Anleihemarkt: Schäuble macht Geld mit Bundesanleihen

Anleihemarkt
Schäuble macht Geld mit Bundesanleihen

Mit nichts lässt sich derzeit so leicht Geld verdienen wie mit Schulden. Immer mehr Länder begeben Anleihen mit negativen Renditen – allen voran Deutschland.

Frankfurt am MainDeutschland hat am Anleihemarkt schon wieder einen neuen Rekord gebrochen. Der Bund hat eine neue fünfjährige Bundesanleihe mit einer Negativ-Rendite von minus 0,24 Prozent begeben. Das heißt: Der Bund zahlt keine Zinsen, sondern bekommt von den Investoren eine Art Parkgebühr dafür, dass sie ihr Geld bei ihm anlegen können. Und so viel wie jetzt hat der Bund noch nie mit der Ausgabe einer fünfjährigen Bundesanleihe verdient.

Über seine Finanzagentur platzierte er bei Banken 3,971 Milliarden Euro. Der Kupon der Anleihe beträgt null Prozent, Zinsen gibt es also per se nicht. Das war bereits bei der Platzierung einer fünfjährigen Bundesanleihe im Januar 2015 so. Im Juli 2015 gab es dann ein fünfjähriges Papier mit einem Zinsschein von 0,25 Prozent – jetzt sind es wieder null Prozent.

Der Kurs der Anleihe ist nämlich wieder deutlich gestiegen, deshalb ergibt sich auch bei einem Null-Kupon eine negative Rendite.  Der Bund platzierte die neue Bundesobligation zu einem durchschnittlichen Kurs von 101,24 Prozent. Da die Anleihe nach fünf Jahren aber nur zum Nominalwert von 100 Prozent zurückgezahlt wird, ergibt sich die negative Rendite von minus 0,24 Prozent.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ­– und damit der deutsche Steuerzahler – verdient so mit der Ausgabe der Anleihe über fünf Jahre insgesamt knapp 47,7 Millionen Euro. Dass der Bund und viele andere Euro-Länder mit ihren Schulden Geld verdienen ist kein Novum. Im Gegenteil: Inzwischen rentieren in der Euro-Zone Staatsanleihen und Geldmarktpapiere im Volumen von insgesamt 3,3 Billionen Euro mit einer negativen Rendite. Das sind fast die Hälfte aller ausstehenden Wertpapiere der Euro-Länder. Auch in Ländern wie der Schweiz oder Japan sind die Renditen vieler Staatspapiere in Minus gerutscht. Als Geldmarktpapiere bezeichnet man dabei Wertpapiere mit einer Laufzeit von drei Monaten bis zu anderthalb Jahren, Anleihen heißen die Emissionen ab einer Laufzeit von zwei Jahren.

In Deutschland sind die Renditen dabei am negativsten. Nach Berechnungen der Commerzbank rentieren 73 Prozent aller Bundesschulden im negativen Bereich. Mit einer Fünfjahresanleihe verdiente der Bund bereits 2015 Geld und zwar mit Aufstockungen im März und April. Bei sechsmonatigen Geldmarktpapieren ist die Rendite seit gut vier Jahren kontinuierlich negativ.  Das erleichtert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble seine Aufgabe, einen ausgeglichenen Bundeshaushalt zu erreichen. Die „schwarze Null“ schaffte der Finanzminister dabei schon 2014 – und das liegt eben nicht nur an den sprudelnden Steuereinnahmen.

So hat das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung bereits im vergangenen Jahr ausgerechnet, dass der deutsche Staat wegen der niedrigen Zinskosten seit Anfang 2010 um rund 100 Milliarden Euro beziehungsweise gut drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts entlastet worden ist. Diese Summe lasse sich zumindest teilweise direkt auf die Euro-Krise zurückführen: „Diese Einsparungen übertreffen die Kosten der Krise – selbst dann wenn Griechenland seine Schulden komplett nicht bedienen würde“, betonten die Wirtschaftsforscher. Der deutsche Anteil an den bisherigen Rettungskosten für Griechenland wird auf rund 90 Milliarden Euro beziffert

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Politik der EZB ein Grund für die Zinsersparnis

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