lagen in der Euro-Zone“, betonte er. „Dem Markt bleibt wieder einmal nur die Erkenntnis, dass die Vertreter der EU die Symptome und nicht die Ursache der aktuellen Schuldenkrise behandeln. 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Unsummen sind über Brüssel an diese Firmen geflossen und jetzt geht eine deitsche Solarfirma nach der anderen Pleite, vor kurzem Solon und jetzt Solar Millenium:
    Solar Millennium beantragt Insolvenzverfahren
    Der wirtschaftlich angeschlagene Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch in Erlangen mit.

    Warum hat sich damals kein deutsch-nationaler aufgeregt über die Verschwendung von Steuergelder durch Brüssel?

  • @ VMC,
    übrigens, die "deutsche arbeitende Bevölkerung" gehört auch zum Euroraum und sie wird genauso durch die Kapitalflucht ins Nichteuroausland benachteiligt wie die Bevölkerung aus anderen Euro-Ländern, wenn auch weniger. Es gibt dank oder wegen des Exportüberschuss wenige Arbeitslose in Deutschland. Die deutsche Arbeitslosigkeit wird gleich mitexportiert.
    Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Portugal 40%, Italien 28%, von Griechenland ganz zu schweigen.

  • @ VMC,
    für Teil davon ist es richtig.
    Aber der Leistungsbilanzüberschuss von 15 Milliarden im Monat beweist es, der größte Teil davon kommt aus dem Euroraum als Gewinn, zuerst nach Deutschland über den Export, dann durch die Investitionen ins Nichteuroland, als Auslandsvermögen der Deutschen (wie es so schön heißt, kein Witz!).
    Holen wir uns das zurück was uns gehört.
    Gib Caesar was Caesar gehört.

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