Anleihemarkt ignoriert Inflationswarnungen
Rückgang der Kapitalmarktzinsen setzt sich fort

Die Kurse an den Anleihemärkten legten gestern weiter zu. Marktteilnehmer bezeichneten das vor dem Hintergrund von Inflationswarnungen der Notenbank als „überraschend“.

FRANKFURT/M. In Europa stieg der Dezember-Bund-Future bis zum Handelsschluss um 17 Basispunkte auf 121,58. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel weiter von 3,29 auf 3,26 Prozent. Beobachter sahen einen Grund in schwächeren Aktienkursen. Hierdurch sei vermehrt Geld in Anleihen geflossen. Auch eine Flucht in sichere Häfen vor Ankunft des Hurrikans „Wilma“ wurde als Erklärung genannt.

Man könne die jüngste Aufwärtsbewegung der Kurse als ein Indiz dafür sehen, dass Inflationsrisiken hinreichend in den Kursen vorweggenommen sind, sagte Ulrich Wortberg vom Helaba Trust. Weder die Aussicht auf weiter steigende Leitzinsen noch starke Konjunkturdaten hielten Anleger davon ab, ihr Geld in Anleihen zu investieren. Eurostat berichtete für August von einem Anstieg der Industrieproduktion in der Euro-Zone um 0,8 Prozent. Ökonomen hatten ein Minus von 0,1 Prozent erwartet. Positive ökonomische Daten schaden im Normalfall den Anleihen, weil Anleger dann eher Aktien bevorzugen. Außerdem erhöht sich bei einem starken Wirtschaftswachstum gewöhnlich das Zinsniveau. Das entwertet im Umlauf befindliche Rentenpapiere. Auch das stärker als erwartet ausgefallene Plus der Neubauvorhaben in den USA im September passte in das Konjunkturbild.

Doch entgegen allen Regeln stiegen die Kurse auch am US-Bondmarkt weiter. Im Gegenzug fiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen leicht von 4,48 auf 4,46 Prozent. Der am Abend veröffentlichte Konjunkturbericht der Fed („Beige Book“) brachte keinen wesentlichen Stimmungsumschwung. Dieser Bericht, der acht Mal während des Jahres im Vorfeld der Sitzungen des Offenmarktausschusses der Fed erscheint, sprach von einem mäßigen Wachstum der US–Wirtschaft. Analysten erklärten, einige Institutionelle seien vor kurzem auf die Käuferseite gegangen, als die Zehnjahresrendite die Marke von 4,5 Prozent überstieg. „Mittelfristig ist weiter Vorsicht angebracht“, hieß es jedoch bei HSBC Trinkaus & Burkhardt mit Blick auf mögliche weitere Leitzinserhöhungen. Die Bank of Canada hatte zuvor bereits ihren Leitzins auf jetzt 3,0 Prozent angehoben. Das dürfte dort noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. „Der Markt erwartet weitere Steigerungen auf 3,5 Prozent“, sagte Mark Chandler von der Scotiabank. Zehnjährige kanadische Staatsanleihen rentierten mit 4,07 nach zuvor 4,06 Prozent.

Am Markt für Neu-Emissionen brachte die Depfa Bank eine durch Vermögenswerte gesicherte zehnjährige Anleihe über eine Mrd. US-Dollar mit einem Renditeaufschlag von 44 Basispunkten auf zehnjährige US-Staatsanleihen. Die Rentenbank legte einen dreijährigen Bond über 15 Mrd. Yen auf. Die angekündigte Anleihe der Eurohypo über zwei Mrd. Euro kam mit einer um 11,6 Basispunkte über europäischen Staatsanleihen liegenden Rendite. Eine siebenjährige Anleihe im Volumen von 250 Mill. südafrikanischen Rand brachte die KfW. Zwei russische Unternehmen der Basisindustrie kündigten neue Bonds an. Aus Bankenkreisen war zu hören, dass der Stahlhersteller Evraz und der Aluminiumproduzent SUAL Dollaranleihen im Volumen von mindestens 500 bzw. 300 Millionen planen.

Am Abend wurde bekannt, dass Daimler-Chrysler eine durch Autokredite gesicherte Anleihe im Volumen von 700 Mill. Euro erwägt.

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