Anleihemarkt „Nur eine Frage der Zeit, bis Spanien Hilfe beantragt“

Nach dem Draghi-Versprechen, den Euro um jeden Preis retten zu wollen, haben Investoren beherzt Spanien-Anleihen gekauft. Doch wie lange hält die gute Stimmung? Nicht lange, sagen Anleihe-Experten.
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Spanische Euromünze. Wann gibt es Hilfe? Quelle: dpa

Spanische Euromünze. Wann gibt es Hilfe?

(Foto: dpa)

MadridAnleihe-Anleger haben am Dienstag Kasse gemacht - sie erwarteten, dass Spanien bald über eine Inanspruchnahme des EU-Rettungsschirms entscheidet. Die Geldanleger verkauften vor allem kürzer laufende Papiere. "Für uns ist es nur eine Frage der Zeit, bis Spanien Hilfe beantragen wird", betonte Devisenstratege Michael Sneyd von der BNP Paribas. Bis dahin werde sich das Land sicher noch in eine günstigere Position zu bringen versuchen. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat einen Hilfsantrag - lange Zeit ein Tabu in Madrid - zuletzt nicht mehr ausgeschlossen.
Die Rendite zweijähriger spanischer Bonds stieg auf 3,614 Prozent. Damit lag sie aber immer noch rund zwei Prozentpunkte unter dem Stand von vor zwei Wochen. Die Rendite der zehnjährigen Bonds notierte am Dienstag bei 6,767 Prozent. Ende Juli hatte sie mit 7,781 Prozent ein Rekordhoch markiert. Zweijährige italienische Papiere gerieten im Sog der Kursverluste ihrer spanischen Pendants ebenfalls unter Verkaufsdruck. Die Rendite zog auf 3,191 Prozent an.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte vergangene Woche kriselnden Staaten Unterstützung in Aussicht gestellt, sofern diese den EU-Rettungsschirm in Anspruch nehmen und sich den entsprechenden Haushaltsauflagen unterwerfen. Die Details möglicher Notenbank-Hilfen sind aber noch unklar.
Experten rechnen zwar frühestens für September mit ersten Stützungsmaßnahmen der EZB, allerdings sorgt schon allein das Versprechen, im Bedarfsfall einzugreifen, für Hoffnung auf eine Überwindung der Schuldenkrise. "Wir sehen den Euro in einem Monat bei 1,26 Dollar und in drei Monaten bei 1,30 Dollar", sagte BNP-Stratege Sneyd. "Der Grund ist einerseits wachsender Optimismus bezüglich der Euro-Zone und andererseits die Schwäche des Dollar." Am Dienstag kostete die Gemeinschaftswährung 1,2427 Dollar, nach 1,2396 Dollar zum New Yorker Vortagesschluss.

Bundesanleihen verbilligten sich ebenfalls. Börsianern zufolge trennten sich einige Anleger von ihren Papieren, um in ihren Depots Platz für neue zu schaffen. Der Bund will am Mittwoch zehnjährige Titel im Volumen von vier Milliarden Euro platzieren. Der Bund-Future notierte am frühen Dienstagnachmittag 64 Ticks tiefer bei 142,58 Punkten.

  • rtr
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18 Kommentare zu "Anleihemarkt: „Nur eine Frage der Zeit, bis Spanien Hilfe beantragt“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • 'WinfriedSobottka' sagt
    ---------------------------
    "Rechner" schreibt:

    "46,6 Milliarden US-$ (37,7 Milliarden €) bringt der spanische Fummel-Tycoon Amancio Ortega auf die Waage.

    Das wäre doch 'mal was für die Reichensteuer.

    Aber in Spanien bitte, Genosse Gabriel."

    => Ihre Dialektik ist entzückend, "Rechner". In Spanien halten Sie "Reichensteuer" für sinnvoll, in Deutschland für unerträglich.

    Können Sie das bitte erklären?
    ---------------------------

    Mit Vergnügen!

    Deutschland hatte 2011 ein Haushaltsdefizit von 1,0% BSP.

    Spanien hatte 2011 ein Haushaltsdefizit von 8,5% BSP.

    Also besteht in Spanien eher ein Bedarf für Steuererhöhungen als in Deutschland.

    +++

    Da hätten Sie eigentlich auch selbst drauf kommen können.

  • "Rechner" schreibt:

    "46,6 Milliarden US-$ (37,7 Milliarden €) bringt der spanische Fummel-Tycoon Amancio Ortega auf die Waage.

    Das wäre doch 'mal was für die Reichensteuer.

    Aber in Spanien bitte, Genosse Gabriel."

    => Ihre Dialektik ist entzückend, "Rechner". In Spanien halten Sie "Reichensteuer" für sinnvoll, in Deutschland für unerträglich.

    Können Sie das bitte erklären?

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    http://die-volkszeitung.de

  • 46,6 Milliarden US-$ (37,7 Milliarden €) bringt der spanische Fummel-Tycoon Amancio Ortega auf die Waage.

    Das wäre doch 'mal was für die Reichensteuer.

    Aber in Spanien bitte, Genosse Gabriel.

    "Spain’s Ortega Overtakes Buffett as World’s Third-Richest"

    http://www.bloomberg.com/news/2012-08-07/spain-s-ortega-overtakes-buffett-as-world-s-third-richest.html

    ---

    Auch bei gewissen Spaniern die deutsche Baufirmen aufgekauft haben, und bei REAL Madrid könnte man 'mal anfragen.

    Wie wär's mit Verpfändung von Özil und Kedhira?


  • Was heisst Spanien muss sich selbst helfen. Im Prinzip muss sich JEDER selbst helfen. Spanien hätte längst seine Banken verstaatlichen, rekapitalisieren und oder abwickeln müssen. Leider ist nix geschehen. Dann schwindet Vertrauen.

    Im Grunde müssen eben alle Hilfsbedürftigen mit dem auskommen was da ist. Es reicht ja schon, wenn man einen gewissen Teil der Refinanzierung der Staaten untersützten (durch EFSF und evtl. ESM). Keiner darf sich darauf verlassen, dass er sich notfalls einfach ganz fallen lassen kann.

    Daher wird es nur Teil-Rettungen geben können. Die Bankenspritze für Spanien war ja schon eine Teil-Rettung.

    Die Italiener müssen eben Geld von den REICHEN Bürgern einsammeln. Das würde Vertrauen schafen, insofern, als dass jeder Investor merkt, dass Italien alles tut um die Schulden zu begleichen.

  • noch besser wäre, Deutschland und die Niederlande steigen aus der EU und dem Euro aus, dann kann Frankreich den Zahlmeister spielen.

  • Wer beim Monopoly nicht spurt,
    doch dann die Schlinge feste zurrt,
    die dem Volk den Atem nimmt,
    die Reichen aber brav verschont,
    dem lohnt der Schäuble es bestimmt.

    Für harten Kapitalismus wirklich pur,
    zieht Schäuble dann die Rettungsschnur,
    der Rettungsschirm dann öffnet sich,
    da stören auch die Schulden nicht,
    für kurze Wochen wieder Licht!

    Die Taschen ganz schnell vollgepackt,
    von Funktionären - das Volk bleibt nackt,
    die Reichen wieder mal verschont,
    das Volk getreten hart,
    der Schäuble hat es ihn' gelohnt.

    Das Volk kann schreien, es hilft ihm nicht,
    die Polizei erschlägt die Wut,
    nur für die einen gibt es Licht,
    die andern leiden bis auf's Blut.

    Ok - das ist noch nicht wirklich gut, Ich muss noch etwas üben, bevor der Pseudo-Frühling der deutschen Meinungsfreiheit, vorgeführt zur Täuschung des Auslandes, wieder der deutschen
    Realität weichen wird.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    http://die-volkszeitung.de

  • Denn aufgrund der begrenzten Hilfsmöglichkeiten muß sich Spanien selber helfen.Daran führt kein Weg vorbei.
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    Aber das ist doch genau die Konstellation, die die Spanier mit Klauen und Zähnen zu vermeiden versuchen. Sich selbst zu helfen würde zunächst bedeuten, den Spaniern reinen Wein einzuschenken, und Mea Culpa skandierend erklären, dass die Politik der letzten 10 bis 20 Jahren keine Nachhaltigkeit erzeugen konnte - weil der Focus monokausal auf die Bauindustrie und das Schaffen einer gigantischen Immobilienblase gerichtet war, anstatt weitere Wirtschafts- und Industriefelder zu schaffen. Es wird also sehr schwer, den stolzen Spaniern zu vertickern, dass es immer einen Zahltag geben wird, weil die Geldgeber (in Spanien die Banken) bezahlt werden wollen. Nichts ist in diesem Leben umsonst - das müssen die stolzen Südländer am besten gleich heute begreifen!

  • Wenn erst Spanien, dann Italien und danach noch Frankreich unter den "Rettungsschirm" flüchten, besteht zu befürchten, dass es schon nach Italien nichts mehr zu retten geben wird! Was soll aus einer Währungsunion werden, deren größte Volkswirtschaften notleidend sind und von den verbliebenen Nationen gerettet werden müssen? Welcher Anleger sollte noch in diese Schuldenländer investieren?
    Es wird also sehr bald auf einen Nord- und Süd-Euro hinauslaufen, damit die korrupten Südländer Euros und Bonds drucken können, bis der Arzt kommt, und die solventen und solide wirtschaftenden Nordländer nicht an ihren Wohlstandsambitionen gehindert werden!

  • Spanien soll sich bei seinen Bürgern schadlos halten!! Oder bekommen wir Immobilien in Toplagen als Sicherheit?

    Jetzt Aktion "Euro? Nein Danke!"-Aufkleber unterstützen!!!

  • 'Henry' sagt
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    Um die Eurowährung für wenige Zeit länger am Leben zu halten, werden Spanien, Italien und Frankreich als nächstes unter dem Rettungsschirm schlüpfen müssen.
    --------------------

    HAHAHA!

    Soviel ist in den "Schirmen" nicht drin, daß die alle darunter schlüpfen könnten.

    Das Kreditvolumen des ESM ist auf 500 Milliarden beschränkt.

    Die kumulierte Staatsverschuldung von Spanien, Italien und Frankreich liegt bei etwa dem neunfachen davon.

    Weshalb auch Ihre weitergehenden Schlußfolgerungen unbegründet sind.

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