Anleihemarkt
Griechen-Angst überschattet Italiens Erfolg

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Italien muss 300 Milliarden Euro refinanzieren

Die Nachrichten aus Athen überschatten den Erfolg von Italien und Spanien am Kapitalmarkt. Händler sahen die Emissionen als Bestätigung des positiven Trends an den sogenannten Sekundärmärkten, wo bereits ausgegebene Anleihen gehandelt werden. Dort waren die Renditen zuletzt wieder gefallen, nachdem sie 2011 auf ein Niveau gestiegen waren, das Experten für langfristig nicht erträglich halten. „Die heutigen Auktionen sind sowohl hinsichtlich der Nachfrage als auch in Bezug auf die Finanzierungskosten extrem positiv zu bewerten“, kommentierten die Anleihe-Experten der Großbank UniCredit.

Aber nicht nur wegen Griechenlands ungelöster Haushaltsprobleme dürften Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Schuldenkrise verfrüht sein. Für das hoch verschuldete Italien war die Kapitalaufnahme erst der Auftakt: Das Land muss sich allein in diesem Jahr mehr als 300 Milliarden Euro frisches Geld beschaffen, um auslaufende Schulden zurückzahlen zu können.

Insgesamt nahm Italien die angepeilten zwölf Milliarden Euro durch die Ausgabe von Geldmarktpapieren auf - mit zum Teil mehr als zwei Prozentpunkten niedrigeren Zinsen als im Dezember. Die Refinanzierung ist damit so günstig wie seit gut einem halben Jahr nicht mehr. Derweil sammelte Spanien mit zehn Milliarden Euro sogar doppelt so viel ein wie geplant. Auch Madrid muss dafür erheblich weniger bezahlen als noch im Dezember. An der Börse lösten die erfolgreichen Anleiheauktionen Kursgewinne aus. „Die Wirkung der Eurokrise nimmt langsam ab“, sagte Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank.

Während Vertreter der 27 EU-Regierungen in Brüssel über den neuen Vertrag für mehr Haushaltsdisziplin in Eurozone und EU berieten, warnte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Kopenhagen vor einer Spaltung der EU. „Wir bedauern jede Entwicklung, die zu einer Spaltung Europas führen könnte. Das wäre sehr schädlich für unser gemeinsames Ziel“, sagte er. Der „Fiskalpakt“ soll im März unterzeichnet werden. Er sieht Verpflichtungen zum Einhalten von Defizit- und Schuldenobergrenzen vor. Großbritannien nimmt zwar an den Verhandlungen teil, wird aber nicht unterzeichnen. Auch in Tschechien regt sich Widerstand. Präsident Vaclav Klaus will ihn nicht unterschreiben, die Regierung verhält sich zweideutig.

Die EZB widerstand vorerst dem Ruf nach noch niedrigeren Zinsen im Euroraum und ließ den Leitzins auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent. Wegen der schwächelnden Konjunktur gibt es Forderungen, den wichtigsten Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft im Euroraum weiter zurückzunehmen und erstmals seit Einrichtung der EZB 1998 unter die Marke von 1,0 Prozent zu senken.

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Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ein reguläres Insolvenzrecht für Staaten existiert nicht.Punkt.
    Sie sollten sich daher von der fixen Idee lösen, dass es im Griechenlandfall zu einer Gleichbehandlung der verschiedenen Gläubigergruppen kommt.
    (Selbst die rigide deutsche Insolvenzordnung sieht vor,
    dass bestimmte Forderungen des Staates bzw.der Sozialversicherungsträger vorrangig sind und vorab der
    Insolvenzmasse entnommen werden - zum Nachteil der übrigen Gläubiger).
    Das Gerede von der Klage ist daher albernes Pfeifen im Wald.
    Noch alberner ist die Illusion, mit Hedgefonds "in guter
    Gesellschaft zu sein". Fakt ist, dass bei den Verhandlungen mit dem überschuldeten Griechenland die nicht-institutionellen Gläubiger keinerlei Stimme haben.
    Sie haben nicht einmal informatorische Teilhabe...
    Zu beachten ist auch, dass der Schuldner Griechenland bei nahezu allen Anleihen (jene mit dem Kürzel GR in der ISIN) die regulatorisch-gesetzgeberische Lufthoheit innehat.
    Im übrigen ist es guter Brauch in der Marktwirtschaft, dass Geldverleiher für die Risiken ihres Treibens selbst haften.

  • Es reicht! Ich werde wohl morgen € 500,- in eine Griechenland-Anleihe investieren und klagen, sollte ich ohne ein ordentliches Konkursverfahren zu einem "freiwilligen" Forderungsverzicht gezwungen werden, ohne das die griechischen Beamten, Parlamentarier und Pesnionäre vorher klar auf einen teil ihrer Ansprüche verzichten und die europäischen Staaten ebenfalls auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Und befinde mich damit wohl in guter Gesellschaft mit den Hedgefonds. Entweder Konkurs oder Klage - ein selektiver Verzicht der "bösen Kapitalisten" ist eine Frechheit!

  • @profit
    Habe gerade hier im HB von "nachträglichem" Einfügen von Umschuldungsklauseln (CADs) bei griechischen Staatsanleihen gelesen. Geht soetwas überhaupt (nachträglich) Wenn ja, ziemlich mies für private Anleger, wenn nein bleibt´s bei der relativ optimistischen Prognose. Was ist Ihre Meinung?

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