Anleihemarkt
Risikoscheue Anleger setzen auf Bundesanleihen

Deutsche Bundesanleihen haben am Freitag erneut Kursaufschläge verzeichnet. Die Gründe: unsichere konjunkturelle Aussichten, die Herabstufung Italiens und das schwache Wachstum in China.
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Konjunktursorgen haben den deutschen Bundesanleihen am Freitag zu Kursaufschlägen verholfen. Das Wachstum in China, der zweitgrößten Wirtschaft der Welt, schwächte sich im zweiten Quartal ab und das Bruttoinlandsprodukt von Singapur schrumpfte überraschend. Zudem stufte Moody's Investors Service das Länderrating von Italien herab und beließ den Ausblick auf „negativ“. Vor diesem Hintergrund überwog am Markt weiterhin die Risikoaversion.

Die Rendite der am Rentenmarkt maßgeblichen zehnjährigen Bundesanleihe sank zuletzt um zwei Basispunkte auf 1,23 Prozent. Zweijährige Bundesanleihen verzeichneten im Verlauf bei minus 0,055 Prozent ein Rekordtief. Auch dreijährige Papiere wiesen eine negative Rendite auf. Der Terminkontrakt Bund-Future war bei 144,99 Prozent um 15 Basispunkte höher.

Neben deutschen Papieren legten auch die Kurse der als sicher geltenden Staatsanleihen von den Niederlanden, Frankreich, Österreich und Finnland zu. Die Renditen bei den zweijährigen Titeln der mit „AAA“ bewerteten Niederlande und Finnland lagen im negativen Bereich. Frankreichs Papiere mit derselben Laufzeit rentierten nahe Null und jene von Österreich auf einem neuen Rekordtief.

„Es gibt die Erwartung niedrigerer Leitzinsen“, sagte Peter Schaffrik, leitender Zinsstratege für Europa bei der Royal Bank of Canada in London. „Die Geldpolitik weltweit stützt die Bewegung. Wir haben Lockerungen auf breiter Front gesehen.“ In den vergangenen zwei Wochen stockten die Zentralbanken von Japan und Großbritannien ihre Anleihekaufprogramme etwas auf, während im Euroraum, China, Brasilien und Südkorea die Leitzinsen gesenkt wurden.

„Risikoaversion spielt mit der Herabstufung Italiens auch eine Rolle“, fügte Schaffrik hinzu. Die Ratingagentur Moody's hatte die Bonitätsnote für italienische Staatsanleihen um zwei Stufen auf „Baa2“ gesenkt und zur Begründung auf die höheren Finanzierungskosten und das gebremste Wachstum der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone verwiesen.

Infolge der Herabstufung rentierten zehnjährige Staatsanleihen von Italien anfänglich klar über der Marke von sechs Prozent. Nach der erfolgreichen Emission von vier Anleihen mit Laufzeiten zwischen 2015 und 2023 fiel die Rendite jedoch zeitweise bis auf 5,89 Prozent zurück, bevor wieder ein gebremster Aufwärtstrend einsetzte. Zuletzt rentierten die italienischen Bonds um neun Basispunkte höher bei 5,98 Prozent.

Nach Veröffentlichung der Erzeugerpreise in den USA fielen die Kurse am Markt für US-Staatsanleihen leicht. Die Rendite zehnjähriger Treasuries war zuletzt zwei Basispunkte höher bei 1,49 Prozent, jene der 30-jährigen Longbonds legte um einen Basispunkt auf 2,57 Prozent zu. Damit rentierten beide Anleihen aber noch immer nahe der Allzeittiefs bei 1,44 Prozent beziehungsweise 2,51 Prozent vom Anfang Juni. Die Erzeugerpreise waren im Juni entgegen den Erwartungen leicht gestiegen.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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