Anleihemarkt
Spanien sammelt Milliarden ein - aber CDS verteuern sich

Die Unsicherheiten der Griechenland-Rettung greifen auch auf den Anleihenmarkt über. Die Credit Default Swaps (CDS) von Spanien und Italien haben sich deutlich verteuert. Spanischen Anleihen sind dennoch gefragt.
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Frankfurt/MadridDas anhaltende Hick-Hack um die neuen Hilfen für Griechenland hat am Donnerstag Spekulationen auf eine Pleite des Mittelmeer-Anrainers genährt. Gleichzeitig wuchs die Furcht, dass Griechenland andere hoch verschuldete Euro-Staaten wie Spanien oder Italien mit in den Abgrund reißen könnte.

Doch trotz der drohenden Staatspleite Griechenlands stehen andere Euro-Länder bei Anlegern wieder hoch im Kurs. Spanien und Frankreich liehen sich am Donnerstag problemlos einen zweistelligen Milliardenbetrag. Trotz meist fallender Zinsen stieg der Appetit der Investoren auf Staatsanleihen. Experten führten das auf die Aktion der Europäischen Zentralbank zurück (EZB), die den Banken fast eine halbe Billion Euro geliehen hat, die diese zu einem guten Teil in Staatsanleihen anlegen.

Die Auktion dreier Schuldtitel spülte Spanien 4,1 Milliarden Euro in die Staatskassen, wie die Finanzagentur am Donnerstag in Madrid mitteilte. Die Papiere mit Laufzeiten zwischen drei und sieben Jahren waren bis zu 4,4-fach überzeichnet, die Nachfrage der Anleger lag also deutlich über dem Zuteilungsvolumen. Die Rendite für die siebenjährige Anleihe fiel auf 4,832 von 5,352 Prozent, die für den dreijährigen Bond auf 2,966 von 4,984 Prozent. Dagegen stieg der durchschnittliche Zins für die bis Juli 2015 laufende Anleihe auf 3,3 von 2,8 Prozent. Spanien habe inzwischen bereits 35 Prozent des in diesem Jahr angestrebten Volumens am Markt eingesammelt, sagte Analyst Michael Leister von der DZ Bank: „Das ist sehr positiv“. Andere Experten hoben die starke Nachfrage hervor.

Frankreich nahm mit drei Versteigerungen 8,5 Milliarden Euro ein. Der durchschnittliche Zins für Bonds mit zweijähriger Laufzeit fiel auf 0,89 von 1,05 Prozent, der für fünfjährige Papiere auf 1,93 von 1,99 Prozent. Die Auktionen waren bis zu 3,3-fach überzeichnet. „Das sind durch die Bank weg gute Ergebnisse“, sagte Rabobank-Analyst Lyn Graham-Taylor.

Die Hängepartie um neue Milliardenhilfen für das hoch verschuldete Griechenland hatte viele Marktteilnehmer nervös gemacht. Es braucht dringend 130 Milliarden Euro von EU und IWF, andernfalls droht schon im März die Zahlungsunfähigkeit. Bislang hat die Regierung aber noch nicht alle Auflagen für die neuen Hilfen erfüllt.

In Spanien wird die Haushaltssanierung durch die Konjunkturflaute erschwert. Im vierten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent und damit zum ersten Mal seit zwei Jahren. Die Regierung will die Neuverschuldung in diesem Jahr auf 4,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes drücken. 2011 waren es nach Schätzung der konservativen Regierung rund acht Prozent.

Auf der anderen Seite verteuerte sich die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Anleihen per Credit Default Swap (CDS) um 26.000 auf 445.000 Euro, teilte der Datenanbieter Markit mit. Spanische CDS zogen um 25.000 auf 428.000 Euro an. Diese Kurse implizieren, dass Anleger die Wahrscheinlichkeit einer Pleite dieser beiden Staaten auf jeweils knapp 25 Prozent taxieren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Aber es wurden doch keine Anleihen gezeichnet, sondern an hat das von ezb zur beliebigen Verfügung gestellte Spielgeld weitergereicht!

  • Es grenzt an gezielter Desinformationspolitik, die heute trotz des äußerst widrigen Marktumfelds erfolgreich bestandenen Anleiheauktionen Spaniens und Italiens unerwähnt zu lassen.

    Das ist entweder atemberaubend schlecht recherchiert oder Panikmache -
    es hat jedenfalls nichts in einem Medium verloren, das sich "führende Wirtschaftszeitung Deutschlands" nennt und einstmals mit dem Slogan antrat "Substanz entscheidet".

    Hier entscheidet offenbar nichts mehr außer einer sensationell klingenden Schlagzeile, um möglichst viele Klicks anzuziehen - egal um welchen Preis und egal, ob richtig oder falsch.

    Journalistische Leitsätze? Verantwortung? Wie altmodisch...
    Moralische Maßstäbe legen wir bei anderen an... Und über handwerkliche Maßstäbe nachzudenken - dafür haben wir keine Zeit mehr...
    Gruß an die Redaktion

  • Wie wäre es, wenn das Handelsblatt die erfolgreichen Anleiheauktionen des heutigen Tages erwähnt? Diese Panikmache seitens der Medien läßt mich an der Neutralität der Berichterstattung zweifeln!

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