Anleihemarkt: Firmen locken mit Bonds

Anleihemarkt
Firmen locken mit Bonds

Unternehmen entdecken den Kleinanleger. Weil sich viele Profi-Investoren die Finger mit Anleihen verbrannt haben, kommen jetzt wieder private Anleger und Sparer ins Spiel, die ihr Geld gewinnbringend anlegen wollen. Ein Trend, der sogar die Kurse stabilisieren könnte.

FRANKFURT. In Zeiten der Finanzkrise, in der sich viele institutionelle Investoren die Finger mit Unternehmensanleihen verbrannt haben, entdecken Konzerne die Privatanleger wieder. Die Hälfte des Januar-Rekordvolumens von knapp 30 Mrd. Euro an neuen Unternehmensanleihen hatte eine Mindeststückelung von nur 1 000 Euro. Das macht die Bonds auch für Kleinanleger erschwinglich. Damit könnte sich der seit 2005 anhaltende Trend umdrehen, wonach Unternehmen ihre Bonds mit Mindestanlagesummen von 50 000 Euro fast ausschließlich an institutionelle Investoren richten.

Der Grund für die Ausrichtung auf Profi-Anleger lag darin, dass die Europäische Union Mitte 2005 die Anlegerschutzvorschriften für Wertpapiere, die an Privatanleger gehen, verschärft hatte. Die Konzerne umgingen dies, indem sie die höheren Mindestanlagesummen wählten und Kleinanleger damit weitgehend ausschlossen. 2005 hatten nach Berechnungen der Börse Stuttgart 92 Prozent aller Unternehmensanleihen eine Stückelung von 1 000 Euro, im vergangenen Jahr waren es nur noch 33 Prozent. Die Stuttgarter Börse ist der führende Handelsplatz für Anleihen.

Zu den Unternehmen, die erstmals seit Jahren wieder Privatanleger angesprochen haben, gehört der Autokonzern Daimler mit seinem fünfjährigen Bond über zwei Mrd. Euro. "Wir sehen eine große Nachfrage von Privatanlegern", sagt eine Sprecherin von Daimler. Der Mehraufwand mit Blick auf die Anlegerschutzvorschriften und die 1 000er-Stückelung habe sich für Daimler gelohnt.

"Wir empfehlen Unternehmen Anleihen in kleinen Stückelungen zu begeben, weil die Nachfrage der Privatanleger nach Bonds großer und bekannter Konzerne steigt", sagt auch Maik Laske, Leiter des Kapitalmarktgeschäfts im deutschsprachigen Raum bei der Société Générale. Banken würden hingegen zunehmend Anleihen ordern, um sie an Privatkunden weiter zu verkaufen. "Der Anteil der Privatkunden hat sich in den vergangenen sechs Monaten verdoppelt", bestätigt auch Guido Greim, der bei der Deutschen Bank institutionelle Anleiheinvestoren betreut.

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